Referendum am 23. Juni 2016

Brexit: Diese Stars sind dafür, diese dagegen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Keira Knightley und Benedict Cumberbatch

London - Beinahe 300 Prominente aus der britischen Film-, Kunst- und Musikbranche haben sich in einem Brief gegen den Brexit ausgesprochen. Bekannte Gesichter in aller Welt positionieren sich zwei Tage vor der Abstimmung. Wer ist für den Brexit und wer dagegen?

Update vom 23. Juni 2016: Heute stimmt das United Kingdom ab: Brexit ja oder nein? Eine weitere Frage ist: Tritt Premier David Cameron im Falle eines Brexit zurück? Über den Ausgang des Brexit berichten wir die ganze Nacht über im Live-Ticker. Hier erfahren Sie das Ergebnis als erstes.

Update vom 22. Juni 2016: Am Donnerstag stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab. Alle aktuellen Infos finden Sie in unserem News-Blog zum Brexit.

Selten war Europa so politisch wie in den vergangenen Monaten. Hauptgrund: Die Flüchtlingskrise, ausgelöst durch Krisen und Kriege in Afrika und dem nahen Osten. Die Krise ist auch zum großen Teil dafür verantwortlich gemacht worden, dass die Briten aus der EU aussteigen wollen - obwohl ihnen in Brüssel bereits zahlreiche Zugeständnisse gemacht worden waren. Selten war Europa jedoch auch so gespalten. Dieses Bild zeigt sich auch in Großbritannien. Kurz vor dem Referendum über die Zugehörigkeit in der Europäischen Union ist der Wahlkampf emotional aufgeladen. Der Politikerin Jo Cox kostete er wohl sogar das Leben.

Zwei Tage vor der Abstimmung geht das Referendum alle etwas an. Einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zufolge sprachen sich 54 Prozent der EU-Bürger außerhalb des Königreichs gegen einen Brexit aus. Für einen Austritt waren nur 21 Prozent der Befragten. In Großbritannien stehen beide Lager in verschiedenen Umfragen fast punktgleich bei etwas über 40 Prozent. Doch wie sieht das unter den Prominenten in Great Britain aber auch außerhalb des Vereinigten Königreichs aus?

Brexit: Knightley, Beckham versus Jagger und Trump

282 Künstler und Prominente, unter ihnen die Filmstars Keira Knightley, Benedict Cumberbatch und Jude Law, schrieben einen offenen Brief, den der "Daily Telegraph" im Mai veröffentlichte. Ihre Sorge: Der Brexit wäre "ein Sprung ins Ungewisse". Ihrer Meinung nach würde ihr weltweiter kreativer Erfolg "erheblich geschwächt, wenn wir weglaufen".

Keira Knightley versucht darüber hinaus die junge Generation, die übermäßig gegen den Brexit ist, zu gewinnen. Unter dem Motto #DontFuckMyFuture präsentiert sie in fünf Sekunden ihre Gewinner- und Verlierer-Grimassen und erklärt: Genauso lange dauert es, ein Kreuz auf einem Wahlzettel zu machen. Sie wird deutlich: "It takes five seconds to stop others fucking with your future." Auch Schauspielkollegin Annabelle Wallis und Rapper Big Narstie machen in einem 20-30-sekündigen Spot darauf aufmerksam.

Auch die der ehemalige englische Fußballstar David Beckham hat sich für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union ausgesprochen. "Für unsere Kinder und deren Kinder sollten wir die Probleme der Welt gemeinsam und nicht alleine in Angriff nehmen", schrieb der frühere Star von Manchester United bei Facebook. 

Er verweist auf seine Karriere: "Ich bin mit einer Kerngruppe von jungen britischen Spielern wie Ryan Giggs, Paul Scholes, Nicky Butt oder den Neville-Brüdern aufgewachsen." Die Mannschaft sei besser und erfolgreicher geworden "durch den dänischen Torhüter Peter Schmeichel, die Führungsqualitäten des Iren Roy Keane und das Können des Franzosen Eric Cantona."

Doch Beckham ruft zur Mäßigung auf und will auch die Meinung der Brexit-Befürworter verstehen: "Ihre Meinung sollte respektiert werden. Was auch immer das Resultat des Referendums sein wird, wir werden immer großartig sein."

Bekannt und mächtig dazu ist Richard Scudamore. Der Chairman der Premier League sagte der BBC, dass ein Brexit den globalen Zielen des britischen Fußballverbandes alles andere als entgegenkäme. Der Englische Fußball steht also geschlossen hinter David Camerons Pro-EU-Lager.

