Kommentar zu den Mietpreisen

Zeit wird's: Wann kriegt Traunstein wieder bezahlbare Wohnungen?

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Zwei Beispiele teuer sanierter Mietshäuser in Traunstein: Ecke Bahnhofstraße/Pinerolostraße (links) und das ehemalige Kurhaus am Klosterberg. 

Traunstein - Wo man auch hinschaut: Teure Mietshäuser sind in den vergangenen Jahren nur so aus dem Boden geschossen. Ein Kommentar zu Mietpreisen und Wohnungssuche von unserem Reporter Xaver Eichstädter.

Endlich! Heute Abend wird der neue Mietvertrag unterschrieben. Dann bin ich wieder raus aus diesem Irrenhaus namens "Wohnungssuche in Traunstein". Zwei Zimmer, recht zentral, 660 Euro warm für 58 Quadratmeter mit Balkon und Tiefgaragenstellplatz. Geduld war gefragt. Viel Geduld. Denn auch wenn die Ansprüche an die neuen vier Wände nicht allzu hoch sind, der Geldbeutel sollte schon halbwegs gefüllt sein, um in Traunstein eine anständige Wohnung zu finden. 

Verzweiflung in den Facebook-Gruppen

In Facebook-Gruppen wie "Immobilien Landkreis Traunstein" bekommt man dabei einen Vorgeschmack, wie es auf dem Wohnungsmarkt in der Großen Kreisstadt momentan zugeht. Drei Suchanzeigen die dort allein seit Anfang Oktober gepostet wurden. Die Rückmeldungen im Kommentarbereich: null.

"Suche Wohnung im Raum/Umkreis von Traunstein bis 500 Euro warm, ab zwei Zimmer."

"Suche Vier-Zimmer-Wohnung in Traunstein, sollte nicht mehr als 800 warm kosten."

"Suche immer noch eine Ein-Zimmer-Wohnung für mich. Kaltmiete darf nicht mehr als 325 Euro haben."

Kein Wunder, dass dem Ärger dort regelmäßig Luft gemacht wird: "Katastrophe, in München kriegt man schneller ne Wohnung", heißt es zum Beispiel. Ein anderer Kommentar: "Vielleicht denkt der ein oder andere Vermieter mal darüber nach. Wenn man ehrlich ist und ein wenig Menschlichkeit besitzt, muss man nämlich wirklich zugestehen, dass da ganz schön gewuchert wird. Und noch schlimmer sind die Kriterien, nach denen Mieter heute ausgesucht werden. Kinder und Haustiere gehen ja schon mal gar nicht. Und dann bist du am besten nie daheim und hast eine Million auf dem Konto."

So stiegen die Mietpreise in den vergangenen Jahren

Ist froh, aus dem Haifischbecken "Wohnungssuche in Traunstein" unbeschadet herausgekommen zu sein: Unser chiemgau24-Reporter Xaver Eichstädter.

Gebaut und saniert wurde in Traunstein in den vergangenen Jahren jede Menge - nur leistbar sind diese Wohnungen selten: Über zehn Euro Miete zahlt man für eine Neubauwohnung inzwischen pro Quadratmeter im Schnitt. Ein Plus von 13,5 Prozent im Vergleich zu 2013. Bei Bestandswohnungen ging es sogar um 14,6 Prozent hinauf. Dort liegt der Quadratmeterpreis bei Mietwohnungen momentan bei 8,30 Euro. Das sozialdemokratische Alibiprojekt namens Mietpreisbremse kommt dabei noch nicht mal zur Anwendung, die Staatsregierung sieht in Traunstein keinen "angespannten Wohnungsmarkt".

Fotos: Neue, hochpreisige Wohnungen in Traunstein

Ein konkretes Beispiel: Für eine 55-Quadratmeter-Neubauwohnung in der Pensionatstraße wurden 2011 noch 630 Euro Warmmiete inklusive Tiefgaragenstellplatz verlangt. Eine vergleichbare, neue Zwei-Zimmer-Wohnung am Triftfeld, die ich mir neulich angeschaut habe, kostete dagegen schon 800 Euro warm - noch dazu schlecht geschnitten und diese Siedlung ist, um ehrlich zu sein, Geschmackssache. 

Allerhöchste Eisenbahn: Die Stadt muss handeln!

Trotz dieses steigenden Angebots: Der Druck vom Traunsteiner Wohnungsmarkt wird damit nicht genommen. Durch die neu gebauten Wohnungen werden nicht zwingend günstigere frei. Traunstein wächst, was erfreulich ist - doch die Zuzügler sind oft älteren Semesters und bringen ordentlich Geld mit. Singles, Geringverdiener oder junge Familien ziehen da schnell den Kürzeren. 

In der Stadtverwaltung weiß man von dem Problem: Oberbürgermeister Kegel sprach bereits von einem "unglaublichen Wohndruck in Traunstein", auch seine Verwaltung gab zu, dass "der Markt für bezahlbare Wohnungen für einkommensschwächere Haushalte immer knapper wird". Heuer wurden endlich die kleine Schritte unternommen um das Problem anzugehen: In der Haidforst werden sowohl die Stadt, als auch die Wohnbaugenossenschaft neue Mietshäuser bauen. Weiter so! Aber ich hoffe, dass das nur der Anfang ist

Verfasst von Xaver Eichstädter (xaver.eichstaedter@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

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