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Tödlicher Sturz in einem Altenheim in Kraiburg: "Damit ihr Tod nicht umsonst war"

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    • 11.08.12
    • Kraiburg
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"Damit ihr Tod nicht umsonst war"

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Kraiburg - Nach dem tödlichen Sturz einer Seniorin in einem Altenheim meldet sich nun der Sohn zu Wort. In dem Heim gebe es zu wenig Personal, sagt er und stellt Forderungen.

In dem Heim gebe es zu wenig Personal, sagt er und fordert: "Es muss sich grundsätzlich etwas ändern." Er will das Gespräch mit dem Münchner Betreiber des Altenheims suchen.

War es ein Unfall oder Schlamperei? Wie gestern berichtet ermitteln Kripo und Staatsanwaltschaft nach dem tödlichen Sturz einer Seniorin in einem Pflegeheim im Landkreis Mühldorf gegen die Pflegehilfskraft und die Heimleiterin wegen fahrlässiger Tötung. Die 89-Jährige sollte am Dienstag mithilfe eines Badelifts gebadet werden, wurde aber mit dem vorhandenen Gurt nicht gesichert und stürzte auf den Boden. Dabei verletzte sie sich so schwer, dass die trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen ihren Verletzungen erlag. "Sie hatte einen Genickbruch, viele Knochenbrüche, einen Riss in der Schlagader und Verletzungen an den Händen, weil sie sich wohl noch abstützen wollte", berichtet ihr Sohn, der die Obduktionsergebnisse von der Polizei erfuhr.

Er sei nach dem Unfall sofort an den Ort des Geschehens geeilt und fragt sich nun, warum der Sitz des Badelifts in der Höhe von über einem Meter war. Er habe den Gurt getestet. "Die Schließe funktionierte augenscheinlich." Dabei habe ihm die Pflegehelferin erzählt, der Gurt sei kaputt und sie habe dies auch der Heimleiterin gemeldet. "Die aber wusste nichts davon", sagte der Angehörige, der von "Missständen" spricht und fordert: In dem Heim müsse sich grundsätzlich etwas ändern, es gebe einfach zu wenig Personal. Der Inhaber und Betreiber, ein Münchner Steuerberater, setze auf Bettenmaximierung. Natürlich könne der Sohn der Verstorbenen eine betriebswirtschaftliche Herangehensweise verstehen - allerdings mit Maß und Ziel.

Er wisse auch, wie schwierig es sei, gutes Pflegepersonal zu finden; nicht jeder, der den Job mache, sei dafür geboren. "Aber das Heim muss dennoch gut geführt werden." Nun müsse gehandelt werden - "damit ihr Tod nicht umsonst war".

Der Inhaber und Betreiber des Heims spricht von einem "furchtbaren, tragischen Unfall". Der Badelift sei seines Wissens nach erst kürzlich gewartet worden. "Was die arme Pflegekraft eventuell falsch gemacht hat, ist noch unklar", so der Münchner. Die Frau sei geschockt und derzeit krank geschrieben.

Er weist darauf hin, dass der Personalschlüssel erfüllt werde. Der MDK (Medizininische Dienst der Krankenkassen) habe ihm bestätigt, wie gut das Heim geführt sei und die Note 1 gegeben, worauf er stolz sei. Die Mitarbeiter würden laufend auf Fortbildungen geschickt. Alle gesetzlichen Vorgaben seien erfüllt.

Mit der Heimleiterin stehe er jetzt ständig in Verbindung, um zu analysieren, wie man so einen Unfall vermeiden könnte. Ob und was geändert werde lasse sich erst nach Abschluss der Ermittlungen sagen. Anregungen der Familie nehme er jedoch gerne an.

Der Sohn der verstorbenen Frau macht sich jetzt große Vorwürfe. Er hatte überlegt, seine Mutter nach Hause zu holen. Doch sie hätte 24 Stunden am Tag Pflege gebraucht.

Auf Nachfrage teilt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd mit, dass sich die Vernehmungen und Ermittlungen in die Länge ziehen können. Die Ergebnisse werden anschließend der Staatsanwaltschaft vorgelegt, die dann entscheiden werde, ob Anklage erhoben wird. Pressesprecher Andreas Guske betont, dass es sich bei dem Vorfall in diesem Heim um einen Einzelfall handelt. "Da ist nichts Größeres im Hintergrund".

Die am Landratsamt zuständige Stelle, die FQA (Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen - Qualitätssicherung und Aufsicht; ehemals Heimaufsicht), wurde von der Heimleitung am Mittwoch benachrichtigt und machte sich am Donnerstag vor Ort ein Bild, wie Gabriele Haupt von der Pressestelle des Landratsamtes bestätigte.

Während der laufenden polizeilichen Ermittlungen könne sie keine weiteren Angaben machen. Nur so viel: Erst am 23. Juli fand eine Routinebegehung durch die FQA statt. Dabei "ergaben sich keine mangelrelevanten Sachverhalte".

kla/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © pa

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