Der britische Astrophysiker Stephen Hawking argumentiert ebenfalls gegen den Brexit. "Die Zeiten sind vorbei, in denen wir noch alleine gegen die Welt bestehen konnten. Wir müssen Teil einer größeren Gruppe von Nationen sein, sowohl für unsere Sicherheit als auch für unseren Handel", sagte er im Interview mit dem britischen Fernsehsender ITV.

Schauspielerin und Model Liz Hurley sieht das Referendum ganz pragmatisch. Im April sagte sie dem Spear's Magazine: "Wenn es heißt, dass wir wieder die gescheiten Glühbirnen - 60 Watt, pfirsichfarben, zum Stecken oder Drehen - benutzen können, werde ich den Brexit sicherlich unterstützen." Nachdem diese Frage im Wahlkampf wohl noch nicht behandelt wurde, ist auch noch unklar, wo die britische Schönheit ihr Kreuz setzt.

Zum Brexit-Lager zählt sich unter den Prominenten auch Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger. Sky News sagte er im April: "Ich persönlich meine, dass der EU-Austritt für das Land auf kurzfristige Sicht Schaden, jedoch langfristig — in 25 Jahren — viel Gutes bringen wird."

Gegen einen Verbleib in der EU ist auch der bekannte britische Komiker John Cleese. Er twittert: "Gäbe es in der EU die Chance auf maßgebliche Reformen, würde ich für den Verbleib stimmen. Aber diese Chance sehe ich nicht. Traurig. Tut mir Leid."

The Who-Sänger Roger Daltrey drückt es drastischer aus: "(Die EU) ist undemokratisch. Sie wurde klammheimlich gegründet und kann nicht anders, als unter dem Gewicht ihres Schwachsinns zusammenzubrechen." Und weiter: "Wenn es wie eine Ratte stinkt und wie eine Ratte aussieht, ist es wahrscheinlich eine Ratte. Und seien wir ehrlich: Europa stinkt."

Es gibt auch Fußballer, die sich für einen EU-Aus der Briten aussprechen. Ex-Kicker Sol Campbell sagt: "Wir haben Teams voller mittelmäßiger ausländischer Spieler, insbesondere aus Europa, die die jungen englischen oder britischen Talente verdrängen."

Michael Dobb s, Autor der literarischen Vorlage der Fernsehserie "House of Cards" und Politiker erklärt: "Wenn Du auf diesem großen Passagierdampfer bist, dieser direkt auf einen Eisblock zufährt und 28 Kapitäne am Steuer kämpfen, kann man sagen, es sind zu viele Leute auf der Kommandobrücke."

Vor der Abstimmung: Briten im Brexit-Fieber

Kopf der Brexit-Kampagne ist der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson. Er macht für sein Ziel vor keinem Vergleich halt, sagte vor wenigen Wochen, die EU wolle einen Superstaat erschaffen: "Napoleon, Hitler, verschiedene Leute haben das versucht, und es endet immer tragisch." 

US-Präsident Barack Obama während seines London-Besuchs im April.

Auch außerhalb Großbritanniens wird klare Kante gefahren. Vor allem in den USA. "Großbritannien ist immer am besten, wenn es dabei hilft, ein starkes Europa zu führen", sagte etwa US-Präsident Barack Obama während seine London-Besuchs im April. In einem Gastbeitrag in der britischen Zeitung The Telegraph schrieb er weiter: "Lasst mich als euer Freund sagen, dass die EU Großbritannien größer macht. Die USA und die Welt brauchen weiterhin den verstärkten Einfluss Großbritanniens - auch innerhalb der EU."

Für den Ausstieg ist wiederum der US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner Donald Trump. Er sagte im Mai dem Fernsehsender Fox News: "Ich würde sagen, die Briten wären ohne die EU besser dran." Brisant: Trump kommt am Tag nach dem Referendum nach Schottland. Dort eröffnet er sein neues Golf-Resort. Hunderttausende Briten wollten Trump die Einreise per Onlinepetition verweigern. Gelungen ist es ihnen nicht.

Brexit: Folgen, Ergebnisse, Gründe, Erklärung

Was genau ist der Brexit eigentlich - das können Sie hier nachlesen. Wir haben uns außerdem Gedanken über die Folgen für Deutschland gemacht, die der Austritts Großbritanniens aus der EU haben könnte. Alles, was Sie zum Brexit wissen müssen, können Sie zudem hier nachlesen.

mke

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser