Waldkraiburg/Guttenburg - Bei diesem Picknick wird es richtig eklig: Die Braut steckt ihren Finger in das Maul eines abgehackten Fischkopfes...

© Drees
Sie macht sich richtig schmutzig. Beim "Trash the Dress"-Shooting von Fotografin Andrea Drees und Hochzeitsplanerin Melinda Horend geht es etwas unkonventioneller zu.
... schmiert sich die Hochzeitstorte mit Beerencreme aufs Dekollete und schüttet sich den Orangensaft in den offenen Mund, so dass es nur so spritzt
Die Idee für das ungewöhnliche Hochzeitsshooting hatten Fotografin Andrea Drees von Foto-Gen aus Waldkraiburg und Melinda Horend, Hochzeitsplanerin von „Honeysweet“ aus Mühldorf. „Trash the Dress“ nennt sich der Trend, dessen Ursprung in den USA zu finden ist. "Trash" ist Englisch und bedeutet so viel wie Schrott, „Trash the Dress“ wird frei übersetzt mit „Schrotte das Brautkleid“.
Seit dem Frühjahr suchten Horend und Drees durch einen Aufruf in unserer Zeitung Models, Brautpaare, die sich trauen, sich fernab von Kitsch und Weichzeichner ablichten zu lassen. Dafür durfte es ruhig dreckig, nass und sexy zugehen.
Als Kulisse dienen "trashige", also schmutzige oder heruntergekommene sowie morbide Orte, etwa Industrieruinen, Kuhställe oder auch Schrottplätze. Oder aber der Fotograf wählt "trashige" Utensilien, wie eben den abgehackten Fischkopf.
Die Bilder sollen im Herbst in einer Ausstellung gezeigt werden. 15 Freiwillige haben sich laut Andrea Drees gemeldet, elf wurden abgelichtet. Die Shootings laufen noch. In den nächsten Wochen wird es noch eine Fischerbraut in Anglermontur beim Fisch ausnehmen geben.
Heute ist das Picknick dran. Location: Der Park von Schloss Guttenburg - die perfekte Idylle zum Heiraten. Die Sonne scheint, die Parkanlage ist top gepflegt. Nur die Frau in Weiß hat scheinbar keine Manieren. Ihre Augen sind kräftig geschminkt, eine Blume ziert ihren Pagen-Haarschnitt. Das Kleid wird ziemlich dreckig: Fisch, Hochzeitstorte und literweise O-Saft. Andrea Drees hat alles auf ihrer Nikon. Sie muss schnell abdrücken, denn die Ausbeute bei den dreckigen Szenen ist gering. "Die Braut ist schnell so eingesaut, dass man sie nicht mehr erkennt", so Drees. Außerdem werden die Bienen wegen des Kuchens und des Saftes in Scharen angelockt.
Anschließend schlüpft Hochzeitsplanerin Melinda Horend selbst in die Rolle ihrer Kundinnen. Sie trägt falsche Vamp-Wimpern und einen Traum aus schwarzem Chiffon. Ihre dunklen Haare und ihr heller Teint verleihen ihr puppenhaftes Aussehen. Da die 24-Jährige selbst noch nicht ans Heiraten denkt - lieber plant sie die Hochzeiten anderer - hat sie sich einen "Bräutigam" ausgeliehen.
Den spielt Bernhard Marchner. Der 28-Jährige aus Mühldorf ahnt noch nicht, dass Melinda eine "schwarze Witwe" ist, die ihn gleich beim Seilziehen buchstäblich in den Dreck zieht und später in dem schrottreifen Omnibus vor Schloss Guttenburg mit Handschellen ankettet. Gehört zu den trashigen Stilmitteln. "Melinda, du musst dreckig dabei lachen", gibt Drees die Regie-Anweisung.
Damit die grelle Sonne keine Streifen auf die Gesichter des "Brautpaares" macht, hält Thorsten Drees die Sonnenabdeckung noch schräger. Auch Bettina Gareis, Nachbarin der Drees, hilft spontan mit. Um Haare und Make-up kümmert sich Friseurmeisterin und Visagistin Steffi Frey aus Bodenkirchen. Ungewöhnliche Shootings machen ihr besonders viel Spaß.
Die Bilder sehen toll aus. Ungewöhnliche Perspektiven, ungewöhnliche Menschen. Denn wer lässt sich im Brautkleid schon mit rohen Eiern bewerfen? Zeigen will Andrea Drees alle Bilder auf großen Formaten. Dafür will sie eine Location anmieten. Am besten eine mit morbidem Charme.
Infos über Fotografin Andrea Drees gibt es auf www.foto-gen.com und über Hochzeitsplanerin Melinda Horend auf www.honeysweet.de.
kla/Waldkraiburger Nachrichten
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