Satte Gewinne bei Autozulieferer

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Neuer Geschäftsführer der SGF: Ernst F. Hahn

Waldkraiburg - Der Automobilzulieferer Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik profitiert kräftigt vom Boom der Branche -mit Umsatzzahlen wie vor der Krise.

Die Talsohle wurde im Jahr 2009 erreicht. Der Jahresumsatz sank auf unter 70 Millionen Euro. Nicht nur Kurzarbeit wurde notwendig, fast 90 Stellen fielen weg. Schon ein Jahr später war die Welt eine andere: Der Umsatz schoss auf 91,2 Millionen Euro nach oben und übertraf damit sogar die Marke von 2007 (90,3 Millionen). Für das laufende Jahr erwartet Ernst F. Hahn ein weiteres Umsatzwachstum von "mindestens fünf Prozent".

Die Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik profitiert von den hervorragenden Verkaufszahlen von BMW, Mercedes und VW, den drei Kunden, die etwa drei Viertel des Umsatzes ausmachen. In Modellen mit Heck- oder Allradantrieb dieser Autobauer sind in der Regel SGF-Komponenten verbaut.

Unter guten Rahmenbedingungen kann die SGF zeigen, was in ihr steckt. Das Unternehmen habe eine hervorragende Substanz. Die Gesellschafter seien sehr aufgeschlossen, die Mitarbeiter "hochgradig motiviert und kompetent", sagt Hahn. Im November 2010 kam der Maschinenbau-Ingenieur als Interims-Geschäftsführer nach Waldkraiburg. Der Manager, der als Geschäftsführer und in weiteren leitenden Positionen unter anderen bei der Fichtel & Sachs AG, der Porsche AG (PES GmbH), Recaro GmbH und Geigertechnik GmbH tätig war, hatte sich 2009 mit 60 Jahren selbstständig gemacht, um nur noch "zum Spaß zu arbeiten". Als Berater für Firmen in den neuen Bundesländern war er tätig.

Die SGF gab sich seit seinem Einstieg ein neues Leitbild und neue Strukturen an der Spitze des Unternehmens. Und Ernst Hahn wurde "rückfällig", wie er sagt. Seit Anfang Oktober ist er offiziell als Geschäftsführer angestellt.

Mit dem Aufschwung stieg die Zahl der festangestellten Mitarbeiter (inklusive Azubis und Halbtagskräften) wieder an, auf derzeit 570 in Waldkraiburg und in Kraiburg. Dazu kommen gut 50 Leiharbeiter. Eine Reihe von Leasingkräften habe die Firma übernommen, so Hahn.

Symptomatisch für die aktuelle erfolgreiche Entwicklung ist der Monat August, wegen der Werksferien der großen Autobauer in der Regel ein ruhiger Monat. Heuer ist der August "umsatzstärkster Monat in der Geschichte des Unternehmens".

Die positive Entwicklung schreibt der Geschäftsführer nicht zuletzt der großen Flexibilität der Arbeitnehmer zu. Mitarbeiter haben ihren Urlaub verschoben, Lücken seien kurzzeitig durch Ferienarbeiter und 400-Euro-Kräfte geschlossen worden. Seit 2010 werden Sonderschichten gefahren, auch am Wochenende gearbeitet. Der Betriebsrat sei sehr kooperativ. "Das Engagement der Belegschaft ist gigantisch", zum Teil am Rande des physisch Möglichen.

Konkrete Anzeichen für einen Rückgang oder gar Einbruch der Nachfrage sieht Hahn derzeit nicht, obwohl viel über die nächste Krise geredet wird. Beim Personalaufbau ist das Unternehmen dennoch mit Vorsicht vorgegangen. Die SGF sucht aber weiter Fachkräfte, überwiegend Ingenieure, zum Teil auch Techniker und qualifizierte Fachleute in Richtung Werkzeugbau. Der Aufwand an Entwicklungsarbeit sei deutlich gestiegen. Dies rührt zum einen von der Elektrifizierung und Hybridisierung der Automobilbranche her. Elektroautos und Hybridfahrzeuge stellen andere Anforderungen an Gelenkscheiben als Verbrennungsantriebe.

Wie andere Unternehmen auch hat die SGF aus der Krise die Konsequenz gezogen, verstärkt nach neuen Anwendungsfeldern ihrer Technologie außerhalb der Automobilbranche zu suchen, etwa für Maschinen und Generatorenantriebe, die in den verschiedensten Bereichen vom Bergbau über Energiegewinnung bis hin zur Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Bislang sei dieser Bereich der Industrieanwendungen "nur mitgelaufen", so Hahn.

Auch ein Millionen-Projekt, das das Unternehmen wegen der Krise auf Eis gelegt hatte, ist nun wieder aktuell: der Neubau eines Verwaltungs- und Technologiezentrums, das alle Bereiche, die nicht zur Produktion gehören, in einem attraktiven und repräsentativen Komplex zusammenfasst, der zum Image einer Firma passt, die in ihrem Segment Weltmarktführer ist.

"Wir müssen diese Pläne zwangsläufig wieder aufgreifen", verweist der Geschäftsführer auf bestehende Platzprobleme, die dazu geführt haben, dass der Einkauf wieder in die Zeidler-Villa eingezogen ist. Das Projekt sei in der Diskussion, bestätigt er. Eine Entscheidung sei bislang aber nicht gefallen.

hg

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