Neuer Bundespräsident 2017

Wer wird Gauck-Nachfolger? Das sind die möglichen Kandidaten

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Wer wird 2017 Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck? Hier erfahren Sie, wer die möglichen Kandidaten für das Amt sind.

Berlin - Wer wird 2017 Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck? Hier erfahren Sie, wer die möglichen Kandidaten für das Amt sind.

"Ich habe mich entschlossen nicht erneut für das Amt zu kandidieren", erklärte Joachim Gauck am 6. Juni 2016. Seitdem ist klar: Er wird sich 2017 nicht noch einmal für fünf Jahre als Bundespräsident zur Verfügung stellen. Und die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Eine parteiübergreifende Mehrheit in der Bundesversammlung wäre Gauck vermutlich sicher gewesen. Gauck, der das Amt Staatsoberhauptes nach dem überraschenden Rücktritt Horst Köhlers 2010 und dem als überfällig empfundenen Rücktritt Christian Wulffs wieder salonfähig machte, tritt dann 77-jährig ab. "Das ist mir nicht leicht gefallen, denn ich empfinde es als große Ehre, dem Land zu dienen." Auch mögliche gesundheitliche Probleme in einer zweiten Periode spielten bei der Entscheidungsfindung eine Rolle. Am 17. März 2017 macht Gauck in Schloss Bellevue Platz für einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. 

Allerdings kristallisiert sich noch kein Name am Horizont heraus. Kanzlerin Angela Merkel hat dafür ein Problem. Die Wahl des Bundespräsidenten im Februar 2017 gilt als Signal für die Bundestagswahl im September. Eine Neuauflage der Großen Koalition wollen eigentlich weder Union noch SPD. Sollten beide sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen, so wäre dies jedoch eher ein Bekenntnis zu einer Fortsetzung der GroKo. Oder findet sich erneut ein überparteilich vermittelbarer Nachfolger für Joachim Gauck? Der aktuelle Amtsinhaber wurde 2012 mit Stimmen von CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen gewählt.     

Aufgrund der Mehrheitsverteilung in der Bundesversammlung ist die Nachfolge-Frage ziemlich komplex. Keine Partei hat in dem Gremium, das sich zu gleichen Teilen aus Vertretern des Bundestages und des Bundesrates zusammensetzt, eine Mehrheit. Nach Berechnungen der Plattform wahlrecht.de kommt die Union in der gegenwärtigen Zusammensetzung der Bundesversammlung auf 545 bis 547 Sitze, die SPD auf 385 bis 388, die Grünen auf 146 bis 147, die Linkspartei auf 94, die FDP auf 31, die AfD auf 30, die Piraten auf 14, die Freien Wähler auf 10, die NPD und der Südschleswigsche Wählerverband auf je einen Sitz.

Allerdings kann sich diese Zusammensetzung nach den beiden ausstehenden Landtagswahlen bis zum Februar 2017 noch ändern. Gewählt wird noch in Mecklenburg-Vorpommern (4. September) und Berlin (18. September). Außer Schwarz-Rot hätte bloß noch Schwarz-Grün eine Mehrheit. 631 der 1260 möglichen Stimmen - also eine absolute Mehrheit - sind in den ersten beiden Wahlgängen notwendig. Gelingt das keinem Kandidaten, genügt in einem weiteren Wahlgang die einfache Mehrheit. Dann wird der Kandidat Nahchfolger von Joachim Gauck, der die meisten Stimmen auf sich eröffnet.

Gauck-Nachfolger: Ein Überblick über die möglichen Kandidaten

Viele finden es schade: Aber nun muss die Suche nach einem Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck beginnen. Wir untersuchen die möglichen Kandidaten:

Norbert Lammert.

Norbert Lammert, 67, CDU: Seit 2005 ist der CDU-Mann Präsident des Bundestags. In dieser parteiübergreifenden Funktion gilt er als anerkannt, wortmächtig und intellektuell und hätte damit die Grundvoraussetzungen für das Amt, in dem das gesprochene Wort die schärfste Waffe ist. Die Gauck-Nachfolge wäre ein logischer Karriereschritt - doch Mitte Oktober 2016 hat Lammert überraschend seinen Rücktritt aus der aktiven Politik angekündigt. Außerdem wies er selbst meist sämtliche Ambitionen zurück, Bundespräsident werden zu wollen.

Wolfgang Schäuble.

