Anschläge in New York

US-Ermittler nehmen 28-jährigen Verdächtigen fest

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Spurensicherung nach der Explosion in Manhattan. New York will sich mit zusätzlich 1000 Polizisten und Angehörigen der Nationalgarde schützen. Foto: Justin Lane

New York/Elizabeth - Ein Anschlag mit 29 Verletzten in New York, selbst gebaute Bomben im nahen New Jersey: Mehrere Vorfälle vom Wochenende lösen in den USA große Besorgnis aus - und sie heizen den Wahlkampf nochmals an.

Nach dem Bombenanschlag in New York und dem Fund mehrerer Sprengsätze hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Der Gesuchte Ahmad Khan Rahami wurde am Montagmorgen in Linden (New Jersey) festgenommen. Möglicherweise gehen alle Zwischenfälle vom Wochenende auf sein Konto.

Fernsehbilder zeigten den Verdächtigen auf einer Trage liegend in Obhut der Polizei. Er war bei Bewusstsein und hatte mehrere Verletzungen.

Nach Angaben des Bürgermeisters von Linden hatte er im Durchgang einer Bar geschlafen und war von Passanten entdeckt worden. Als die alarmierte Polizei den Schlafenden habe wecken wollen, sei es zu einem Schusswechsel gekommen, sagte Bürgermeister Derek Armstead. Rahami sei ins Bein getroffen worden und ein Polizist in seine schusssichere Weste. Ein zweiter Polizist sei durch Glassplitter verletzt worden.

War der Verdächtige ein Einzeltäter?

Die Polizei hatte erst am Montagmorgen einen Fahndungsaufruf veröffentlicht, der Rahami zeigt und den 28-jährigen US-Amerikaner afghanischer Herkunft sowohl mit den Anschlägen von New York als auch mit den Sprengsätzen von Seaside Park und Elizabeth in Verbindung bringt. Offen ist, ob er allein handelte.

Der Festgenommene soll auch der Mann sein, der auf Überwachungsvideos in New York zu sehen war. Nach Polizeiangaben wohnte er in Elizabeth, wo am Sonntagabend der Bombenrucksack gefunden wurde. Der Sender NBC berichtete unter Bezug auf Ermittlerkreise, sein Fingerabdruck sei auf einer der nicht explodierten Bomben gefunden worden.

Die Ermittler stufen die Vorfälle als Terrorismus ein. Einem Bericht des Senders NBC zufolge gibt es aber bislang keine direkte Verbindung zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Man könne zwar nicht ausschließen, dass der oder die Täter vom IS inspiriert gewesen seien, aber es gebe keinerlei Anhaltspunkte für etwas wie einen Auftrag, berichtete der Sender unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Linden liegt etwa 6,4 Kilometer entfernt von Elizabeth. Dort wurde am späten Sonntagabend in der Nähe des Bahnhofs eine Tasche gefunden, die fünf Bomben enthielt. Die Polizei entschärfte sie in der Nacht zum Montag mit Robotern. Dabei explodierte eine Bombe, verletzt wurde niemand. Bei der Explosion am Samstag im New Yorker Szeneviertel Chelsea waren 29 Menschen verletzt worden. Ein zweiter Sprengsatz in einem Schnellkochtopf explodierte nicht.

Bereits am Samstagmorgen war in Seaside Park in New Jersey eine von drei miteinander verbundenen Rohrbomben in einer Mülltonne detoniert. Sie galten vermutlich einem Rennen der Marineinfanterie mit mehr als 5000 Teilnehmern. Dank einer Verzögerung des Rennens wurde niemand verletzt.

Obama: Kein Zusammenhang zwischen Minnesota und Anschlägen an der Ostküste

Im Zusammenhang mit der New Yorker Detonation befragte das FBI fünf Personen, die in einem Auto gestoppt wurden. Den Angaben zufolge sollen die meisten Insassen Familienmitglieder von Rahami sein. Sie wurden festgenommen. Bisher sei allerdings niemand eines Verbrechens beschuldigt worden, hieß es.

US-Präsident Barack Obama sagte den Sicherheitsbehörden seine Unterstützung zu. Er lobte die Arbeit der Polizei. Zugleich bestätigte er, dass es bislang keinen Zusammenhang zwischen den Vorfällen an der Ostküste und einer Messerattacke im Bundesstaat Minnesota gibt. Dort hatte ein Mann am Samstagabend acht Menschen verletzt, bevor er von der Polizei getötet wurde. Der IS reklamierte die Tat für sich.

Unterdessen verschärften die Taten die Auseinandersetzung im Präsidentenwahlkampf. Der Republikaner Donald Trump sagte im Sender Fox, es sei mit weiteren Anschlägen zu rechnen. Verantwortlich seien die Regierung Obamas und seine Konkurrentin Hillary Clinton, die Hunderttausende Fremde ins Land lassen wollten. Diese Behauptung ist sachlich falsch, so hat die US-Regierung die Zahl anzuerkennender Flüchtlinge etwa aus Syrien für 2016 auf nur 10 000 begrenzt.

Clinton sagte: „Lasst uns wachsam sein aber nicht furchtsam“. Sie sei die einzige Kandidatin im Rennen, die Erfahrung damit habe, Terroristen niederzuringen.

Auf die afghanische Herkunft des Verdächtigen angesprochen, sagte Clinton, in den USA lebten Millionen friedlicher eingebürgerter Einwanderer und Millionen friedliebender Muslime. Trump, dem sie Demagogie vorwarf, suche einen Krieg mit dem Islam. Seine Rhetorik spiele den Feinden der USA in die Hände.

dpa

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