Zuständig fürs Weichspülen

Gertrud Steinbrück - heimlicher Star im Wahlkampf

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Peer und Gertrud Steinbrück beim Parteikonvent der SPD im Juni

Berlin - Gertrud Steinbrück ist der heimliche Star im SPD-Wahlkampf: Ohne sich zu verstellen oder zu verbiegen hat sie ihm eine frische Note verliehen. Ein Portrait der "Lenor-Frau":

Am Ende ist Sigmar Gabriel sehr dankbar. „Also lieber Peer, Du hast Schwein gehabt, dass die Nominierung des Kanzlerkandidaten der SPD schon geschehen ist“, sagt er Mitte Juni zum Abschluss des Parteikonvents im Berliner Tempodrom. Und meint zu Steinbrücks Frau gerichtet: „Liebe Gertrud Steinbrück: Gut, dass Du nicht auf dem Nominierungsparteitag gewesen bist. Sonst wärst Du es selbst geworden“. Nicht wenige in der SPD hat das Agieren der pensionierten Biologielehrerin mehr beeindruckt als das ihres Mannes.

Damals rettete die 64-Jährige die ganze Veranstaltung - im Vorfeld hatte Peer Steinbrück öffentlich von Gabriel Loyalität eingefordert. Tief betroffen kamen die Delegierten zum Konvent. Dann folgte der Auftritt des Ehepaars Steinbrück - der Kandidat zeigte Emotionen. Gabriels Schlussworte waren auch Ausdruck großer Erleichterung. Denn die Mutter von drei Kindern hatte es geschafft, das Bild von ihrem Mann etwas geradezurücken. Es werde immer nach kleinen Gemeinheiten gesucht, die man ihm ans Hemd kleben könne, sagte sie damals. „Das ist schwer zu ertragen.“ Er müsse doch etwas bewegen wollen, wenn er freiwillig seine ganze Freiheit aufgebe, um dem Land zu dienen.

Gertrud Steinbrück über Peer: "Er hat seine kuscheligen Seiten"

Im Wahlkampf hat Gertrud Steinbrück neben dem Konvent nur einen größeren Auftritt absolviert - beim Deutschlandfest am Brandenburger Tor las die mit einem feinen trockenen Humor ausgestattete Frau mit ihrem Mann aus „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ vor. „Viele, viele erwachsene Kinder hier“, meinte sie, als sie auch Dutzende Rentner und Journalisten in dem Lesezelt erblickte. Daneben gab es Interviews. Im „Stern“ betonte die Bonnerin, sie sei als „Lenor-Frau“ zuständig fürs Weichspülen des oft als kantig beschriebenen Gatten. „Er hat seine kuscheligen Seiten“, sagt sie.

1973 haben sie sich auf einer Skihütte in der Eifel kennengelernt. Steinbrück hatte „wahnsinnige Kopfschmerzen“, weil er abends zuvor zu viel getrunken hatte. Er sei garstig und wortkarg gewesen . „Aber sie hielt nicht den Schnabel und redete ununterbrochen auf mich ein. Das war fantastisch.“ Am Ende des Skihütten-Aufenthalts war er nicht mehr beziehungsfrei. Homestorys haben sich die Steinbrücks nach schlechten Erfahrungen in der Ministerzeit in Schleswig-Holstein verweigert.

Von Steinbrücks Kandidatur erfuhr seine Frau aus den Nachrichten. „Ich war erschüttert.“ Gertrud Steinbrück hat in diesem Wahlkampf so ihre eigenen Erfahrungen gemacht - in vielen Medienberichten erkenne sie ihren Mann gar nicht wieder. Er könne wahnsinnig witzig sein, aber auch ein Sturkopf und bisweilen lernunwillig: „Er kann bis heute keine Amsel vom Star unterscheiden.“ Direkt nach Bekanntwerden der Kandidatur brach sie zu einer Klassenfahrt nach Istrien auf. „Denn ich hab ja einen Job“, sagte sie beim Parteikonvent. Dafür werde sie mit Steuergeld bezahlt - diesen Sommer ging sie aber in Ruhestand.

Sie lebt ihr eigenes Leben und wurde dennoch bisweilen mehr zum Thema im Wahlkampf als sie es wollte. Der Tiefpunkt war sicherlich ein Erpressungsversuch wegen einer angeblich illegalen Beschäftigung einer Putzfrau vor 14 Jahren. Auf die Frage, was ihr Mann zu Hause besonders gut kann, sagt sie: „Lesen.“ Und ergänzt: „Sehen Sie es mal so rum: Er stört nicht.“ Was er richtig gut könne, sei Handwerken. „Wenn Sie allerdings ein Vogelhaus von ihm haben wollen, müssen Sie eine stabile Säule darunter haben. Denn er baut es atombombensicher.“

"Sehe nicht so toll aus und bin nicht so schlau wie Michelle Obama"

Kanzlerin Angela Merkel und ihr Mann Joachim Sauer hätten es geschafft, die Rolle des Politiker-Partners entkrampfter und unabhängiger zu definieren, lobte Gertrud Steinbrück im Juni. Sie könne und wolle jedenfalls keine Michelle Obama geben. „Erstens sehe ich nicht so toll aus und zweitens bin ich nicht so schlau.“ Sie hat dem Wahlkampf - ohne sich zu verstellen oder zu verbiegen - eine frische Note verliehen. Aufgeben sei nie Thema gewesen, hat sie wiederholt betont. Sie sei da preußisch erzogen. „Jetzt wird das Ding durchgezogen.“

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dpa

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