Wolfgang Schäuble, 73, CDU:Falls sich die Union auf einen eigenen Kandidaten für die Gauck-Nachfolge einigt, hätte wohl auch Wolfgang Schäuble gute Chancen. Der Bundesfinanzminister gilt als erfahrener Staatsmann. Als Finanzminister ist er Verhandlungen auf internationaler Ebene gewohnt. Schäuble verfügt mit seinen 73 Jahren über viel Erfahrung, genießt nicht erst seit der Griechenland-Krise ein hohes internationales Ansehen. Allerdings ist der Bundesfinanzminister bei SPD und Grünen kein beliebter Kandidat. Noch immer hängt ihm in Deutschland sein Verhalten in der CDU-Spendenaffäre nach, das ihm im Jahr 2000 den Parteivorsitz kostete.

Ursula von der Leyen.

Ursula von der Leyen, 57, CDU: Dank unterschiedlicher Ressortverantwortung als Ministerin (Familie und Verteidigung) ist sie bereits mit viel internationaler Erfahrung ausgestattet. Bei Merkel ist sie beliebt. Allerdings gilt sie auch als deren potentielle Nachfolgerin. Ein Einzug in Schloss Bellevue würde ihr die Türe zum Kanzleramt verriegeln. Unklar, ob die durchsetzungsstarke von der Leyen sich als Nachfolgerin von Joachim Gauck mit dem repräsentativen Amt des Bundespräsidenten abfinden würde.

Annegret Kramp-Karrenbauer.

Annegret Kramp-Karrenbauer, 53, CDU: Ministerpräsidentin des Saarlandes und eine Kandidatin für höhere Regierungsämter: Möglicherweise ab 2017 in einem Bundesministerium? Was für sie als mögliche Gauck-Nachfolgerin spricht: Kramp-Karrenbauer besetzt eher den linken CDU-Flügel und wäre so vielleicht SPD und Grüne vermittelbar. Karrieretechnisch gilt für sie dasselbe wie für von der Leyen: Endstation Schloss Bellevue.

Alexander Hold.

Alexander Hold, 54, Freie Wähler: Mitte Juli wurde der Jurist und Ex-TV-Richter für die Freien Wähler ins Rennen um das höchste deutsche Amt geschickt. Alexander Hold soll Bundespräsident werden.

Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck: Wird es ein Kandidat der CSU?

Gerda Hasselfeldt.

Gerda Hasselfeldt, 65, CSU: Die Landesgruppenchefin der Christsozialen ist eine loyale Merkel-Vertraute, was ihr im Hinblick auf eine Kandidatur nicht schaden kann. Ob ihr aber Horst Seehofer den Sprung ins höchste Staatsamt ermöglichen möchte? Hasselfeldt gilt aber als Kandidatin des Ausgleichs. Die Fürstenfeldbruckerin hat in Ministerämtern und als Bundestags-Vizepräsidentin Erfahrung sammeln können, wollte sich allerdings 2017 aus der Politik zurückziehen. Gilt vielen als Geheimfavoritin. Könnte die erste Frau - und das erste CSU-Mitglied - im Amt des Bundespräsidenten werden.

Edmund Stoiber.

Edmund Stoiber, 74, CSU: Der frühere bayerische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat gibt sich mittlerweile als Elder Statesman. Eine gute Voraussetzung für die Nachfolge von Joachim Gauck. Stoiber ist wohl weder der SPD noch den Grünen vermittelbar. Vermutlich auch der Kanzlerin nicht. Seit einigen Monaten sucht er wieder verstärkt das Rampenlicht um gegen Merkels Kurs in der Flüchtlingspolitik zu schießen. Für die Kanzlerin wird er deshalb wohl nicht als möglicher Nachfolger von Joachim Gauck zur Debatte stehen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Frank-Walter Steinmeier, 60, SPD: Ist in Umfragen der zweitbeliebteste Politiker des Landes und auch in anderen Parteien anerkannt. Dazu hat er sich in seinen zwei Amtszeiten als Außenminister international einen Namen gemacht. Steinmeier gilt als diplomatisches Talent und hätte alle Voraussetzungen für das Amt. Sigmar Gabriel hat sich bereits für den Außenminister als Bundespräsident ausgesprochen - der Vorschlag findet allerdings in der Union noch keine Unterstützung. Gabriel: „Parteipolitische Deals werden wir nicht mitmachen.“  

Peer Steinbrück.

Peer Steinbrück, 69, SPD: Als Finanzminister einstmals erfolgreich. Als Kanzlerkandidat 2013 gescheitert. Hat sich fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Kaum vorstellbar, dass er sich aufstellen lässt - allerdings auch kaum vorstellbar, dass die SPD ihn benennt. Zudem gilt Steinbrück als Macher für den das Rede-Amt des Bundespräsidenten nichts wäre. Und: Sein berühmtes Mittelfinger-Foto disqualifiziert ihn wohl für das höchste Staatsamt.  

Gregor Gysi.

