Eklat beim NSU-Prozess

Streit zwischen den Zschäpe-Anwälten, Zeuge schwänzt

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Die Angeklagte Beate Zschäpe (r) und ihre Anwälte Anja Sturm (verdeckt, l-r), Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Hermann Borchert.

München - Zwischen den Verteidigern der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe ist es am Montag zu einer offenen Auseinandersetzung im NSU-Prozess gekommen. Zudem schwänzte ein Zeuge.

Gleich mehrfach sind am Montag im Münchner NSU-Prozess Prozessbeteiligte aneinandergeraten. Die Verteidiger des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben warfen der Bundesanwaltschaft vor, Beweismittel zurückzuhalten. Mehrere Anwälte von Opfern des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ äußerten sich erbost über einen Vortrag von Rechtsanwalt Wolfgang Heer, einem der Pflichtanwälte von Beate Zschäpe. Zschäpes Vertrauensanwalt Hermann Borchert wiederum schnitt Heer das Wort ab, tolerierte dann aber nach einer Sitzungspause und Rücksprache mit Zschäpe dessen Vortrag. Mehrere Nebenkläger und die Wohlleben-Verteidigung stellten neue Beweisanträge.

Der einzige für Montag geladene Zeuge konnte nicht vernommen werden, da er nicht erschien. Wohllebens Verteidiger Olaf Klemke beantragte, den Zeugen zwangsweise vorführen zu lassen, ihm die entstandenen Kosten aufzuerlegen und mit einer Geldbuße zu bestrafen. Das Gericht entschied darüber am Montag noch nicht.

In teils scharfen Worten attackierte Klemke auch die Bundesanwaltschaft. Diese habe Vernehmungsunterlagen nicht rechtzeitig zu den Prozessakten gegeben, sondern in einem anderen Ermittlungsverfahren „geparkt“ und als „Puzzle“ erst weitergereicht, „wenn's denn mal genehm ist“.

Zschäpes Verhältnis zu ihren Pflichtverteidigern ist zerüttet

Zuvor hatte Zschäpe-Pflichtverteidiger Heer zahlreiche Fragen von Nebenklage-Anwälten beanstandet. Die Nebenkläger hatten im Juni Hunderte Fragen an Zschäpe gerichtet, die von ihrem Verteidiger Mathias Grasel mitgeschrieben, aber noch nicht beantwortet wurden. Heer wurde allerdings von Zschäpes Wahlverteidiger Hermann Borchert gestoppt. Das Gericht unterbrach die Verhandlung. Erst nach vertraulichen Beratungen setzte Heer seinen Vortrag fort. Das Verhältnis zwischen Zschäpe und ihren drei Pflichtverteidigern Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm gilt seit langem als zerrüttet.

Zusätzlich handelte sich Heer scharfe Kritik der Nebenkläger ein. Sie monierten, er bringe seine Kritik an ihren Fragen zu spät an und begründe sie nicht ausreichend. Das Gericht forderte die Prozessparteien auf, bis zu diesem Dienstag Stellungnahmen dazu vorzubereiten.

Dienstag ist der letzte Prozesstag vor den Sommerferien. Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft an zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden vor.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess ist Beate Zschäpe. Sie ist die einzige Überlebende des „Nationalsozialistischen Untergrunds“. Die Bundesanwaltschaft hat sie als Mittäterin an den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen angeklagt, die dem NSU angelastet werden.

dpa

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