Kommentar zum Bayern-Spiel in Madrid

Scheitert Pep an erneutem Müller-Irrtum?

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Bayern-Coach Pep Guardiola (vorne) ließ Thomas Müller (links unten) im Spiel bei Atlético Madrid zunächst auf der Bank schmoren.

Madrid - Ohne Thomas Müller geht es beim FC Bayern München in wichtigen Spielen einfach nicht. Das meinen nicht nur absolute Experten, sondern beweisen auch nackte Zahlen. Ein Kommentar:

Als die Bayern 2014 im Halbfinal-Hinspiel bei Real Madrid 0:1 verloren, verzichtete Trainer Pep Guardiola schon einmal auf Thomas Müller. Und im Halbfinale 2015 in Barcelona wechselte er den Angreifer im Hinspiel beim Stand von 0:1 aus. Das Spiel endete 0:3. Am Mittwochabend musste der Nationalspieler erneut über 70 Minuten auf der Bank schmoren. Das Ergebnis ist bekannt, die Bayern unterlagen bei Atlético mit 0:1 und stehen damit vor dem Rückspiel gewaltig unter Zugzwang. 

Müller mit Messi verglichen

Kein Wunder, dass es hinterher reichlich Kritik an der gewöhnungsbedürftigen Aufstellung des hochdekorierten Bayern-Trainers hagelte. "Das ist für mich eine riesige Überraschung. Müller ist für Bayern wie Messi für Barcelona. In ganz wichtigen Spielen sind die fast nicht zu ersetzen", hatte der ehemalige Bayern-Trainer und jetzige TV-Experte Ottmar Hitzfeld bereits vor dem Anpfiff bei Sky gesagt. 

Pressestimmen zu Atlético vs. Bayern:

"Sie müssen Bayern schlagen? Dann rufen Sie bei Saúl an!"

Eine These, die sich auch mit Zahlen untermauern lässt: Acht Tore in elf Spielen hat er in der laufenden Königsklassensaison erzielt. Mit insgesamt 36 Toren ist er bester deutscher Torschütze der Champions League-Geschichte.
Er war es, der die Bayern beim dramatischen Achtelfinalsieg gegen Juventus Turin mit seinem Kopfballtor in die Verlängerung gerettet und vor dem Ausscheiden bewahrt hatte. Und Müller war in Form: Er hatte die Bayern erst vor einer Woche mit zwei Toren gegen Werder Bremen ins Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund befördert.

Und die Statistik zeigt auch: Müller ist kein Joker! Als Einwechselspieler traf er in der Champions League zuletzt im Februar 2014 beim Auswärtssieg bei Arsenal (2:0). In der Bundesliga datiert sein letztes Jokertor gar aus dem November 2013 (3:0 gegen Augsburg).

Fehler bei der Aufstellung

"Ich wollte einen Linksfuß auf links und einen Rechtsfuß auf rechts haben. Und ich wollte einen Mittelfeldspieler mehr haben", versuchte der stolze Katalane hinterher seine Entscheidung im TV zu rechtfertigen. Dieses Statement lieferte jedoch eine Menge Angriffspunkte. Costa auf links und Coman auf rechts waren zwar bemüht, doch es mangelte zumeist an Unterstützung. 

Der stellvertretende Redaktionsleiter Martin Weidner hält die Nicht-Berücksichtigung von Thomas Müller für einen Fehler von Trainer Pep Guardiola.

Juan Bernat war hinten links ein Totalausfall und auch entscheidend am Gegentor beteiligt. Philipp Lahm wirkte rechts hinten zwar sicher, doch er rückte bei eigenem Ballbesitz oft weit ins Zentrum, um den Spielaufbau mitanzukurbeln. So mussten sich die beiden Flügelflitzer die Bälle meist sehr weit hinten holen und konnten ihre Schnelligkeit kaum ausspielen. So kamen auch kaum Flanken im Zentrum an.
Und ob ein 19-jähriges Talent wie Coman in solch entscheidenden Partien wirklich besser ist als der hochdekorierte Weltmeister Müller, darf stark bezweifelt werden. Zumal Müller sich mit seinen Überraschungsmomenten und unkonventionellen Laufwegen auch alleine besser in Szene hätte setzen können. Hinzu kommt, dass Guardiola eigentlich wissen hätte müssen, dass Müller als Rechtsaußen sowohl bei Bayern als auch im Nationaldress seine besten Spiele abgeliefert hat

Auch das Argument "zusätzlicher Mittelfeldspieler" lässt sich trefflich auseinandernehmen. Der anstatt Müller aufgebotene Thiago konnte die Erwartungen nämlich in keinster Weise erfüllen. Der kleine Dribbler kam mit der Härte und Zweikampfstärke des spanischen Bollwerks überhaupt nicht zurecht und konnte keine Akzente setzen. Mit Müller wären die Bayern da nicht nur variabler gewesen, sondern Robert Lewandowski hätte im Sturmzentrum auch mehr Unterstützung bekommen.

Scheitert Pep an eigener Taktik? 

Müller gelang zwar – genauso wie dem ebenfalls "ausgebooteten" Franck Ribéry – nach seiner Einwechslung nichts Zählbares mehr. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Wäre mehr drin gewesen für den FC Bayern, wenn Guardiola früher auf Müller gesetzt hätte? 

Bleibt zu hoffen, dass sich Guardiola spätestens vor dem Rückspiel an den legendären Satz von Louis van Gaal erinnert: "Müller spielt immer!" Ansonsten ist das böse Erwachen nur einen Schritt vor dem großen Ziel – dem Finale in Mailand – vorprogrammiert und der Star-Trainer wäre in München gescheitert – an seiner eigenen Taktik...

Ein Kommentar von Martin Weidner (martin.weidner@ovb24.de)

Quelle: rosenheim24.de

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