Gregor Gysi, 68, Die Linke: Vermutlich stellt die Linke auch 2017 einen eigenen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten auf. Gysi gilt als rhetorisches Ausnahmetalent. Das spräche für ihn im Amt. Trat Ende 2015 als Fraktionsvorsitzender zurück. Ob er ein Comeback auf großer Bühne gibt, ist fraglich. Bräuchte auch die Unterstützung der SPD und der Grünen. Und Gysi schlug bereits Anfang des Jahres vor, dass das rot-rot-grüne Lager einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten stellen solle. Allerdings hat dieses Bündnis bislang keine Mehrheit in der Bundesversammlung. Zudem fiel er zuletzt innerhalb der eigenen Partei wegen seiner Kritik ("saft- und kraftlos") in Ungnade.

Winfried Kretschmann.

Winfried Kretschmann, 68, Grüne: Allseits beliebt, charismatisch und erfolgreich - als Landesvater von Baden-Württemberg. Warum sollte er als frisch gewählter Ministerpräsident mit einer grün-schwarzen Mehrheit das "Ländle" aufgeben? Er ist 68. Ihn könnte Bellevue nach seiner zweiten Amtszeit reizen. 2017 kandidiert er wohl eher nicht als Nachfolger von Joachim Gauck. Ob er mit Mitte 70 bei der übernächsten Bundespräsidenten-Wahl antritt scheint aber auch eher zweifelhaft.

Albrecht Glaser (mit Frauke Petry).

Albrecht Glaser, 74, AfD: Ohne Chance, aber der bislang einzige Kandidat, der für die Bundesversammlung 2017 feststeht. Glaser war einst in der CDU, war Stadtkämmerer und sorgte dort mit dem Kauf von Wertpapierfonds für riesige Verluste. Eigentlich sollte Alexander Gauland der AfD-Mann für die Nachfolge von Joachim Gauck als Bundespräsident werden. Doch er verzichtete.

Nachfolger von Joachim Gauck als Bundespräsident: Vier mögliche Szenarien

Option eins: Ein gemeinsamer Kandidat der großen Koalition, das ist das, was CDU und CSU wollen. Und auch die SPD - zumindest teilweise. Bis Ende Oktober 2016 wollen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU), CSU-Chef Horst Seehofer und Sigmar Gabriel Zeit geben. Ergebnis ungewiss: „Die Absicht besteht - aber zwischen Absicht und Verständigung liegen in der Politik bekanntlich steinige Wege“, sagte Seehofer kürzlich.

So viel ist aber jetzt schon sicher: Die beiden profiliertesten Kandidaten, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), werden von der jeweils anderen Partei nicht mitgetragen. Gesucht ist also eine überparteiliche Persönlichkeit, die am besten auch noch von den Grünen akzeptiert wird. Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber wird in diesem Zusammenhang genannt.

Option zwei: Ein gemeinsamer Kandidat von SPD, Grünen, Linken. SPD-Chef Gabriel hält sich diese Option offen. Hier kam die Personalie Käßmann ins Spiel - die Theologin sagte aber schnell ab. Ob sie nun von der SPD lanciert wurde oder von der Linkspartei, sei dahingestellt. Linken-Chef Bernd Riexinger sagt: „Wir brauchen einen Aufbruch, wir brauchen ein Signal für einen Politikwechsel.“ Für ein rot-rot-grünes Bündnis wird in der SPD auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer in den Vordergrund geschoben. Obwohl sie erklärt hat, dass sie gar nicht will.

Option drei: Ein schwarz-grüner Kandidat wäre ein starkes Zeichen für eine entsprechende Koalition nach der Bundestagswahl 2017. Aber genau so ein Signal will im Moment wohl keine der beiden Seiten aussenden. Andererseits: Aus der CDU wird öfter die Grüne Marianne Birthler genannt. Gaucks Nachfolgerin an der Spitze der Stasi-Unterlagenbehörde könnte auch seine Nachfolgerin im Schloss Bellevue werden. Ernst gemeint oder nur eine Nebelkerze? Die Grünen könnten sich logischerweise nicht verschließen.

Option vier: Jeder gegen jeden. Das wäre keine Katastrophe, sondern ein sehr demokratisches Verfahren. Dann könnten Lammert und Steinmeier, vielleicht der Grünen-Übervater Winfried Kretschmann und ein noch nicht absehbarer Linker zur Kampfkandidatur antreten. Zwei Bewerber stehen dafür ohnehin schon bereit, Alexander Hold für die Freien Wähler und Albrecht Glaser für die AfD. Und im dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit. 

Joachim Gauck - vom Bürgerrechtler zum Bundespräsidenten

Nachfolger von Joachim Gauck: Diese Kandidatin sagte ab

Die ehemalige Bischöfin und populäre Theologin Margot Käßmann wurde als Kandidatin gehandelt, sagte aber schnell, dass sie „für dieses Amt nicht zur Verfügung“ stehe.

mke/pak/dpa

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