"Philosophisch statt gotteslästerlich"

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Phidipides (Willi Kaap) vor bunten Landschaften. Die Kulissen zimmerte die Gruppe selbst.

Waldkraiburg - Die Premiere rückt näher. Am 25. April steht die junge Theatergruppe "Stadttheater Waldkraiburg" mit Woody Allens Komödie "Gott" zum ersten Mal auf der Bühne.

Die Darsteller sind mit Feuereifer dabei und Regisseur Armin Stockerer will Gerüchten die Grundlage entziehen. "Das Stück ist nicht gotteslästerlich, sondern philosophisch." Zeit für einen Besuch bei der Probe.

Wer Woody Allen kennt, weiß, in seinen Werken geht's skurril zu. Und selbstironisch. Das Theaterstück "Gott" ist eine Persiflage auf das Theater an sich und seine Theatermittel. Eines der bekanntesten Zitate aus Gott lautet "Wer ein gutes Stück schreiben will, sollte sich einen starken Schluss suchen und dann nach vorn schreiben."

Gesungen und getanzt wird auch: hier im Vordergrund Sophia Meindl.

Und darum geht es im Grunde auch in der Handlung, die in der Antike spielt. Ein Autor möchte zusammen mit einem Schauspieler ein Theaterstück schreiben, das bei einem Dramatiker-Festival zur Aufführung gebracht werden soll. Auf Teufel komm raus will ihnen kein guter Schluss einfallen. Während des kreativen Prozesses tauchen verschiedene Helfer auf. Am Ende schreibt der Autor es so: Sklave Phidipides (Willi Kaap) soll zur Königin eine Botschaft bringen und diese lautet "Gott ist tot".

Die Komödie aus dem Jahr 1977 ist ein "Spiel-im-Spiel-Stück" und auch für ein größeres Ensemble geeignet. Regisseur und künstlerischer Leiter Armin Stockerer und Hansjörg Malonek vom Haus der Kultur, die die Theatergruppe gemeinsam ins Leben riefen und sich unterschiedliche Aufgaben teilen, hatten letztendlich zehn Darsteller, die alle eine Sprechrolle bekamen. Christa Wanner bringt sich als Regie-Assistentin ein. Ernsthaft geprobt wird seit September.

Früh wurden Gerüchte laut, es handle sich um ein gotteslästerliches Stück. Dem widerspricht der professionelle Regisseur Stockerer aus Mühldorf vehement. "Es ist nicht gotteslästerlich, sondern philosophisch." Es handle sich um eine skurrile Komödie, in der man sich selbst auf die Schippe nehme.

Gibt es Gott?

Hält die Zügel in der Hand: Regisseur Armin Stockerer (links). Gitti Köllhofer (rechts) ist "laufend tot".

Dass Gott tot sei, damit hat sich schon Friedrich Nietzsche beschäftigt. Er gilt als Wegbereiter des Existentialismus. Die Idee des Existentialismus ist, dass der Wille des Menschen frei sei und der Wert der Existenz in der Aktion zum Vorschein komme (Anm. d. Red.). Nietzsches Auffassung war, dass die christliche Gesellschaft inzwischen marode geworden war und die christliche Moral erst die Sünden geschaffen habe. Soweit zur Geschichte der Philosophie.

Die Frage, ob es einen Gott gibt, oder nicht, hat sich auch Woody Allen immer wieder gestellt. Dass er zu keinem rechten Schluss gekommen ist, ist bei einem ewigen Skeptiker wie ihm nicht weiter verwunderlich.

Der Zuschauer darf sich das auch bei Stockerers Inszenierung fragen. "Wer Humor hat und sich unterhalten lassen will, kommt bei uns auf seine Kosten", so der Regisseur. Denn "Gott" ist komödiantisch und bissig. Aus der Skurrilität heraus ergeben sich liebevolle Details, die viel Platz für Lokalkolorit bieten, so der Theater-Profi. Die amerikanischen Bezüge und Anekdoten werden durch typisch Bayerisches ersetzt. Eingebaut wurden auch bekannte Lieder, es wird gesungen und getanzt.

Die Kulissen sind einfach gehalten: Dia-Projektionen mit der Akropolis im Asterix-Stil, weiße Würfel und kleine Landschaften, Wolken und Sonne auf Sperrholzschildern - selbstgebaut natürlich.

Als Mühldorfer sei Stockerer "fasziniert vom Haus der Kultur". Es sei wunderschön und biete tolle Möglichkeiten. Er sieht eine Brücke, die die Kultur hier zwischen Mühldorf und Waldkraiburg schlage. "Ich freue mich, dass ich in Waldkraiburg sowas machen darf."

Premiere ist am 25. April um 20 Uhr

Gitti Köllhofer ist "laufend tot".

Noch wird fleißig geprobt, an den Anschlüssen und der Aussprache gefeilt, ebenso am Sprachrhythmus. Die Gruppe macht einen "Italiener". Dabei sitzen alle im Stuhlkreis und proben nur den Text. "Das ist Theater ohne Szene und geht prima auch beim Schwammerlsuchen, etwa mit der ,Kleine Prinz'", erklärt Armin Stockerer gut gelaunt.

Willi Kaap, der den Sklaven Phidipides mimt, trinkt einen Schluck Milch zwischendurch und weigert sich sein Textbuch zu konsultieren, obwohl er hie und da noch Texthänger hat. So wie es eben bei einer Theaterprobe zugeht. "Souffleuse" Eva Stocker streicht mit bunten Stiften in ihrem Text herum und Annegret Weinbauer etwa lernt relativ akzentfrei zu sprechen.

Ernst wird es am Mittwoch, 25. April, um 20 Uhr. Da ist im Kleinen Saal im Haus der Kultur Premiere. Weitere Vorstellungen: Freitag, 27. April, Samstag, 28. April und Montag, 30. April jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 08638/959312.

Die Gruppe will übrigens keine Eintagsfliege auf den Theaterbrettern bleiben und hat schon Pläne für das nächste Jahr. Eine "ernsthafte Komödie" mit Anfang, Mitte und Schluss soll es werden. Mehr wird noch nicht verraten.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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