Wrestling: Der "Titan" hatte keine Chance

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Titan und Chris Colen im Ring (Bild links) - Miguel Ramirez und Travis Impact zeigen einen tollen Kampf (Bild rechts). So erlebten die begeisterten Zuschauer einen unterhaltsamen Abend in der Schenkerhalle.

Waldkraiburg - Zum zehnjährigen Jubiläum bot die Wrestling Foundation Waldkraiburg (WFW) dem Publikum ein ganz besonderes Event.

Michael Kovac, Trainer des österreichischen Profi-Wrestlers Chris Colen kürt Jonnie McRockfort zum Sieger.

Insgesamt sechs Kämpfe wurden in der Schenkerhalle ausgetragen. Organisator Rupert Häuslaigner stieg gegen den österreichischen Profi Chris Colen in den Ring. Wenn es um Wrestling geht, denken viele zunächst an dreckige Turnhallen und maskierte Brutalos, die sich gegenseitig durch den Ring schleudern. Im Zuschauerraum erfreuen sich schmierige Typen an den gewalttätigen Szenen, so die landläufige Meinung. Beim Betreten der Schenkerhalle fallen zunächst die zahlreichen Familien mit Kindern im Publikum auf. Auch die übrigen Besucher wirken eher harmlos. Die meisten von ihnen sind wohl zwischen 18 und 25 Jahre alt.

Der erste Wrestler, den Sprecher Dean Vizec in den Ring ruft, ist Travis Impact aus Ulm. Das Licht in der Halle wird gedämpft. Dann tritt ein junger Mann mit goldener Glitzerhose und einer Maske mit langer Mähne in den Farben schwarz, weiß und rot, hinter dem Umkleidevorhang heraus. Er dreht eine Runde um den Ring und klatscht bei den Fans in Reihe eins ab, bevor er zwischen den Seilen in den Wrestlingring klettert.

Dass sein Gegner Miguel Ramirez tatsächlich aus Tijuana in Mexiko stammt, wie Vizec behauptet, darf wohl bezweifelt werden. Dennoch liefert er bereits beim Einlaufen eine beeindruckende Show ab. In einer Ecke des Rings springt er auf die Seile und lässt sich dort vom Publikum feiern.

Der Kampf beginnt. Nach einigen Schlägen auf die Brust und ins Gesicht folgen Fußtritte. Miguel Ramirez springt auf den Rücken des Gegners. Der wirft ihn zur Seite ab und die beiden ringen unter lautem Stöhnen am Boden weiter.

Das Ziel, die Schulter des Gegners drei Sekunden auf die Matte zu drücken, erreicht keiner der Sportler. Die Runde endet mit einer Disqualifikation. Miguel Ramirez nahm unerlaubterweise einen Klappstuhl zu Hilfe.

Es folgen drei Kämpfe ohne Masken, aber mit spannenden Szenen im Ring. Das Publikum nutzt diese Runden um sich warm zu schreien. Jeder Schlag wird von Jubeln oder "Buuh"-Rufen begleitet.

Schnell haben die Zuschauer ihre Lieblinge gefunden. Die Gegner werden wahlweise als "Luschen" oder "Versager" beschimpft. Vor dem fünften Durchgang ist die Stimmung in der Schenkerhalle auf dem Siedepunkt.

Rupert Häuslaigner vom WFW alias "Titan" tritt gegen "The Austrian Wolverine" Chris Colen an. "Das ist die größte Ehre überhaupt, gegen einen Profi wresteln zu dürfen", erklärt er. Für den Kampf hat er viermal pro Woche im Fitnessstudio trainiert und seine Ernährung umgestellt. "100 Prozent Motivation kommen natürlich auch dazu", so Titan. Als sich die Wrestler im Ring gegenüber stehen, fällt schnell auf, dass Colen den Lokalmatador nicht nur um mehr als einen Kopf überragt, sondern auch doppelt so muskulös ist.

Obwohl alle Zuschauer Titan anfeuern, wirkt er chancenlos. Colen schleudert ihn mehrmals in die Seile und auf den Boden, bevor er ihn aus dem Ring zerrt und auf die Tribüne wirft. "Weg, alle weg", brüllt der Profi ins Publikum. Die erschrockenen Zuschauer flüchten von ihren Plätzen. Häuslaigner zeigt zwar noch einige gute Aktionen, muss sich dem österreichischen Profi jedoch geschlagen geben.

Am Ende des Abends wird der WFW-Schwergewichtstitel vergeben. Jonnie Mc- Rockfort, der Herausforderer, ist hochmotiviert, als er im schwarzen Schottenrock in den Ring steigt. Die Unterstützung des Publikums hat er sich bereits im Vorfeld zugesichert. Es folgt eine spannende Auseinandersetzung über mehrere Runden. Titelverteidiger Maximus, der mit weißer Latexhose mit roten Sternen antritt, wendet unfaire Methoden an. Nach einer Mehlattacke auf Rockfort, die der Ringrichter nicht sehen wollte, soll er bereits zum Sieger gekürt werden. Michael Kovac, Trainer von Chris Colen und Punkterichter, verhindert dies in letzter Sekunde. Der Kampf wird fortgesetzt und Jonnie McRockfort kann den Gürtel doch noch für sich gewinnen.

So geht ein unterhaltsamer Wrestling-Abend zu Ende. Profi-Trainer Kovac gefiel es in Waldkraiburg genauso gut wie dem Publikum. "Ein oder zwei Talente könnten es noch ganz weit bringen", prophezeit er.

bea/Mühldorfer-Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser