Piratenpolitiker tötete 29-Jährigen

Mordfall Claus-Brunner: Darum werden die Ermittlungen eingestellt

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Gerwald Claus-Brunner nahm sich selbst das Leben.

Berlin - Piratenpolitiker Gerwald Claus-Brunner hat zuerst einen 29-Jährigen, dann sich selbst getötet. Nun werden die Ermittlungen eingestellt - doch warum?

Die Ermittlungen zur Ermordung eines 29-Jährigen durch den ebenfalls toten Piratenpolitiker Gerwald Claus-Brunner werden eingestellt. Claus-Brunner habe die Tat in einem Schreiben eingeräumt, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Donnerstag. Nach seinen Angaben war am Vortag "ein Paket bei der Polizei eingegangen mit einem Brief sowie persönlichen Gegenständen des Abgeordneten".

Die Leichen beider Männer waren am Montag entdeckt worden. "Wir haben keine Hinweise auf die Tatbeteiligung eines Dritten", sagte Steltner. "Und gegen Tote wird nicht ermittelt." Demnach geht die Polizei davon aus, dass der 44-jährige Claus-Brunner seinen Bekannten Jan L. am Abend des 15. Septembers durch Schläge auf den Oberkörper tötete. Zum Motiv wollte sich Steltner nicht äußern, weil dieses "höchstpersönlich" sei.

Ehemaliger Lebensgefährte bekommt Gegenstände aus Paket

Die dem Paket beiliegenden Gegenstände des Berliner Abgeordneten würden wie gewünscht einem ehemaligen Lebensgefährten von Claus-Brunner übergeben, sagte Steltner. Der Abgeordnete hatte sich in seinem Zuhause das Leben genommen, nachdem er einige Tage zuvor L. in dessen Wohnung getötet und den Leichnam in die eigene Wohnung gebracht hatte.

Verschiedene Medien berichteten von einer nicht erwiderten Liebe. Zumindest hatte L. nach Auskunft der Staatsanwaltschaft schon vor mehreren Wochen Claus-Brunner wegen Stalkings angezeigt. Nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegels" war der frühere Mitarbeiter Claus-Brunners zuletzt mit einer Frau liiert - zum Missfallen des sich zu seiner Bisexualität bekennenden Parlamentariers.

Der Piratenpolitiker war vor fünf Jahren zusammen mit 14 weiteren Politikern überraschend ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen. Von Beginn an fiel die Fraktion der damals noch jungen Internetthemenpartei durch öffentlich ausgetragene Streitigkeiten auf. Der groß gewachsene, stets Latzhose und Kopftuch tragende Claus-Brunner stach wegen seines Auftretens in der öffentlichen Wahrnehmung besonders hervor.

Claus-Brunner blieb der Piratenpartei bis zum Schluss treu

Während sieben Mitglieder der Piratenfraktion im Laufe der endenden Legislaturperiode aus der Partei austraten, blieb Claus-Brunner der Piratenpartei bis zum Schluss treu. Allerdings entging er nach wiederholten persönlichen Entgleisungen gegen Fraktionsmitglieder und -mitarbeiter nur knapp einem Fraktionsauschluss. Er war zum Ende seiner Abgeordnetentätigkeit auch in keinem wichtigen Ausschuss mehr vertreten. Bei der Abgeordnetenhauswahl am vergangenen Sonntag kandidierte er auf einem aussichtslosen 26. Platz auf der Landesliste.

Die Piratenpartei verpasste den Wiedereinzug ins Landesparlament am Sonntag deutlich: Sie fiel von 8,9 auf 1,7 Prozent der Zweitstimmen. Der diesjährige Spitzenkandidat Bruno Kramm erklärte am Donnerstag seinen Rücktritt vom Landesparteivorsitz. "Ohne jeden Groll oder Enttäuschung stelle ich fest, dass für mich die Zeit gekommen ist, neue Wege in meiner politischen Arbeit zu gehen", teilte Kramm mit.

Laut einem Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg wird sich Kramm künftig im Brandenburger Landesverband der Grünen engagieren. Mit Blick auf Claus-Brunner sprach Kramm in seiner Mitteilung von "einer unerwarteten Trauerphase über eine menschliche Tragödie am Rande der Partei".

AFP

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