Stadtführung auf den Pfaden der Geschichte

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Mit Willi Engelmann (links) auf Spurensuche. Er führte 15 Interessierte bei einer Stadtführung durch Waldkraiburg und zeigte etwas andere Blickwinkel auf.

Waldkraiburg - Warum heißt der Ölberg eigentlich "Ölberg"? Diese und andere spannende Fragen zur Geschichte Waldkraiburgs klärte Apotheker Willi Engelmann bei einer Stadtführung der anderen Art.

Franz Freigang schmunzelt: "Eigentlich kenn ich ja eh schon alles auswendig." Trotzdem ist er einer von insgesamt 15 Interessierten, die sich Willi Engelmann anschlossen; nämlich, um den etwas anderen Blick auf die Stadt Waldkraiburg zu bekommen.

Vom Militärforscher, der selbst als Zwangssoldat im Zweiten Weltkrieg im Einsatz war bis zum Berufspendler aus Mönchengladbach reichte die bunt zusammengewürfelte Gruppe, die sich an diesem sonnig warmen Samstagnachmittag auf die Spuren der Stadt begab.

Den Beginn der kleinen Zeitreise sollte der alte Bahnhof bilden, und so führte der Weg zunächst ins Stadtmuseum. 1976 wurde der "Bahnhof Kraiburg" fertiggestellt. Er war der Grundstein für die Entwicklung der Stadt. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde die Region wegen des tarnenden Waldes, ausreichendem Kies- und Wasservorkommen und nicht zuletzt wegen des besagten Bahnanschlusses 1934 als idealer Standort für die Pulverproduktion ausgemacht. Ab 1940 wurde dann unter der DSC, der Deutschen Sprengchemie, die Produktion aufgenommen.

An den Bombenangriff auf das Werk vom 11. April 1945 kann sich ein Teilnehmer der Führung noch genau erinnern. "Ich war damals noch ein Schulbub und hab gerade meine Hausaufgaben gemacht. Wir wohnten acht Kilometer entfernt, doch die Explosion war so stark, dass es sogar bei uns die Fenster eingedrückt hat", schildert der Mann aus Zangberg seine Erlebnisse.

Die eigenen Erinnerungen und Eindrücke waren es, die diese Stadtführung zu etwas Besonderem machten. So fühlten sich einige wohl in ihre Jugend zurückversetzt, als sie alte Originalstücke des ersten Kinos der Stadt - der Scala - sahen; oder die kleine Ausstellung von Peter Maffay, der neben Dieter Vogel, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Thyssen-Krupp, ein berühmt gewordener Sohn Waldkraiburgs ist.

Andere Teilnehmer der Stadtführung haben ihre eigene Verbindung zur Stadt durch die Flüchtlingsströme, die seit März 1946 vor allem aus Sudetendeutschland in Waldkraiburg ankamen und dort eine neue Heimat fanden.

"Waldkraiburg war immer eine offene Stadt und das ist ja das Schöne an Waldkraiburg", stellt Engelmann fest. Heute leben laut Stadtverwaltung insgesamt 24105 Menschen aus etwa 70 verschiedenen Nationen in Waldkraiburg. So auch Franz Freigang, der vor 20 Jahren mit seiner Frau aus Tschechien hierher kam, um seinen Vater zu pflegen. Er blieb bis heute in der Stadt im Grünen, die die schönste sei, die er kenne. Er liebt auch die tschechischen Straßennamen, die ihn an seine Heimat erinnern. In Teplitz - hier gibt es die Teplitzer Straße - war er zum Beispiel als Lehrjunge.

Die weitere Stadtführung führte über Teile des Wegs der Geschichte, vorbei am ehemaligen Feuerwehrturm an der Kreuzung Berliner Straße/Braunauer Straße, über den Stadtplatz, vorbei am Kalander bis hin zum Bunker 29, dessen Tore für einen kurzen Einblick geöffnet wurden.

Danach gings weiter zum "schönsten Stadtpark", den Engelmann von einer Mittelstadt wie Waldkraiburg kenne.

Hier sollte auch die spannende Frage geklärt werden, warum der Ölberg hinterm Pavillon im Stadtpark denn nun "Ölberg" heißt. Die Antwort liegt in der noch jungen Geschichte Waldkraiburgs. Auf den Bergen, von denen im Stadtpark noch welche zu sehen sind, wurde zu Zeiten der Deutschen Sprengchemie durch chemische Umwandlungs- und Mischungsprozesse aus Glycerin Sprengöl gewonnen, das in den Bunkern schließlich geknetet und in verschiedene Pulverformen gebracht wurde.

Den Schlusspunkt der Stadtführung setzte der "alte Waldkraiburger", wie Engelmann sich selbst nennt, an der Christkönigkirche, wo er selbst zehn Jahre lang ministriert hat. 1964 eingeweiht sei sie ein zugleich moderner und meditativer Ort.

"Mal etwas anderes", resümierten die Teilnehmer nach etwa zweieinhalb Stunden Zeitreise zufrieden. Während die sich die einen an die ein oder andere Jugendsünde zurück erinnert fühlten, lernten die anderen die Stadt vielleicht ein bisschen besser kennen und lieben.

So auch Robert Pawlick, der aus beruflichen Gründen oft aus Mönchengladbach nach Waldkraiburg pendelt und das Essen, die Leute und vor allem die gute Luft in der Region zu schätzen weiß, auch wenn ihm hier im Vergleich zu seiner Heimat "etwas zu wenig los" ist. Und selbst wenn man seine Stadt schon in- und auswendig kennt, gibt es doch immer wieder etwas zu entdecken.

sad/Waldkraiburger Nachrichten

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