Pensionen versus Renten

Renten-Debatte: Ist das noch gerecht?

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Zur Ruhe gesetzt leben Pensionäre statistisch gesehen deutlich entspannter als Rentner

München - Pensionen von Beamten sollen deutlich erhöht werden – andere Ruheständler kommen deutlich schlechter weg. Wir vergleichen.

Davon können viele Rentner nur träumen: Wenn die Beamten des Bundes rückwirkend zum 1. März 2,2 Prozent und ab Februar 2017 noch einmal 2,35 Prozent mehr Gehalt bekommen, wie es ein Gesetzesentwurf von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vorsieht, dann steigt die Mindestpension eines Bundesbeamten auf 1660 Euro. Wie die tz jetzt berichtet, bekommen aber 94 Prozent aller Rentenbezieher weniger. Auf die Mindestpension hat ein Beamter schon nach fünf Jahren Anspruch – ein Durchschnittsverdiener arbeitet für so eine Altersversorgung 45 Jahre lang.

Die gesetzliche Rentenkasse zahlt derzeit 250 Milliarden Euro an die deutschen Ruheständler aus. Das ist rund sechseinhalb Mal so viel wie für die Beamtenpensionen fällig werden, die bei 38,5 Milliarden liegen. Doch die absoluten Zahlen trügen, denn Arbeiter und Angestellte stellen 20,5 Millionen Rentner, es gibt aber nur 1,1 Millionen pensionierte Beamte. Das heißt: Rein rechnerisch bekommt jeder Beamte 2356 Euro im Monat, jeder Rentner 857.

Beamte bekommen gut 71 Prozent des Bruttogehalts

Während sich Normalrentner nach 45 Beitragsjahren mit maximal 48 Prozent ihres letzten Einkommens zufrieden geben müssen, bekommen pensionierte Beamte gut 71 Prozent ihres letzten Bruttogehalts. Im Schnitt, so rechnen es mehrere Studien vor, setzen sich Beamte mit dem Dreifachen dessen zur Ruhe, was gesetzliche Rentner bekommen. Sie kassieren rund 3000 Euro. Experte Torsten Ermel nennt sie deshalb „die Adeligen von heute“.

Die Gesamteinkünfte von Ruheständlern sehen laut Einkommensverbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts insgesamt so aus: Normalrentner haben ein Haushaltseinkommen von 1756 Euro. Bei Pensionären sind es 4100 Euro, jeweils brutto. Der Beamtenbund kritisiert, dass man bei diesen Berechnungen vergesse, dass Pensionen voll versteuert werden müssen. Fakt ist, dass 75 Prozent der Rentnerhaushalte keine Steuern zahlen - aber nur, weil sie so wenig Geld haben, dass sie unterm Freibetrag von rund 1200 Euro im Monat liegen. Ansonsten gilt: Wer mehr als 1180 Euro Rente im Monat bekommt, wird zur Kasse gebeten – aktuell auf 72 Prozent der Rente. Der steuerpflichtige Anteil steigt mit jedem Rentnerjahrgang weiter an. 2040 wird die Rente für Neurentner zu 100 Prozent steuerpflichtig sein. Rentenerhöhungen sind schon jetzt zu 100 Prozent steuerpflichtig.

Pensionäre zahlen hohe Steuern und Krankenversicherungsbeiträge, aber selbst nach Abzug der Kosten bleiben allein lebenden Ex-Beamten 3404 Euro netto und Paaren 2936 Euro pro Kopf. Ein Ex-Angestellter dagegen hat im Schnitt bloß 1595 Euro übrig, Paare 1470 Euro pro Kopf. Also die Hälfte.

Pensionen und Rente nu schwer vergleichbar

Pensionen und Rente lassen sich nur schwer vergleichen, meint der Beamtenbund – und zwar auch, weil viele Arbeitnehmer noch Betriebsrenten oder Bezüge aus privaten Rentenversicherungen kassieren würden. Das stimmt: 8 Prozent bekommen noch eine Betriebsrente und 9 Prozent Geld aus privater Altersvorsorge. Aber für 68 Prozent der ehemaligen Arbeiter und Angestellten ist die gesetzliche Rente die einzige Alterssicherung.

Zwar haben die Beamten unter Reformen gelitten, die etwa das Pensionsniveau von 81 Prozent (vor 15 Jahren) auf rund 72 Prozent des letzten Gehalts absenkten. In der gesetzlichen Rentenversicherung wurde in diesem Zeitraum das Niveau aber von 62 auf 48 Prozent abgesenkt. Auch wenn man die üblichen Renten- und Pensionsanpassungen seit 1999 vergleicht – den Inflationsausgleich sozusagen – ziehen die gesetzlichen Rentner den Kürzeren: Sie haben rund 1 Prozent Zuwachs pro Jahr, Pensionäre 1,35 Prozent (Quelle: Bürgerbündnis ADG).

Jeder zweite Beamte ist Akademiker

Müssen Pensionen nicht automatisch höher sein, weil viele Beamte eine akademische Ausbildung absolviert haben, während ins gesetzliche System sehr viele Geringverdiener einzahlen? Für Länder und Kommunen trifft das wohl zu und auch beim Bund ist immerhin jeder zweite Beamte Akademiker. Allerdings sind auch viele ehemalige Post- und Bahnmitarbeiter unter den Pensionären, von ihnen haben nur rund 16 beziehungsweise 14 Prozent einen akademischen Abschluss, trotzdem liegen ihre Pensionen im Schnitt bei gut 1900 Euro. Das ist das Doppelte dessen, was ein Normalrentner erhält.

Mit Armut im Alter haben Ex-Beamte zumindest rein statistisch nichts zu tun. Grundsicherung beziehen null Prozent. Dagegen weist die gesetzlichen Rentenstatistik sogar sieben Prozent Akademiker aus, denen der Staat die Mindestrente zuschießen muss. Ingenieure gehen zu fünf Prozent arm in Rente.

Eine Rentenreform wird immer wieder diskutiert. Dabei sind die Beamten aber meist außen vor. Experten meinen, das Problem sei, dass man für eine großen Reform eine Zweidrittelmehrheit des Bundestages benötigt. Die stärkste Fraktion, die dort aber vertreten ist, ist die der Beamten. Gleich dahinter folgen die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und der politischen Parteien. Beide Berufsgruppen stellen rund 40 Prozent des Bundestages.

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