Lässt CSU-Antrag den Moschee-Bau platzen?

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Der Vorentwurf für das islamische Gemeindezentrum an der Reichenberger Straße mit der Moschee für 600 Personen, einem Doppelhaus für den Imam und das Gemeindezentrum mit Saal, Freizeit- und Verwaltungsräumen. Mit großer Enttäuschung reagierten Gökay Tastan (von rechts) und Mustapha Imrenk vom Vorstand der islamischen Gemeinde darauf, dass die CSU den Bebauungsplan wieder aufheben will. 

Waldkraiburg - Das Moschee-Projekt der türkisch-islamischen Gemeinde auf dem Haldenwanger-Gelände steht vor dem Aus. Die Vorstandschaft reagiert mit großer Enttäuschung.

Der Bauausschuss wird in seiner heutigen Sitzung über einen Antrag der CSU-Fraktion zur Aufhebung des Bebauungsplanes für die Moschee an der Reichenberger Straße entscheiden, der dafür Baurecht schaffen sollte. Die Vorstandschaft der islamischen Gemeinde reagiert mit großer Enttäuschung auf diese Nachricht.

Moschee und Gemeindezentrum für 600 Personen

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Stadt stellt Bebauungsplan auf

Erst im Mai hatte der Stadtentwicklungsausschuss beschlossen, den Bebauungsplan aufzustellen, um festzulegen, welche Bebauung die Stadt auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Firma Haldenwanger zulassen will. Anlass dafür waren die Pläne der türkisch-islamischen Gemeinde Waldkraiburg, das Grundstück zu erwerben und darauf eine Moschee für 600 Personen, ein Gemeindezentrum mit Saal, Freizeit- und Verwaltungsräumen sowie ein Wohnhaus für den Imam zu errichten.

Die Mehrheitsfraktion im Stadtrat will den Beschluss vom Mai nun rückgängig machen und den Bebauungsplan aufheben. Dies bestätigt Fraktionssprecher Anton Sterr, der gestern auf Anfrage keine Gründe nennen wollte. Die Begründung werde er im Ausschuss vortragen, verwies er auf die öffentliche Sitzung am heutigen Mittwoch um 17 Uhr.

"Wir sind schockiert"

Gökay Tastan, Vorsitzender der Gemeinde, und Vorstandsmitglied Mustapha Imrenk sind "völlig überrascht" von der Entwicklung. Sie hatten aus der Mai-Sitzung des Ausschusses und nachfolgenden Gesprächen "positive Signale" der Kommunalpolitiker mitgenommen. "Wir sind schockiert." Die Gemeinde habe große Hoffnungen auf den Standort gesetzt.

Die neue Entwicklung können die Vertreter der Gemeinde umso weniger verstehen, weil in einer neuen Planung Hinweise aus der letzten Bauausschuss-Sitzung berücksichtigt wurden. Damals waren Bedenken wegen der Dimension des Vorhabens geäußert worden, ebenso wegen der Gestaltung der Moschee mit Kuppel und Minaretten.

"Abgespeckte" Version ohne zweites Obergeschoss

In einer abgespeckten Version verzichtet die Gemeinde bei der Moschee auf ein zweites Obergeschoss. Wasch- und andere Räume werden in das Kellergeschoss verlagert. Der Baukörper, der 30 Meter Abstand zur Reichenberger Straße hat, ist damit samt Kuppel nur noch 13 Meter hoch. Statt vier sieht diese Planung nur zwei Minarette in Kuppelhöhe vor.

Die türkisch-islamische Gemeinde, die der Dachorganisation Ditib angehört, bemüht sich schon seit einigen Jahren um den Neubau einer Moschee samt Gemeindezentrum. Das bestehende Gebetshaus gegenüber dem Renolit-Gelände in der Reichenberger Straße sei zu klein geworden. An den Feiertagen könne es die Gläubigen nicht mehr fassen. Es fehle an Räumen für die Frauen und für die Jugend, und es fehle an Parkplätzen. Nach Angaben der Gemeinde leben über 1600 Muslime in und in der Umgebung der Stadt. Laut Einwohnerstatistik haben allein rund tausend Bürger Waldkraiburgs einen türkischen Pass.

Ein idealer, innerstädtischer Standort

Mehrere Grundstücke im Stadtgebiet waren in den vergangenen Jahren für ein islamisches Gemeindezentrum im Gespräch, die Bemühungen um einen Neubau verliefen aber immer wieder ergebnislos. Das Haldenwanger-Areal sehen die Muslime als idealen Standort an, unter anderem weil er innerstädtisch gut zu erreichen ist und nicht weit draußen im Gewerbegebiet liegt. Der Kaufvertrag sei abschlussreif, sagt Vorsitzender Tastan.

Er ist "enttäuscht und verärgert" über den CSU-Antrag. Die Gründe seien ihm nicht bekannt. Die islamische Gemeinde bemühe sich schon seit vielen Jahren um gute Kontakte zur Stadt und zum Landkreis. "Wir sind ein offener Verein und wollen nichts verbergen."

Tastan und Imrenk wollen weiter für das Vorhaben der Gemeinde werben. Auch bei einem seit langem geplanten Tag der offenen Tür in der Moschee an der Reichenberger Straße 15 am kommenden Sonntag, 8. Juli. Von 10 bis 20 Uhr ist die Bevölkerung eingeladen, sich über den Islam, die Waldkraiburger Gemeinde und die Neubau-Pläne zu informieren.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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