Weihnachten unterm Mangobaum

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So einen Christbaum, wie den in der Christkönigskirche, gibt es in der Heimat von Schwester Marlene - Chile - und von Pater Paul - Indien - nicht. Die Chilenen schmücken Pinos und die Inder zum Beispiel Mangobäume.

Waldkraiburg - Weihnachten im Schnee ist für Schwester Marlene und Pater Paul etwas Exotisches. In ihren Heimatländern ist es warm und Christbäume in der herkömmlichen Form gibt es nicht.

Der Höhepunkt ist die Mitternachtsmesse und das wichtigste ist das gemeinsame Feiern.

Schwester Marlene und Pater Paul haben an den Weihnachtstagen einiges zu tun: viele Gottesdienste und die Krippenspiele sind vorzubereiten.

"Es ist schön, an diesen Tagen zu arbeiten, weil so viele Menschen in die Kirche kommen und mehr mit ihr anfangen können", sagt die Chilenin Schwester Marlene. Die Gemeindeassistentin stammt aus Concepcion.

Sie erinnert sich gern an die Festtage in ihrer Heimat. "Heiligabend gleicht einem farbenfrohen Sommerfest, es ist schön warm, die Natur blüht bunt und alle feiern gemeinsam bei den Eltern", erzählt sie. Die Krippen sind bunt geschmückt mit Blumen und Gemüse - wie man es vom Erntedankfest in Deutschland kennt.

Man trifft sich im katholischen Chile nachmittags zum Grillen; für die Kinder beginnen die Sommerferien. Um Mitternacht geht man gemeinsam in den Gottesdienst und danach gibt es die Bescherung. "Der Nachwuchs darf dann bis drei Uhr morgens auf der Straße mit seinen Geschenken spielen", erzählt die 42-jährige Ordensfrau lächelnd.

Der 25. Dezember ist in ihrer Heimat ein Ausflugstag. "Wir waren immer am Meer oder an einem See und machten Picknick. Der ganze Strand war voll - eine wunderschöne Erinnerung."

Weil es in Chile viele arme Menschen gebe, mache die Kirche zahlreiche Aktionen. Die Botschaft: Wir dürfen die nicht vergessen, die keinen Platz haben in der Gesellschaft - so wie Jesus, der keinen Platz fand und dann im Stall zur Welt kam. Daher gibt es Spendensammlungen und festliche Armenspeisungen vor der Mitternachtsmesse, die nennt man "Ein gedeckter Tisch für meinen Bruder", übersetzt sie.

Weil es so warm ist, verzichtet man auf Glühwein, lacht die Frau aus Concepcion. Traditionell wird ein Weihnachtsbrot gegessen, ähnlich dem italienischen Panettone: "Pan de Pascua". Pascua, das bedeutet doch Ostern? Sie erklärt, Weihnachten sei auch wie Ostern ein Fest des Durchgangs Gottes, er komme vorbei. Man sage sich "Feliz Navidad" oder "Feliz Pascua". Und der Weihnachtsmann, der "Viejito Pascuero", bringt die Geschenke.

Und an Ostern wünscht man sich "Feliz Pascua Resurrexion". Letzteres Wort bedeute Auferstehung.

Die deutschen Weihnachtslieder passen für sie gut mit der dunklen und kalten Jahreszeit zusammen - ganz anders in Chile, wo es bis 9 Uhr abends hell ist. "Aber ,Stille Nacht' singen wir auch."

Das Fest in Deutschland sei einfach anders. Den Konsumrausch, der hierzulande oft herrscht, will sie nicht verteufeln. Man müsse einfach aufpassen, sonst gehe der Sinn dieses Festes unter.

Das Präsente überreichen findet sie in Ordnung. "Es ist schön, dass die Menschen sich was Gutes tun und sich viel schenken", so Schwester Marlene. Daran könne sie nichts Egoistisches erkennen.

Und sie stelle fest, dass die Deutschen auch unter dem Jahr viel für Bedürftige tun, nicht nur zu Weihnachten. "Deutschland ist da sehr solidarisch".

Pater Paul nickt beipflichtend. Der Kaplan stammt aus Kerala in Südindien, wo 20 Prozent der Bevölkerung Christen sind. Die Mehrheit, 50 Prozent, sind Hindus und ein Teil sind Muslime. "Wir feiern Weihnachten zusammen mit den Hinduisten in der Kirche."

Auch in den Schulen machen die Hindukinder bei den Krippenspielen und beim Wichteln mit. Einen Christbaum wie in Deutschland kennen die Inder nicht. "Bei uns gibt es keine Tannen, wir schmücken dann zum Beispiel Mangobäume mit Sternen und Lichtern", erzählt der 42-Jährige.

Der Höhepunkt der Festtage sei die Mitternachtsmesse an Heiligabend, alle strömen in die Kirche, der Gottesdienst dauert rund drei Stunden. Im Anschluss folgt eine Prozession mit Jesuskind, Trompeten und Feuerwerk. Und dann machen sich die Frauen in der Küche an die Arbeit, das Weihnachtsfrühstück zu bereiten: Weißbrot mit Reis und Fleisch.

"Das ist etwas Besonderes, denn die Adventszeit ist bei uns Fastenzeit, man verzichtet auf Fleisch, Fisch und Milch", so Pater Paul.

Die indischen Sternsinger kommen an die Häuser mit dem Jesuskind und dem "Christmas-Papa", um zu trommeln und zu singen. Sie sammeln spenden für arme Kinder. "In Kerala gibt es nicht so viel Armut wie in Nordindien, aber auch hier gibt es Arbeitslose, die Hilfe brauchen."

Eine Bescherung wie in Deutschland macht man nicht, sondern die Menschen verschenken Weihnachtskuchen, auch an die Nachbarn. Über den Konsum in Deutschland zur Weihnachtszeit will er sich nicht äußern. Aber dass man hier viel gibt, sei was Schönes.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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