Waldkraiburg zu sozial?

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Waldkraiburg - Wie viel soziales Engagement kann sich die Stadt noch leisten? Diese Frage warf Axel Pöschmann in der jüngsten Stadtratssitzung auf und löste damit eine grundätzliche Diskussion aus.

Die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Gabriele Schleich und Dagmar Greck-Fort, die für Stadt und Wohnungsgesellschaften aufsuchende Sozialarbeit leistet, hatten soeben ihre Jahresberichte vorgetragen, da meldete sich am Ende der Sitzung Stadtrat Pöschmann zu Wort. Er frage sich langsam, wie viel Sozialengagement sich Waldkraiburg noch leisten könne. Die Stadt habe in der Vergangenheit so viel Einsatz gezeigt. Vom Erfolg vieler Maßnahmen und Angebote ist Pöschmann nicht überzeugt. Im Gegenteil: Er hält sie zum Teil für kontraproduktiv, weil sie Leute, die vom Sozialstaat leben, regelrecht nach Waldkraiburg ziehen. Der Stadtrat bezog sich auf den Fall einer Familie, die kürzlich aus dem Umland nach Waldkraiburg gezogen war. Er habe nichts gegen die Unterstützung von Behinderten. Allerdings, so wandte Pöschmann, werden höhere Forderungen als in anderen Städten gestellt. "Wir müssen in Waldkraiburg mal runterkommen" von überzogenen Sozialstandards und -forderungen.

Bürgermeister Siegfried Klika sieht zwar Probleme, etwa die explodierenden Kosten im Bereich der Jugend- und Sozialhilfe im Landkreis, teilt die Meinung Pöschmanns aber nicht. "Zunächst", so Klika, "sollten wird froh und solz sein, dass wir einen so hohen sozialen Standard haben." Er verwies etwa auf die attraktiven Kinderbetreungseinrichtungen für Familien. Ein Zuzug von Sozialfällen sei auch auf niedrige Mieten zurückzuführen. Einen "Sozialtourismus" gebe es aber überall.

Im Blick auf das Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen und Nationalitäten meinte der Bürgermeister: Bei allen Problemen, die es in Sachen Integration gibt, "sollten wir froh sein, dass wir das so gut bewältigen".

Zum sozialen Engagement der Stadt sieht er keine Alternative. Oberstes Ziel ist es für Klika, eine Entwicklung von Sozialhilfeempfängern über Generationen hinweg zu verhindern.

"Dazu müssen wir den Kindern gezielte Unterstützung anbieten, um sie auf einen selbstbestimmten Weg zu führen", erklärte er, warum die Stadt in begründeten Fällen für Kinder Gebühren in der Musikschule oder im Sportverein und die Mittagsverpflegung in der Ganztagesschule übernimmt.

Ohne Zahlen zu nennen, verwies der Bürgermeister auf eine Analyse der Zuzüge. Da sehe es nicht so schlecht aus. Darunter seien "relativ wenige, die nur vom Sozialstaat leben".

"Problembürger" gebe es überall, meint Susanne Engelmann, die eine offene Diskussion über Missstände für sinnvoll hält. Sie sei stolz, so Engelmann, Bürgerin einer Stadt zu sei, die von Toleranz und vielfach gelungener Integration zu sein. Sie sehe viele anständige Familien und allein stehende Mütter, die gut zurecht kommen. Über diese werde aber zu wenig geredet und geschrieben.

Engelmann hatte sich zuvor nach der Situation in einem Stadtbau-Gebäude in der Schichtstraße erkundigt, in dem die Stadt Obdachlose unterbringt. Ihre Befürchtung, dass dort alleinerziehende Mütter mit Kindern neben Drogensüchtigen oder Alkoholkranken leben, entkräftete Reinhard Schmid, Leiter der Ordnungs- und Sozialabteilung. Die Stadt, die dazu übergegangen ist, Obdachlose dezentral unterzubringen, habe nur drei Wohnungen in dem Gebäude angemietet und keine Familien mit Kindern dort untergebracht.

Ziel der Stadt sei es, so Schmid, Obdachlosigkeit schon im Vorfeld zu vermeiden. Er führt es auch auf die Arbeit von Greck-Fort zurück, dass es zuletzt deutlich weniger Fälle von Obdachlosigkeit gegeben habe.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © dpa

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