TV-Talk zur Lage in der Türkei

"Hart aber fair": Deutsche Schauspielerin als PR-Frau für Erdogan

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Die deutsche Schauspielerin Wilma Elles gab am Montag bei "Hart aber fair" den großen Erdogan-Fan.

München - Bei "Hart aber fair“ wurde am Montag über die Frage diskutiert: "Wieviel Erdogan verträgt unser Land?" Die deutsche Schauspielerin Wilma Elles gab dabei den großen Erdogan-Fan.

Die in Köln geborene Schauspielerin Wilma Elles (29) ist seit Jahren in der Türkei ein TV-Star. In einer Soap spielte sie die Hauptrolle als holländische Gattin eines türkischen Kapitäns. Damit gelang ihr vor einigen Jahren der Durchbruch am Bosporus. Zuletzt war sie in einigen türkischen Kino-Produktionen zu sehen. Sie ist mit einem Türken verheiratet, mit dem sie Zwillinge hat. 2016 nahm sie auch die türkische Staatsangehörigkeit an (dank einer Ausnahmegenehmigung, die Erdogan persönlich unterschrieb). Der türkische Präsident lud sie und ihre Familie auch schon zum Ramadan-Fastenbrechen in seine Residenz ein. Da wundert es wenig, dass Wilma Elles bei "Hart aber fair" den totalen Erdogan-Fan gab. "Niemand arbeitet mehr als Erdogan", versicherte sie der deutschen TV-Nation. Und rechtfertigte die Niederschlagung des Putschversuches sowie die anschließenden Verhaftungen: "Die Verhaftungen waren wichtig, um eine zweiten Putschversuch zu verhindern."

Manchmal waren ihre Ausführungen eher schwierig nachvollziehbar. In der Türkei gebe es ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, betonte Elles. Deswegen seien auch so viele Menschen nach dem Putschversuch verhaftet worden. Die Erdogan-Regierung habe einem "Geflecht der Verbrüderung" den Garaus machen wollen. Zudem versicherte Wilma Elles, dass nach dem Putschversuch zwar tausende Menschen verhaften wurden, aber viele Unschuldige auch wieder freigelassen wurden. Sie hoffe, dass die Menschen in "guten Bedingungen" verhaftet worden seien und es "nicht zu schlimm" gewesen sei.

Wilma Elles bei "Hart aber fair": In der Türkei wird ja ganz anders über Erdogan berichtet

Zudem ärgerte sich die Schauspielerin über die Türkei-Berichterstattung in den deutschen Medien. "Ich bin sehr traurig über die verzerrte Darstellung in Deutschland. Denn Deutschland und die Türkei sind Freunde. Schon seit hunderten von Jahren. Und die Kulturen passen so gut zueinander." Sie verfolge sowohl türkische als auch deutsche Medien. Und - oh Wunder! In der Türkei berichten die Medien ja ganz anders über Erdogan und seine Politik.

Wilma Elles betonte außerdem, dass eine starke Türkei als Teil wichtig für Europa sei. Immerhin sei die Türkei ein Bindeglied zwischen Europa und Asien. "Wir brauchen eine starke Türkei. Und Deutschland muss neben der Türkei sein in diesen schwierigen Tagen."

Und überhaupt: Öffentliche Kritik an Erdogan sei in der Türkei in diesen Tagen durchaus erlaubt und möglich. "Leute die auf Twitter negative Kommentare gepostet haben, die haben später im Staatsfernsehen mit mir in einer Serie gespielt", berichtete Wilma Elles. Es sei also durchaus möglich, den Präsidenten zu kritisieren und trotzdem im Staatsfernsehen spielen zu dürfen.

Und dann gab die Schauspielerin den deutschen TV-Zuschauern abermals Nachhilfe in Sachen türkische Mentalität. Hierzulande wisse man leider nicht so ganz genau, wie der Türke an sich ticke. Wilma Elles erklärte dies am Montagabend in der ARD: "Und zwar sind die Türken sehr treu und haben ein sehr großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Und davon hat Deutschland auch sehr profitiert. Die haben hervorragend in deutschen Firmen gearbeitet. Und wenn die Ansage war: 'Nicht zwölf sondern 16 Stunden arbeiten, dann haben die Türken das gemacht." Auch in ihrer TV-Serie in der Türkei sei es normal, dass 80 Prozent der Mitarbeiter die Produktion verließen, wenn der Regisseur gehe. In der Türkei sei das Gruppen-Bewusstsein eben viel stärker ausgeprägt als in Deutschland. Deswegen sei auch normal, dass nach dem Putschversuch mehr Leute verhaftet wurden, als es in Deutschland der Fall gewesen sei. Moderator Frank Plasberg notierte etwas verwundert: "Eine steile These!"

Wilma Elles ärgerte sich auch über CDU-Staatssekretär Jens Spahn und "Cicero"-Chefredakteur Christoph Schwennicke, die die Abschaffung des Doppelpasses forderten. Spahn kritisierte: "Viele Türken, die nie wirklich in der Türkei gelebt haben, gehen hier in Deutschland auf die Straßen und demonstrieren für Erdogan. Sie haben eine gespaltene Loyalität." Die Türken in Deutschland sollten sich entscheiden, wem ihre Loyalität gelte. Und Schwennicke meinte: "Der Doppelpass ist ein gut gemeinter Fehler."

Wilma Elles: Die Türken demonstrieren nicht für Erdogan sondern auch für die Demokratie

Das wollte Wilma Elles so nicht stehen lassen: "Warum denken Sie denn so negativ? Was nehmen Ihnen die Leute denn weg, wenn sie einen doppelten Pass haben?" Und was sei denn bitte so schlimm, daran, dass Türken in Deutschland demonstrieren? "Diese Demonstranten haben ihr Demokratieverständnis von Deutschland gelernt. Und weil sie das in Deutschland gelernt haben, sind sie demonstrieren gegangen. Es war nicht nur eine Demonstration für Erdogan, sondern auch für die Demokratie." Sie selbst habe sich erst vollständig in der Türkei integriert gefühlt, als sie dort den Doppelpass bekommen habe. "Ich habe erst von dem Zeitpunkt an richtig Möbel gekauft und bin in Istanbul sesshaft geworden."

Wilma Elles betonte weiter, dass sie sich ja nicht nur mit Erdogan getroffen habe, sondern auch mit Bundespräsident Joachim Gauck. Zudem habe sie auch mit der deutschen Botschaft bei Projekten zur deutsch-türkischen Freundschaft zusammengearbeitet. Ein Musterbeispiel der doppelten Staatsbürgerschaft also.

Allen Deutschen, die sie bislang nicht als als Schauspielerin wahrnahmen, dürfte Wilma Elles nach ihrem Auftritt bei "Hart aber fair" am Montag zumindest als PR-Frau des türkischen Präsidenten Erdogan ein Begriff sein.

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