Am Ende erschoss ihn das SEK

Idyll in Franken: Hier lebte der Amokläufer von Würzburg

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Der Afghane lebte lange Zeit in einem Auffanglager in Ochsenfurt, zuletzt aber bei einer Pflegefamilie.

Ochsenfurt- Der afghanische Amokläufer aus dem Zug lebte einen Großteil seiner Zeit in Deutschland in Ochsenfurt. Der Schock in der Idylle in Franken sitzt tief.

Update vom 28. Juli 2016: In einer Pressekonferenz wird sich Angela Merkel unter anderem zum Attentäter von Würzburg äußern. Wir berichten im Live-Ticker.

Wie ein Postkartenidyll präsentiert sich Ochsenfurt unter strahlend blauem Himmel am Tag nach der Axt- und Messer-Attacke eines 17-Jährigen in einem Regionalzug. Inmitten von Weinbergen liegt die historische Kleinstadt nahe Würzburg am Main - und steht am Dienstag unter Schock. Ausgerechnet hier soll sich der aus Afghanistan stammende Attentäter auf Grundlage des Gedankenguts der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) radikalisiert haben.

Zwischen Main und dem 500 Jahre alten Rathaus liegt die Unterkunft, in der der 17-Jährige als unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge eine Zeitlang gelebt haben soll. Vor rund zwei Wochen kam er zu einer Pflegefamilie. Am Dienstagmorgen schützen Polizisten das Gebäude. Doch rundherum ist es völlig ruhig - nur in Abständen kommen Passanten vorbei.

Ganz Ochsenfurt ist vom Amoklauf geschockt

Einer von ihnen ist der 18-jährige Jan. Er kommt aus einem Nachbarort und erzählt, dass ihn am Montagabend ein Freund besuchen wollte - und fast den Zug nahm, in dem der 17-Jährige mit einer Axt und einem Messer mindestens fünf Menschen schwer verletzte. Doch zufällig sei die Großmutter seines Freunds vorbeigekommen und habe diesen mitgenommen, erzählt Jan. "Er hatte echt Glück."

Der 57-jährige Klaus Hamm, der ganz in der Nähe wohnt, schaut ungläubig in Richtung der von Polizisten geschützten Unterkunft. Ochsenfurt sei doch die "Insel der Glückseligen" gewesen, sagt er.

Die junge Mutter Stefanie Jacques, die ihren Kinderwagen den schmalen Weg vor der Unterkunft hinaufschiebt, erfuhr erst am Dienstagmorgen beim Kinderturnen von dem Angriff. "Es war klar, dass irgendwann etwas in Deutschland passiert, aber auf Ochsenfurt oder Würzburg wäre ich nicht gekommen", sagt sie.

Nicht anders geht es den Menschen einige Kilometer weiter in Heidingsfeld, wo der Regionalexpress am Dienstagabend mit einer Notbremsung gestoppt wurde. Dort soll der 17-Jährige geflüchtet sein und noch mindestens einen Menschen angegriffen haben. Eine Spezialeinsatzkommando stellte ihn. Als er auch die Beamten angriff, schossen diese und töteten den Jugendlichen.

Amoklauf im Zug: Schatten über der Idylle

Der 66-jährige Rentner Richard Weis aus Heidingsfeld wusste nach eigenem Bekunden am Montagabend gleich, dass etwas nicht stimmt. "Ich wohne hier an der Bahn - ich weiß, was ein normaler Halt ist und was eine Vollbremsung ist." Er sei zu den Gleisen gelaufen. Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr seien gekommen, die Schwerverletzen seien versorgt worden.

"Dass so etwas bei uns passiert, das ist Wahnsinn", sagt Weis. Er sei um zwei Uhr am Morgen zurück ins Haus gegangen, habe ein Licht angelassen und alles dicht gemacht. "Das müssen wir erst einmal verarbeiten", sagt der Rentner - und spricht damit aus, was wahrscheinlich viele Menschen in der fränkischen Idylle rund um Würzburg empfinden.

An einem schattigen Platz nahe der Würzburger Residenz erinnert sich die Erzieherin Theresa an die zurückliegende Nacht an ihrem Wohnort in Heidingsfeld. Sie habe "für eine halbe Stunde durchgehend" Blaulicht und Sirenen wahrgenommen, erzählt die 20-Jährige. Schließlich sei sie ins Bett gegangen - und habe noch einen Schuss gehört. "Es war irgendwie schon krass."

Und auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt, der am Montagabend vor Ort im Lagezentrum war, zeigt sich erschüttert über den Amoklauf. "Ich bin entsetzt über diese schreckliche Gewalttat", erklärt der Politiker mit CDU-Parteibuch. "Ich fühle mit den Opfern und auch den Mitreisenden, die bei dieser Wahnsinnstat an Leib und Seele schwere Verletzungen erlitten haben."

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