Bürgermeister verabschiedet sich nach 24 Jahren

Aus Bürgermeister Klika wird Handwerker Sigi

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Der Bürgermeister a.D. ist im Ruhestand verstärkt als Handwerker Sigi gefragt.
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Waldkraiburg - Bücher, E-Bikes und eine Bastelwerkstatt: Nach 24 Jahren Stadtpolitik genießt Waldkraiburgs langjähriger Bürgermeister Siegfried Klika den Ruhestand.

Ein beinahe mannshoher Aufsteller neben Siegfried Klikas Haustüre gibt das Programm für die nächsten Jahre bereits vor: Einen Bürgermeister a.D. stellt dieser Aufsteller dar, gekleidet in eine blaue Latzhose mit der Aufschrift "Handwerker Sigi". Dieser Sigi hat einem Werkzeugkasten in der Hand, der dem Handwerker die Zugehörigkeit zur "Rentner AG" bescheinigt. Der Aufsteller ist ein Geschenk der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die das bisherige Stadtoberhaupt Siegfried Klika nach zwölf Jahren im Amt zum 1. Mai in den Ruhestand verabschiedeten.

Im Garten locken Treibhaus, Pool und Grillplatz

24 Jahre war Klika insgesamt in der Stadtpolitik aktiv, zunächst als Stadtrat und Sozialreferent, später als Zweiter und schließlich als Erster Bürgermeister. Die Altersgrenze für Landräte und hauptamtliche Bürgermeister verwehrte ihm eine erneute Kandidatur (Klika wird im August 68 Jahre alt), sodass Klika nun vom Amtszimmer in die heimische Bastelwerkstatt wechselte.

Für den diesjährigen Fasching baute der  passionierte Hobbyhandwerker als Dekoration für den Faschingswagen der CSU einen 20-Zylinder aus Spanplatten, Pappe und Trinkbechern.

Langweilig, das wird schnell deutlich, ist dem Bürgermeister a.D. auch im Ruhestand nicht. Einfach mal die Zeit genießen wolle er jetzt, erzählt Klika im Gespräch mit unserer Redaktion. Stolz schildert der 67-Jährige die Errungenschaften in seinem Garten. Dort steht ein Treibhaus, ein Holzplatz und seit drei Jahren sogar ein kleiner Pool. Hinzu kommt ein Grillplatz - den hat Klika allerdings auch die letzten Jahren schon (eingeschränkt) genießen können. "In den Stunden zwischen den Terminen haben wird das gemacht. Meine Frau hat alles vorbereitet und ich habe gegessen", scherzt der 67-Jährige.

Sieben Wecker flogen aus dem Fenster

Dass seine Frau Helga ihm immer den Rücken freihielt, sich um das Haus kümmerte, Überweisungen machte und Bankgänge erledigte, bezeichnet Klika als großes Glück. Jetzt freue sich seine Frau schon darauf, die Zeit gemeinsam zu gestalten. "Wir wollen viel reisen", erzählt Klika. Den vielen Einladungen von Verwandten aus aller Welt konnten die Klikas in den letzten Jahren schließlich nicht wahrnehmen. "Das hat die familiären Kontakte schon negativ beeinträchtigt", gibt Klika zu.

Die sieben Wecker landeten allesamt im Garten. Sechs von ihnen blieben heil.

Viel Freizeit hatte der 67-Jährige in den letzten zwölf Jahren nicht. Selbst beim samstäglichen Rasenmähen habe immer schnell jemand am Gartenzaun gestanden und habe eine Frage an den Bürgermeister gehabt, erinnert sich Klika. Als Abschiedsritual hat sich der 67-Jährige deshalb in den letzten Tagen jeden Abend einen Wecker gestellt. "Um 7 Uhr früh habe ich ihn läuten lassen und dann habe ich ihn zum Fenster rausgeschmissen." Danach ging's wieder zurück ins Bett. Mittwochmorgen war der letzte von sieben Weckern an der Reihe, kaputt gegangen ist bei diesem Ritual nur ein einziger. "Die sind wahnsinnig robust", konstatiert Klika.

Klika bei seiner Paradedisziplin, dem Anzapfen:

"Waldkraiburg ist oft zweiter Sieger"

Der 67-Jährige blickt durchweg positiv auf seine zwei Amtszeiten zurück. Große Erfolge seines politischen Schaffens sind für Klika die Geothermie und die Kinderbetreuung. "Ich bin sehr, sehr stolz, dass wir es geschafft haben, im Bereich der Kinderbetreuung einiges auf die Beine zu stellen." Man habe ein Netzwerk geschaffen, findet Klika. Auch auf die Volkshochschule ist Klika stolz, sie sei in "wunderschöne eigene Räume" eingezogen.

