Hitzige Talkrunde

AfD-Politiker bei Lanz: "Merkel ist der einzige Mann in der Regierung"

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AfD-Politiker Guido Reil (4.v.l.) polarisierte in der Lanz-Runde.

Hamburg - Die Talkshows bei Markus Lanz sind immer wieder ein Garant für Aufreger - in der aktuellen Ausgabe sorgte vor allem der AfD-Politiker Guido Reil für Empörung in der Runde. 

Wenn in einer Talkshow das brisante Thema „Flüchtlingskrise“ aufkommt, sind hitzige Diskussionen mittlerweile programmiert. Auch bei Markus Lanz ging es am Dienstagabend mal wieder heiß her - dabei sorgte vor allem der AfD-Politiker Guido Reil mit provokanten Aussagen für Aufruhr und auch Empörung. Reil war 26 Jahre lang SPD-Politiker im Essener Stadtteil Karnap gewesen, bis er vor einigen Monaten schließlich austrat und sich der AfD anschloss. 

Als weitere Gäste waren an diesem Abend der „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt, die Schriftstellerin Renan Demirkan, der Schauspieler Jenke von Wilmsdorff und der Musiker Bryan Adams geladen.

Nachdem Markus Lanz Adams im einen Moment noch als „langhaarigen, pickligen Rockstar“ vorgestellt hatte, der offenbar nie ein Frauenheld war, leitete er im nächsten schon auf ein sehr viel heikleres Thema über: die Wahl in Berlin.

Der Talk-Master wandte sich dabei zunächst an Poschardt und wollte wissen, was den Journalisten am Wochenende am meisten überrascht hat - der Ausgang der Wahl mit enormen Verlustwerten der CDU oder Merkels emotionale Zugeständnisse in der Pressekonferenz von Montagmittag. Poschardt erklärte daraufhin, dass ihn vor allem die „unscheinbare Pressekonferenz“ überrascht habe. Seiner Meinung nach hatte die Kanzlerin bereits viel zu lange auf ihrem Standpunkt beharrt und nie erklärt, wie dieses „Wir schaffen das“ wirklich zu bewältigen ist. Der Chefredakteur ist überrascht, dass Merkel nun einige Fehler ihrer früheren „sturen“ Linie einräumt und hält es für möglich, dass das auch Auswirkungen auf die Bevölkerung haben könnte.

Die Diskussion läuft aus dem Ruder

Guido Reil ist da anderer Meinung. Der AfD-Politiker will Merkels Zugeständnisse offenbar nicht ernst nehmen und nahm nach Lanz' Bitte um eine ehrliche Einschätzung dann auch kein Blatt vor den Mund: "Ich halte diese Geschichte für reine Wahlstrategie. Ändern tun ihre Aussagen nichts. Wir können es nicht schaffen, weil wir keine Ziele formuliert haben. Was genau wollen wir denn schaffen?“ Er habe mit Merkels ungebrochener Zuversicht und dem berühmtesten Satz ihrer bisherigen Karriere schon zu SPD-Zeiten nichts anfangen können, stellt der Politiker klar – und setzt gleich noch einen drauf: „Als ich den Satz zum ersten Mal gehört und dann im Fernsehen die Bilder von den Flüchtlingen gesehen habe, habe ich mir eine Flasche Whiskey gekauft und mich betrunken.“ 

Doch trotz aller Kritik müsse er der Kanzlerin zumindest eines lassen: "Sie ist der einzige Mann in der Regierung, die hat Eier." Anwesende und Zuschauer wirkten einigermaßen überrascht, als Reil vor versammelter Mannschaft erklärt, dass er die Kanzlerin für ihre klare Linie respektiere.

"Eine Einladung an die Welt"

Das ändert für ihn natürlich nichts daran, dass die deutsche Bevölkerung nun am meisten unter ihrer strikten Haltung in der Flüchtlingsfrage zu leiden hat: Seiner Meinung nach sind nämlich nur wegen Merkels „öffentlichen Einladung an die Welt“ überhaupt so viele Migranten ins Land gekommen – die Flüchtlinge, die wirklich vor dem Krieg in Aleppo fliehen, könnten ja auch in Syrien oder im Irak sichere Zufluchtsorte finden.

Es waren Aussagen wie diese, die die Gemüter in der Runde immer mehr erhitzen ließen. Während Lanz versuchte, den Überblick zu behalten, verteidigte die deutsch-türkische Schauspielerin Renan Demirkan Angela Merkels Politik mit geradezu leidenschaftlicher Inbrunst.

Reils Auftritt ist reine Strategie

Auch Poschardt stellte sich gegen den provokanten AfD-Politiker – er analysierte Reils provokantes Verhalten, mit dem er vorab niemals gerechnet hätte, wie folgt: “Wir haben uns vor der Sendung 45 Minuten lang unterhalten, und nun gehen die Lichter der Kameras an, und Sie fahren hier in eine ganz andere Rolle.“ Poschardt lieferte letztendlich die einzig logische Erklärung für Reils Auftritt: "Sie wollen einen Listenplatz in NRW, die sind natürlich begrenzt. Und dafür müssen sie nun den Hardliner rausholen." Als ehemaliger SPD-Politiker muss Reil seinen neuen Parteikollegen nämlich erst noch beweisen, dass auch er „Eier“ hat - nämlich ein würdiger AfDler zu sein.

Sophie Lobenhofer

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