"Das Gruselkammerl" der SGF

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Der Luftschutzkeller im heutigen SGF-Bürogebäude ist noch in großen Teilen erhalten. Hier eine Stahltür mit Hebelverschluss.

Waldkraiburg - Unter dem SGF-Bürogebäude in der Graslitzer Straße befindet sich ein Luftschutzkeller. Er stammt aus der NS-Zeit und hat einen Teil dieser Tage bis heute konserviert.

Spannend, aber irgendwie auch beängstigend ist der Besuch im Luftschutzkeller unter dem SGF-Bürogebäude in der Graslitzer Straße. Er stammt aus der NS-Zeit und hat einen Teil dieser Tage bis heute konserviert. "Das Gruselkammerl" der SGF bildet den Auftakt zur neuen Serie der Heimatzeitung "Verborgene Unterwelten".

Die Geschichte Waldkraiburgs ist auch heute noch an vielen Ecken zu sehen und zu spüren. Unter der Stadt befinden sich gut erhaltene Luftschutzbunker, wie etwa unter dem SGF-Bürogebäude in der Graslitzer Straße 14. Hier befand sich während der NS-Zeit ein sogenanntes Wohlfahrtsgebäude des Werks Kraiburg (siehe blauer Kasten unten), gebaut wurde es laut Stadtarchivar Konrad Kern im September 1939. Über das Werksgelände verteilt habe es 13 Gebäude dieser Art gegeben, um während der Arbeitspausen den Beschäftigten die Gelegenheit zu geben, eine kleine Zwischenmahlzeit einzunehmen, etwa Milch, sich zu waschen, die Toilette zu benutzen oder um sich umziehen zu können, erklärt Kern. So mussten die Arbeiter nicht die weiten Wege zu den Wohnanlagen zurücklegen, während die Stechuhr lief.

Jedes Wohlfahrtsgebäude hatte einen Luftschutzkeller. Über diese Anlagen ist im Aufsatz "Die Arbeitskräfte der DSC" im Stadtbuch "Waldkraiburg erzählt" von 1999 zu lesen, dass ihr Schutzeffekt zu gering war. Die Keller seien als Schutz vor schweren Bomben ungeeignet gewesen und der Abstand zum eigenen Pulvermagazin war zu gering.

Nach 1945 boten sich die Gebäude ohne größeren Aufwand an, sie in Büros oder Wohnungen umzubauen. Firmen wie Lode, Baczkiewicz, Negro oder die SGF kauften die Bauten.

Luftschutzbunker sind hauptsächlich aus Stahlbeton hergestellt worden. Dieses Bild zeigt einen Notausstieg ins Freie.

SGF-Firmengründer Gerhard Zeidler erwarb das Gebäude nach dem Krieg. Damals hatte es noch ein Flachdach und wurde aufgestockt. Ellen Zeidler wohnte bis zu ihrem Tod 2009 im Erdgeschoss. Danach wurde der Wohnbereich in ein Büro umgewandelt, weiß Claudia Habeck aus der Firmengeschichte zu berichten. Die Assistentin des Geschäftsführers Ernst Hahn führte die Heimatzeitung hinab ins "Gruselkammerl". Bei der Führung spricht sie augenzwinkernd von den "Katakomben". Der ganze Keller ist ein alter Luftschutzbunker aus Stahlbeton mit Relikten aus der Kriegszeit. Die Räume werden heute als Heizungskeller, Lager oder Aktenarchiv genutzt. Will man dorthin, muss man erst die Gasschutztüren mit ihren doppelten Hebelverschlüssen öffnen. An den Stahltüren die mahnenden Worte des DSC-Betriebsführers in der alten Schriftart "Fraktur": Wer Luftschutzgeräte stiehlt oder missbraucht oder gar die Räume beschädigt, begeht Sabotage und wird streng bestraft.

Zu sehen sind in dem stark verwinkelten Keller alte Rohre, eine Ausstiegsluke durchs Fenster und einige Belüftungsklappen in Bullaugenform mit der Aufschrift "Drägerwerk Lübeck". In zwei Räumen ist der Schriftzug "Gasschleuse" an der Wand noch deutlich zu entziffern.

Die Bunkerräume unter dem heutigen Büro der SGF werden von der Firma als Lager und Aktenarchiv genutzt.

Um einem möglichen Angriff mit Giftgas vorzubeugen, verfügen Luftschutzbunker über eine Gasschleuse mit zwei Türen. Im Falle eines Gasalarms durfte immer nur eine geöffnet werden. Das Eindringen von Gas in den Schutzraum wurde durch leichten Überdruck verhindert, wie in der Fachliteratur erklärt wird. Das Oberkommando der Wehrmacht gab 1939 Vorschriften zum baulichen Luftschutz heraus.

Auch wenn so ein Bunker Menschenleben rettete, jagt einem seine konservierte Geschichte doch Schauer über den Rücken - sich den Fliegeralarm vorzustellen, die Angst, in der Gruft aus Beton eingepfercht abzuwarten.

In Waldkraiburg gibt es noch einige unterirdische Anlagen zum Schutz der Zivilbevölkerung, die zum Großteil in Vergessenheit geraten sind. Davon wird die ein oder andere Folge dieser Serie berichten, aber auch von anderen verborgenen Unterwelten in der Umgebung, etwa alten Brauereikellern, Erdkellern oder dem Gewölbe unter Schloss Guttenburg.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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