Sehr präsent ist dem 67-Jährige der Wettstreit mit Mühldorf. Die Kreisstadt ist nur ein wenig kleiner als Waldkraiburg, buhlt mit der größten Stadt im Landkreis um Erfolge im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich - und um Anerkennung. Zu Mühldorfs langjährigem Bürgermeister Günther Knoblauch habe er immer ein gutes Verhältnis gehabt, aber es habe eben einen Wettbewerb zwischen Waldkraiburg und Mühldorf gegeben. "Waldkraiburg ist oft zweiter Sieger, weil wir eine junge Stadt sind", erzählt Klika.

"Das hat mich schon ein bisschen enttäuscht"

Die Wettbewerbsnachteile liegen für den 67-Jährigen auf der Hand. "Das fängt an bei der Optik einer Altstadt, geht weiter beim Netzwerk." Zudem habe Mühldorf als Kreisstadt in den Augen vieler Leute einen grundsätzlichen Standortvorteil. "Das ist ein schwieriges Geschäft, angefangen bei dem Gerücht, Waldkraiburg sei so unsicher." Auch wenn man noch so oft die offiziellen Zahlen vorlege, gebe es in den Augen der öffentlichen Meinung Nachholbedarf.

Echte Niederlagen aus seiner Zeit als Bürgermeister fallen Klika spontan keine ein, eine Enttäuschung ist aber in seinem Gedächtnis haften geblieben. Trotz Bürgersprechstunde und einer einmal im Monat veröffentlichten Broschüre habe es seitens einiger Bürger immer wieder geheißen "wir wissen ja nichts". "Das hat mich schon ein bisschen enttäuscht", erzählt der 67-Jährige.

Bilder aus der "Ära Siegfried Klika":

Bilder aus der "Ära Siegfried Klika"

Seinen Nachfolger Robert Pötzsch (UWG) hat Klika in vielen Gesprächen auf das Amt vorbereitet. Der 67-Jährige wünscht dem neuen Bürgermeister, dass er gemeinsam mit dem Stadtrat möglichst schnell zu einer konstruktiven Arbeit zurückkehrt. "Die Chancen stehen gut. Dann wird es auf der Erfolgsleiter auch weiter nach oben gehen", ist Klika überzeugt. Ein Bürgermeister müsse Mediator und Kommunikator sein, Brücken schlagen zwischen den städtischen Gremien und den Bürgern. "Ein Bürgermeister ist nicht der König, das ist ein harter Job."

Die Stadtpolitik will Klika als "Zaungast" begleiten

Klika will sich künftig aus der Stadtpolitik "im Wesentlichen" raushalten. Als Kreisrat wolle er sich für die Interessen der Stadt Waldkraiburg einsetzen. Im Stadtrat aber werde man ihn höchsten Mal als Zuhörer erleben, und dann nicht als aktiven. "Es gehört dazu, dass man es nur als Zaungast begleitet", so Klika.

Genug zu tun hat der Bürgermeister a.D. (die Bezeichnung "Altbürgermeister" ist ein Titel und muss Klika erst verliehen werden) auf alle Fälle. Der 67-Jährige möchte viel Lesen und die neu angeschafften E-Bikes stehen schon für Radtouren bereit. Reisen will Klika ebenfalls ausgiebig. Die erste Reise im Ruhestand soll den 67-Jährigen ans Nordkap führen. Außerdem wartet daheim bereits eine Liste mit Renovierungsarbeiten auf "Handwerker Sigi". Zudem rechnet Klika damit, dass viele Freunde seine Dienste in Anspruch nehmen werden. "Ich kann alles: Möbel, Mauern, Fliesenlegen."

Klika in Aktion beim Fahrgeschäftetest:

Die bemerkenswerten Anzapf-Fähigkeiten des langjährigen Stadtoberhauptes - Klika zapfte nicht nur einmal mit einem einzigen Schlag an - werden bei offiziellen Anlässen nun nicht mehr gefragt sein. "Das wird mir nicht fehlen, damit ist Schluss", so Klika. Einmal ist dem 67-Jährigen beim Anstich ein folgenschweres Malheur unterlaufen. Einen Wechsel mit Dichtung hatte Klika bei einem Feuerwehrfest so in die Hand genommen wie einen gewöhnlichen Wechsel - und sich prompt die Hand eingezwickt. Die Narbe ist noch heute zu sehen. "Beim ersten Mal hat mich ein Schmerz durchzuckt - dann habe ich aber noch einmal draufgehauen."

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