011.06.1011.06.10|Bayern|
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Nürnberg - Auf viele Jugendliche haben Neonazis eine anziehende Wirkung. Lehrer und Rechtsextremismus-Experten fürchten den Einfluss der Glatzen, die vor Schulen ihre Musik verteilen und Nachwuchs werben.
Trotz verstärkter Bildungsanstrengungen bleiben Jugendliche im Freistaat anfällig für die Propaganda von Neonazis. Schüler würden entweder mit Flugblättern angeworben oder von Neonazis persönlich angesprochen, berichtete die Nürnberger Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair auf einer Tagung in Nürnberg. Unlängst habe der bayerische NPD-Chef Ralf Ollert sogar Schülervertretungen angeschrieben und sie mit ausländerfeindlichen Parolen konfrontiert.
Seien die Jugendlichen einmal mit rechtsextremem Gedankengut infiltriert, hätten Lehrer kaum noch Einfluss auf die Jugendlichen, berichten Pädagogen auf der Tagung. Nach Beobachtungen von Mair fasziniert anfällige Jugendliche vor allem das selbstbewusste Auftreten neonazistischer Gruppen. In einem geschlossenen Block grölend durch die Stadt zu ziehen, empfänden vor allem Jugendliche ohne Halt als wohltuendes Gemeinschaftserlebnis. Auch der von Neonazis propagierte Antikapitalismus gepaart mit vermeintlich sozialen Elementen ziehe Jugendliche an, berichtete Mair. Ein wichtige Rolle spiele aber auch die Musik. Inzwischen gebe es in Deutschland 700 rechtsextremistische Bands, berichtete Mair.
Die Diplom-Sozialwirtin leitet das Nürnberger Rechtsextremismus-Projekt Tacheles. Nach ihren Informationen gliedert sich die bayerische Neonazi-Szene in zwei Blöcke: in die rechtsextremen Parteien NPD und DVU und in die vier sogenannten Kameradschaftsverbände: die Kameradschaft Nürnberg, die Kameradschaft Altmühltal, die Freien Nationalisten Erlangen-Höchstadt und das Freie Netz Süd.
Um die Polizei zu verwirren, trügen viele Neonazi-Gruppen bei öffentlichen Aufmärschen inzwischen schwarze Kleidung - und seien damit immer schwerer von den ebenfalls schwarz gekleideten linken Autonomen zu unterscheiden. Den Auftritten sollen Bürger in jeden Fall mit Protesten begegnen. Die Strategie des Wegschauens führe dazu, dass sich Neonazis im öffentlichen Raum noch stärker breitmachen könnten.
lby
Rubriklistenbild: © dpa
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vor 56 Minuten|Hohenbrunn|0
