Ein Großevent in Waldkraiburg?

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Waldkraiburg - Warum gibt es in Waldkraiburg keine großen Konzertevents, keine Festivals? Immer wieder werden Stadträte mit dieser Frage konfrontiert, vor allem von jungen Leuten.

Das Kulturamt hat die Voraussetzungen für derartige Veranstaltungen in Waldkraiburg geprüft und Kosten aufgelistet. Trotz finanzieller Risiken soll das Projekt "Großevent" weiter verfolgt werden, so der Bürgermeister.

Ausgangspunkt für die Überlegungen ist die Tatsache, dass die Eissporthalle nach der Sanierung anlässlich der Eisstock-Weltmeisterschaft vom Brandschutz und anderen Gegebenheiten her wieder für Großveranstaltungen tauglich ist. Stadtwerke-Chef Norbert Weigl hatte deshalb bereits einen Vorstoß gemacht, dort ein Konzert mit Hansi Hinterseer zu veranstalten.

Im Kulturausschuss wurde die Frage jetzt grundsätzlich aufgeworfen: Was geht? Und wie teuer wäre es? Kulturamtsleiter Peter Hegwein und Hansjörg Malonek, der für das Veranstaltungsprogramm zuständig ist, machten in der Diskussion deutlich, dass ein Festival längst kein Selbstläufer mehr ist. Sie verwiesen dabei unter anderem auf die geringe Kartennachfrage beim aktuellen Sommerfestival in Mühldorf oder zuletzt auf Schloss Guttenburg.

Hegwein und Malonek machten auf die Konkurrenzsituation in der Region aufmerksam. Einige Veranstalter in der Region könnten mit sehr attraktiven Veranstaltungsorten aufwarten. Die denkbaren Waldkraiburger Veranstaltungsorte, Eisstadion, Volksfestplatz und Stadtpark, sind nach ihrer Einschätzung prinzipiell geeignet, aber selbst noch keine Anziehungspunkte.

Am Beispiel einer größeren Konzertveranstaltung in der Region rechneten sie die Kosten hoch: Gage, Hotel, Catering und Fahrdienst für die Musiker, Technik, Steuer und Künstlersozialkasse, Bau der Bühne (Stadion) oder Umzäunung (Volksfestplatz), Bühnenhelfer, Kassen- und Sicherheitspersonal für die Bühne, Werbung, GEMA, Versicherung und Reinigung summieren sich nach ihren Worten bei einer Band mit überregionalem Namen auf gut 80.000 Euro. Bei internationalen Showgrößen wie Elton John liegt die Summe laut Hegwein sogar weit darüber.

Über 80.000 Euro - erst bei Ticketpreisen um 50 Euro und mindestens 1700 verkauften Karten seien die Kosten gedeckt, wenn nicht Sponsoren einspringen.

Das Kulturamt hält Großveranstaltungen dieser Art in Waldkraiburg grundsätzlich für möglich, nicht aber innerhalb des vorgegebenen Kulturbudgets. Die Stadt müsste in Vorleistung gehen, brauche finanziell einen langen Atem. Es dauere mehrere Jahre, ein solches Großevent zu etablieren. Und nur das hält Hegwein im Hinblick auf eine nachhaltige Imagewerbung für Waldkraiburg für sinnvoll. Von halben Sachen hält er aus Marketinggründen nichts. "Ganz oder gar nicht. Mal probieren bringt für Waldkraiburg keinen Werbeeffekt."

Trotz der aufgezeigten finanziellen Risiken möchte Bürgermeister Siegfried Klika das Projekt weiterverfolgen. "Es wäre schade, wenn wir das Eisstadion nach diesen Investitionen nicht nutzen." Es gebe kaum eine Kulturveranstaltung, die nicht bezuschusst werden muss, so Klika, der zugunsten einer Großveranstaltung lieber in anderen Kulturbereichen Abstriche machen würde. Der Bürgermeister möchte das Projekt nicht aufgeben, sondern mindestens testen, "ob Infrastruktur und Organisation passen". Auch beim Maffay-Konzert im Haus der Kultur "haben wir bewiesen, dass wir es können". Klika erinnerte sich an einige sehr erfolgreiche Veranstaltungen, etwa mit der Kelly Family und den "Schürzenjägern" vor vielen Jahren.

Die Szene habe sich in den letzten Jahren völlig verändert, meinte dagegen Hansjörg Malonek. Er sprach sich dafür aus, eine Konzertagentur als Partner für Waldkraiburg zu gewinnen.

Anton Sterr äußerte sich zurückhaltend: Für eine solche Großveranstaltung müsse wohl ein Sonderetat aufgelegt werden. "Wenn wir uns das wieder leisten können, bin ich dafür."

Andere Stadträte, wie Charlotte Konrad, Christine Graupner und Dietmar Heller, sprachen sich klar für das Großevent für junge Leute aus. Konrad, die die Höhe der Kosten anzweifelte: "Wir sollten schauen, was machbar ist." Ein Beschluss wurde nicht gefasst.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © pa

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