Experten vertreten verschiedene Meinungen

Ist die Türkei der Schlüssel zum Erfolg gegen den IS?

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Gemeinsam gegen den IS? Merkel und Erdogan müssen sich auf unruhige Zeiten einstellen.

München - Unter dem Eindruck der schrecklichen Terroranschläge sucht Europa verzweifelt nach Lösungen im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). Die Schlüssel-Rolle spielt dabei die Türkei.

Update 2 vom 10. Mai 2016: Der Mann ist offenbar doch kein IS-Terrorist, wie nun bekannt wurde. Er stand bei der Tat wohl unter Drogen, berichtet die Polizei.

Update 1 vom 10. Mai 2016: In Grafing-Bahnhof hat ein mutmaßlicher Terrorist des IS mehrere Menschen mit einem Messer angegriffen. Aktuell gibt es einen Toten.

Im Juli 2014 sagte der mittlerweile verstorbene Nahost-Experte Peter-Scholl Latour, dass sich Europa in Zukunft auf eine neue Welle des islamischen Terrors einstellen könne. Heute, knapp eineinhalb Jahre später, sind diese Worte aktueller denn je. Europa steht nach den Terroranschlägen von Paris und dem offenbar geplanten Attentat in Hannover unter Schock. Und rätselt bei aller Trauer und Wut über das Geschehene vor allem über eine Frage: Wie kann man den Islamischen Staat stoppen?

Islamischer Staat: Hollande erklärt IS den Krieg

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat seine eigene Strategie bereits gefunden. Er erklärte dem Islamischen Staat unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse den Krieg - seit kurzem fliegen die Franzosen Vergeltungsangriffe auf die syrische Stadt Rakka, die als IS-Hochburg gilt. Aber ist das eine langfristige Lösung? Können Bomben einfach so mit Bomben vergolten werden? Oder erreicht man damit genau das Gegenteil?

Vertraut man Jürgen Todenhöfer, dann ist dieser Schritt genau der falsche. Im Interview mit dem Münchner Merkur sagte Todenhöfer: "Die ganzen Kriege gegen den Terror, die vor 14 Jahren begonnen haben, waren ein totaler Flopp", so der Nahost-Experte, der selbst für zehn Tage im Islamischen Staat war und über seinen Aufenthalt ein Buch schrieb. Mit dieser Strategie habe man den Terrorismus gezüchtet. "Es ist eine absurde politische Fehlleistung immer noch zu glauben, dass man es mit Bomben schaffen kann." Stattdessen gebe es mehrere Alternativen: Eine davon sei, den Waffen- und Munitionsnachschub aus Ländern wie Katar und Saudi-Arabien zu stoppen. Dann bekäme der IS schnell militärische Probleme, so Todenhöfer. Vollständig auslöschen kann man den IS mit dieser Maßnahme aber sicherlich nicht - das liegt alleine schon an der Rolle der Türkei.

Islamischer Staat: Die türkische Grenze ist offen - liegt darin das Problem?

Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass über die türkische Grenze dutzende europäische Kämpfer nach Syrien einreisen. Dort werden sie militärisch ausgebildet - und stellen im Falle einer Rückkehr in ihr Heimatland ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Deshalb müsse man die Türkei dazu bringen, ihre Grenze nach Syrien zu schließen, um den Nachschub an europäischen Kämpfern zu stoppen, so Todenhöfer.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Journalist Ulrich Kienzle in der Talkshow "Menschen bei Maischberger". Wäre diese Grenze nicht offen, dann wäre der IS nicht so stark geworden, so Kienzle. "Recep Erdogan (türkischer Präsident; Anmerk. d. Red.) treibt ein übles Spiel. Er kann bestimmen wie viele Waffen ins IS-Gebiet und wie viele Flüchtlinge zu uns kommen." Die Türkei also als eine Art Schlüssel zum Erfolg gegen den Islamischen Staat? Kienzle ist sich sicher: "Bevor diese Stelle nicht dicht gemacht wird, brauchen wir gar nicht anfangen zu reden."

Erster Schritt im Kampf gegen den IS?

Insofern dürften die beiden Nahost-Experten die jüngsten diplomatischen Bemühungen mit Wohlwollen registrieren. Denn US-Außenminister Kerry verkündete am Mittwoch, 18. November, dass die Türkei die rund 100 verbliebenen Kilometer der Grenze zu Syrien schließen will. Bis jetzt waren bis zu 30.000 ausländische Kämpfer über diese undichten Stellen nach Syrien oder in den Irak gekommen. Damit soll nun Schluss sein. "Die gesamte nördliche Grenze Syriens - 75 Prozent davon sind nun geschlossen worden. Und wir beginnen einen Einsatz mit den Türken, die verbleibendenden 98 Kilometer zu schließen", so Kerry.

Allmählich scheint sich also auch bei den politischen Größen die Überzeugung festzusetzen, dass dem Islamischen Staat allein durch militärische Maßnahmen nicht beizukommen ist. Vielleicht ist mit der Schließung der Grenze nach Syrien also der erste Schritt im Kampf gegen den IS getan. Der letzte wird es aber gewiss nicht gewesen sein.

lp

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