122.06.1022.06.10|Lk Mühldorf
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Rosenheim/Mühldorf - Die Telefone im OVB-Medienhaus hörten gestern gar nicht mehr auf zu klingeln. Die Leser, die an diesem Morgen vergeblich auf ihre Heimatzeitung warteten, wollten wissen, was los war. Erstmals gab es wegen eines technischen Problems keine Ausgabe.

© privat/ku
Der Fehler lag im Detail: Ein Defekt in einem winzigen Bauteil legte die gewaltige Druckmaschine lahm, wie OVB-Elektriker Anton Dürr zeigt.
Schuld daran war eine defekte Platine. Das elektrische Bauteil der Druckmaschine fiel Sonntagnacht aus. Die Reparatur dauerte bis zum frühen Morgen.
Schnell war klar, dass es sich um einen Fehler in der Steuerungselektrik handelte. In einem der 13 schrankgroßen Schaltkästen, die die gewaltige Druckmaschine steuern, war der Wurm drin. OVB-Elektriker Norbert Mayer wurde um Mitternacht aus dem Bett geklingelt. Mit Schaltplänen und Messgeräten machte sich die Nachtschicht auf die Fehlersuche - vergeblich. "Das Problem war, dass die Fehlermeldung irreführend war und die Nachtschicht den Fehler zunächst woanders vermutete", so Schichtleiter Christian Deutsch, der gestern Morgen die Regie im Druckzentrum übernahm.
Über eine Notfallnummer wurde noch in der Nacht die Herstellerfirma in Ahrensburg kontaktiert, die die Schaltkästen gebaut hat. Der alarmierte Experte fuhr zu seinem Arbeitsplatz und half per Ferndiagnose am Telefon bei der hektischen Jagd nach dem Fehler, die der vielzitierten Suche nach der Nadel im Heuhaufen glich. Unterdessen versuchten zwei eilends verständigte Mitarbeiter des OVB-Vertriebs, per Telefon oder SMS die Austräger zu informieren, dass die Zeitung heute verspätet erscheinen würde.
Nachdem die gewaltigen Papierrollen eingezogen waren, wäre die Machine um halb sechs Uhr morgens wieder einsatzfähig gewesen. Doch für den Druck der Montagsausgabe war es jetzt zu spät. Viereinhalb Stunden dauert es, bis die 90.000 täglichen Exemplare des OVB und seiner Lokalausgaben gedruckt sind. Die Geschäftsführung entschied, die Montagsausgabe in der Dienstagszeitung mitzuliefern. Damit war etwas passiert, was bislang weder Überschwemmungen noch Schneekatastrophen geschafft hatten: Es erschien keine Ausgabe des Oberbayerischen Volksblattes.
Die Insel der Seligen befand sich ganz im Norden des Verbreitungsgebiets. Wenige tausend Exemplare für Neumarkt-St. Veit und Waldkraiburg waren noch gedruckt worden, bevor die Maschine stillstand. Die Zeitungen wurden natürlich zugestellt - und waren gestern äußerst begehrt. Wer die Zeitung gelesen hatte, gab sie an Verwandte und Nachbarn weiter. Die in Tankstellen und Bäckereien ausliegenden Exemplare waren schnell ausverkauft.
In der Druckerei in der Aisingerwies wurde gestern Vormittag die Druckmaschine auf Herz und Nieren geprüft. Drei Testdrucke liefen: "Jetzt haben wir alles unter Kontrolle", versicherte gestern Mittag Schichtleiter Deutsch.
Während in der Druckerei die Hektik etwas nachließ, ging es im Verlag rund. Ab dem frühen Morgen hatte ein wahrer Telefonansturm eingesetzt, der den ganzen Tag über anhielt. Zehntausende von Lesern, die vergeblich auf ihre Zeitung warteten, versuchten zu erfahren, warum sie kein OVB bekommen hatten. Doch die wenigsten kamen durch, obwohl sieben Mitarbeiterinnen nur damit beschäftigt waren, die Fragen der Leser zu beantworten. Unter der Flut der Anrufe brach das Telefonsystem zusammen. Aus dem Verlag konnte zeitweise niemand mehr nach draußen telefonieren.
Hunderte von Lesern kamen schließlich persönlich in die Hafnerstraße, um nach "ihrer" Heimatzeitung zu fragen. Die überwältigende Mehrheit reagierte verständnisvoll, vermisste aber ihre Zeitung: "Der ganze Tag ist verdorben, wenn ich morgens kein Volksblatt auf dem Frühstückstisch liegen habe", meinte eine Leserin.
Eine andere klagte: "Ausgerechnet heute, wo doch Prinzessin Victoria am Wochenende geheiratet hat." Sie und alle anderen Leser, die auf bestimmte Berichte gewartet haben, finden als Trost die Seiten der Montagszeitung in der heutigen Ausgabe.
OVB-Geschäftsführer Oliver Döser entschuldigte sich für den Ausfall und dankte für das Verständnis von Lesern und Anzeigenkunden: "Ich hoffe, dass wir für die nächsten 50 Jahre von so etwas verschont bleiben."
Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)
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