Türkischer Tee und bunte Kacheln

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
In der Koranschule, die Yusuf Imrenk (rechts) den Gästen zeigt, befindet sich auch der Gebetsraum der Frauen.

Waldkraiburg - Kopftuchverbot und islamische Bestattungen: Großes Interesse am religiösen Leben der Waldkraiburger Muslime zeigten die Teilnehmer der Führung durch die Sultan-Ahmet-Moschee in der Reichenberger Straße.

Nur wenige waren allerdings zu der Veranstaltung der Volkshochschule gekommen, um Fragen an Imam Halil Basari und die Vorstände des türkisch-islamischen Kulturvereins "Ditib" zu stellen.

Zur Begrüßung servierten die Vereinsvorstände den Gästen im Aufenthaltsraum der Sultan-Ahmet-Moschee türkischen Tee. Anschließend führte Yusuf Imrenk, Zweiter Vorstand des Kulturvereins, sie in den großen Gebetsraum der Männer. Schon beim Ausziehen der Schuhe am Eingang fiel allen die digitale Gebetsanzeige mit den fünf verschiedenen Uhrzeiten auf. "Unsere Gebetszeiten richten sich nach dem Stand der Sonne. Deshalb ändern sie sich ständig", erklärte Vorstandsmitglied Faruk Özcan. Für zu Hause gibt es auch kleine Taschenkalender zum Nachschlagen der aktuellen Zeiten.

Die orientalischen Kacheln des Gebetsraumes in Blau, Weiß und Rot mit Blumenornamenten und großen Schriftzeichen begeisterten die Besucher. "Solche Fliesen muss man allerdings in der Türkei bestellen. Die gibt es hier nicht", meinte Imrenk zu einer Teilnehmerin, die sich besonders für die Herkunft der schönen Kacheln interessierte.

Während die Männer und Frauen mit Blick nach Mekka gemütlich auf dem blau-goldenen Gebetsteppich saßen, erklärte er ihnen die Grundsätze des muslimischen Glaubens sowie den Aufbau des Gebetsraumes mit Vortragskanzel, Gebetsnische des Imam, Predigtkanzel und Gebetsrufergalerie. Imam Halil Basari, der aus der Türkei kommt und für fünf Jahre der islamischen Gemeinde in Waldkraiburg vorsteht, beantwortete immer wieder Fragen.

Ein Teilnehmer der Moscheebesichtigung wunderte sich, warum in deutschen Schulen einige muslimische Mädchen Kopftücher tragen, in der Türkei aber kein einziges. Bisher gebe es in türkischen Schulen ein Kopftuchverbot. Die Abschaffung der Regelung stehe aber bevor, so der Imam. "Das sind aber politische Fragen, die in einer Moschee keine Rolle spielen dürfen", ergänzt Imrenk. "Sonst endet ein Gebet im Chaos und die Konzentration auf Gott geht verloren."

Auch die Einrichtung eines islamischen Gräberfeldes auf dem Waldfriedhof beschäftigte die Gruppe. "Kann man dort ohne Sarg beerdigt werden?", wollte ein Mann wissen. Özcan klärte die Gäste darüber auf, dass die Toten zwar in Richtung Mekka und in einem eigenen islamischen Bereich, jedoch in einem normalen Sarg bestattet werden. Eine Beerdigung im Leichentuch ist nicht möglich.

Schließlich besichtigten die Besucher noch den Herrenwaschraum im Keller der Moschee. Yusuf Imrenk führte das Waschritual vor, bei dem vor jedem Gebet Gesicht, Arme und Füße gereinigt werden. Im Frauengebetsraum wunderten sich einige über den Fernseher. Dieser wird zur Übertragung der Gebete vom Männerraum genutzt. An den meisten Tagen beten männliche und weibliche Gläubige getrennt, um sich ganz auf Gott zu besinnen, wie es hieß.

bea/Waldkraiburger Nachrichten

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser