Leben im Rathaus

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Der Rathaus-Franz und seine Marianne. Ohne das Hausmeister-Ehepaar Schmidt geht in diesem Gemeindebau gar nichts. Bei ihr am Empfang laufen die Fäden zusammen, er kümmert sich um alles, was anfällt. Zum 40. Jubiläum des Gebäudes sagen die beiden: "Das Rathaus ist unsere Heimat".

Waldkraiburg - 28 Jahre lang wohnten sie im dritten Stock in der Hausmeisterwohnung: Zum 40. Jubiläum des Gebäudes berichten sie von ihrem "Zuhause", dem Rathaus.

"Wenn ich mal in Rente bin, schreibe ich ein Buch: ,Ich und mein Rathaus'", lacht Marianne Schmidt. Die 51-Jährige arbeitet an der Information im Rathausfoyer und ihr Mann Franz ist der Hausmeister des Gebäudes. Die Schmidts stammen aus dem Banat und kamen 1982 nach Waldkraiburg, 1983 fing Franz Schmidt als Hausmeister an. Im November werden es 29 Jahre, dass der 58-Jährige "Mädchen für alles ist", wie er gut gelaunt erzählt.

Er mag seine Arbeit, genau wie seine Frau Marianne. Mehr noch: Die beiden sind richtig glücklich damit. Sie fing 1986 an hier zu arbeiten, erst als Putzfrau und später am Empfang. Der Informationsschalter im Foyer ist ihr Reich. "Wir beide sind immer mitten im Geschehen und kriegen alles mit", so Marianne Schmidt, die fast alles weiß oder zumindest weiß, wen sie fragen könnte. Die Bürger und Rathausangestellten kommen zu ihr mit vielen Fragen. Sie verwaltet 780 Schlüssel im Haus, die zwei Dienstfahrzeuge, vergibt für das Landratsamt gelbe Säcke, Sperrmüllschecks oder auch Familienpässe. Sie bereitet Sitzungen vor - den Saal muss man bei ihr reservieren - und dazu gehört auch Getränke, Kaffee oder etwa Sekt für Empfänge bereitzustellen. Auch bei Ausstellungen im Foyer ist sie gefragt. Wenn jemand im Haus etwas braucht, wird das von den Schmidts sofort erledigt. Auch wenn es 500 Kopien auf die Schnelle sind, wenn hunderte Briefe gefaltet und eingetütet werden müssen. Wenn ein Drucker oder Kopierer streikt, versucht sie ihn zu reparieren. "Sowas lernt man mit der Zeit", schmunzelt sie. Wenn das Ding gar nicht will, holt Marianne Schmidt ihren Mann zu Hilfe. Sie verbindet Anrufer in die richtigen Ämter, weiß, wer für was zuständig ist. Schlicht: Ohne sie geht gar nichts.

Zur Entlastung hat ihr die Stadt eine Teilzeitkraft an die Seite gestellt. Ulrike Voggenreiter wird gerade eingelernt. Das Witzige: Ihr Mann Jürgen steht Hausmeister Franz Schmidt als Springer zur Seite. Voggenreiter pendelt also zwischen den Schulen, der Stadtbücherei, dem Haus der Kultur und dem Rathaus und hilft, wo er gebraucht wird. Die beiden Ehepaare sind ein gutes Team, das durch den Boten Stefan Graf optimal ergänzt wird, wie Marianne Schmidt betont. Darum klappe an der Information alles so gut. Für Abläufe hinter den Kulissen ist der "Rathaus-Franz" - so nennen viele den Hausmeister - zuständig. Er sperrt morgens die Tiefgarage auf, ist zuständig fürs Pflastern, Lampenreparieren, Schneeräumen, Schreibtischeverrutschen. Von Mai bis September baut er bei den Stadtparkkonzerten die Anlage auf und stellt die Getränke für die auftretenden Gruppen bereit. Auch beim Stadtfest, beim Christkindlmarkt und bei Ausstellungen ist er im Einsatz, löst logistische Probleme.

Per Handy ist er aber auch nach den offiziellen Arbeitszeiten erreichbar: wenn nachts in einer Schule noch Licht brennt, wenn aus der Tiefgarage ein Notruf kommt oder wenn am Friedhof das Tor offen steht. Ärgern muss er sich da nicht, sagt Franz Schmidt. "Ich arbeite mit Herz und Seele hier." Deshalb kommt er auch nach langen Ausschusssitzungen vor Mitternacht nochmal an seinen Arbeitsplatz, um zu kontrollieren, ob alle Lichter aus sind. 28 Jahre lang wohnten die Schmidts in der Hausmeisterwohnung im dritten Stock. Nun sind sie kürzlich mit ihren erwachsenen Söhnen in ein Dreifamilienhaus gezogen; der Neubau wurde gerade eben fertig.

Das Wohnen im Gemeindebau wollen sie nicht missen - auch wenn es am Ende zu eng wurde. Ihre Sprösslinge hatten dort eine tolle Kindheit. "Wenn das Rathaus zu war, spielten sie hier Fußball oder Hockey", erinnert sich die Empfangschefin. "Sonntags kam oft Altbürgermeister Fischer zum Arbeiten rein und tobte mit den Jungs herum", lacht ihr Mann. Was will man mehr, wenn man ein ganzes Rathaus als Zuhause hat?

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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