Attentat auf Abgeordnete

Cox-Attentäter vor Gericht - Brexit-Wahlkampf ruht

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Trauer in London: Der Mord an Jo Cox hat Großbritannien erschüttert.

London - Noch immer ist unklar, warum die britische Labour-Abgeordnete und Brexit-Gegnerin Cox ermordet wurde, die Hinweise auf einen politischen Hintergrund der Tat verdichten sich. Fünf Tage vor dem EU-Referendum in Großbritannien setzen beide Lager ihren bislang verbissen geführten Wahlkampf aus - zumindest vorerst.

Update vom 20. Juni 2016: Am Donnerstag stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab. Alle aktuellen Infos finden Sie in unserem News-Blog zum Brexit.

Nach der Ermordung der britischen Abgeordneten Jo Cox ist der Tatverdächtige Thomas M. erstmals vor Gericht in London erschienen. Als der 52-Jährige nach seinem Namen gefragt wurde, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur PA: "Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien". Dies könnte auf einen politischen Hintergrund der Tat hindeuten - die ermordete Labour-Abgeordnete hatte sich für Flüchtlinge und gegen einen Austritt Großbritanniens aus der EU eingesetzt.

Thomas M. weigerte sich vor Gericht, seinen wirklichen Namen sowie seine Adresse und sein Geburtsdatum zu nennen. Die britische Polizei konzentriere ihre Ermittlungen nach eigenen Angaben auf mögliche Kontakte des wegen Mordes Angeklagten zu rechtsextremen Gruppen, heißt es weiter. Zudem gehe man Berichten nach, wonach der Tatverdächtige psychische Probleme gehabt habe.  

Nach Angaben britischer Medien hat der Tatverdächtige früher Kontakte zu einer US-Naziorganisation gehabt. Die 41-jährige Cox war am Donnerstag mit Schüssen und Messerstichen schwer verletzt worden und starb kurz darauf.  

Vor der Volksabstimmung über die britische EU-Mitgliedschaft am 23. Juni wollen beide Lager auch am Samstag ihren Wahlkampf ausgesetzt lassen - die Austrittsbefürworter kündigten aber kleinere Aktionen wie Hausbesuche an.

Das politische Leben in Großbritannien war nach der Bluttat an der Labour-Abgeordneten und Brexit-Gegnerin Cox wie gelähmt. Die Folgen des Attentats für das Referendum am 23. Juni, bei dem die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU entscheiden, blieben aber völlig unabsehbar.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Tatverdächtige längere Zeit Unterstützer der US-Gruppe Nationale Allianz gewesen sei, schrieb die "Washington Post" unter Berufung auf das Southern Poverty Law Center. 1999 habe er sich ein Handbuch bestellt, in dem auch eine Gebrauchsanweisung zum Bau einer Pistole enthalten gewesen sei. Die britische Zeitung "Daily Telegraph" berichtete zudem, der Mann habe früher eine Zeitung abonniert, die von einer südafrikanischen Pro-Apartheid-Organisation herausgegeben worden sei.

Die Polizei geht aber auch Hinweisen nach, wonach der festgenommene 52-Jährige psychische Probleme gehabt haben und in Behandlung gewesen sein soll. Die Zeitung "The Telegraph" zitierte in ihrer Online- Ausgabe einen Bruder des mutmaßlichen Täters mit den Worten, der 52-Jährige habe eine "Geschichte psychischer Krankheiten, allerdings hatte er Hilfe gehabt".  

Am Montag kommt das britische Unterhaus zu einer Sondersitzung zusammen, um die Tote zu ehren. In einer demonstrativen Geste der Gemeinsamkeit legten Premierminister David Cameron und Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn am Freitag Blumen in Birstall in Yorkshire nieder, wo Cox am Donnerstag brutal überfallen wurde. Corbyn nannte das Verbrechen, das auch international Bestürzung auslöste, einen "Angriff auf die Demokratie", Cameron verurteilte Hass und Hetze in der politischen Debatte.

Große Trauer in England nach tödlichem Attentat auf Jo Cox

dpa

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