Mit dem Oldtimer ins Holz

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Nicht ohne seinen Vater wollte Jürgen Losbichler - auf dem Hanomag R27 sitzend - auf das Foto. Papa Florian, der "Schmied Flori" liebt das Gefährt mindestens so wie sein Sohn.

Waldkraiburg - Ein Oldtimer-Bulldog kann geradezu zum Familienmitglied werden. So geht es jedenfalls Jürgen Losbichler mit seinem Hanomag R27.

Es waren die Liebhaberei und der Zufall, die Jürgen Losbichler und seinen Hanomag R27 zusammenbrachten. Seit 2004 ist der alte Bulldog aus dem Jahr nun in Familienbesitz und wie der Oldtimerfan sagt, "Familienmitglied".

Erst hüstelt der Hanomag R27 ein bisschen, doch dann springt er an und leistet gute Dienste. Der Bulldog aus dem Jahr 1953 ist zuverlässig, wenn es um Holz holen, Schneeräumen oder Faschingswagen ziehen geht. Und er wird gern gehabt, von Jürgen Losbichler und seinem Vater Florian, dem "Schmied Flori". "Und von meiner Frau, obwohl die sonst mit groben Zeug nichts zu tun hat, die ist nämlich Friseurin und Berufschullehrerin", erzählt Jürgen Losbichler - seinerseits seit 35 Jahren leidenschaftlicher Mechaniker - lachend und dabei wackelt sein Schnauzbart. Aber Dank des Hanomags hat es seine Gattin auch im kältesten Winter immer schön warm. Das Diesel-Gefährt in Halbrahmenbauweise wird zur Holzbeschaffung genutzt.

Die Losbichlers heizen ausschließlich mit Holz, den Brennstoff holen sie sich direkt beim Waldbauern und richten ihn daheim in Scheiten her. Der 84-jährige Senior kümmert sich darum, dass der Ofen nie ausgeht. Wenn die geothermale Wärmeversorgung so weit ist, will Losbichler umsteigen; ein konkretes Datum gebe es noch nicht. Allerdings soll dann weiter mit Holz zugeheizt werden, denn "das macht eine ganz andere Wärme". Und ausgedient habe der Hanomag dann auch nicht. Das wär auch "ewig schade", schließlich hat der 50-Jährige "so lange auf sowas gesponnen." Genau wie sein Vater, der früher als Lohndrescher unterwegs war und sich sehr für landwirtschaftliche Maschinen interessierte. Durch Zufall lernten die zwei einen Landwirt kennen, der ihnen das gute Stücke zu einem fairen Preis überließ. Wieviel das war, will Jürgen Losbichler nicht verraten, nur so viel: "fast gestohlen".

Der Hanomag R27 war in einem guten Zustand, nur ein wenig angestaubt. Bis heute waren nur kleine Reparaturen nötig. Und schrauben, das mag der Losbichler wirklich gerne. Zusammen mit seinem Vater und seinem guten Freund Günther Dietrich. "Wenn wir mal ein Teil brauchen, fertigen wir es selbst aus Eisen an", berichtet Mechanikerkollege Dietrich. Und weil der Bulldog wie geschmiert läuft, geht es regelmäßig zu Oldtimertreffen, auch mal weiter weg. In Friedolfing gab es mal einen Pokal für die weiteste Anreise auf eigener Achse.

Neues Projekt für den Winter

Seit Losbichler den Hanomag seit 2004 hat, wollte er ihn mit einem Anhänger ausstatten. Und wieder wollte es der Zufall, dass er in Taufkirchen bei einem Oldtimertreffen seinen Cousin traf, der ihm einen zweiachsigen Gummiwagen schenkte. Die zwei platten Reifen waren kein Problem. Gemeinsam mit seinem Vater packte der Waldkraiburger an und heute ist der Anhänger aus dem Jahr 1950 "wie neu". Beim Restaurieren stießen die beiden auf das Typenschild und erfuhren so überraschend, dass der Hersteller ihr Onkel Alois, Schmiedemeister aus Taufkirchen, war. Wie viele, die vom "alten-Vehikel-Virus" infiziert sind, hört die Schrauberei und Bastelei mit dem Hanomag nicht auf. Für diesen Winter ist das Projekt "Holder ED 11 herrichten" angesagt, das ist ein Einachsschlepper Baujahr 1958. "Sammlerei und Spinnerei" nennt Losbichler das.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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