Die sanfte Verwandlung

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Das Fassadenkonzept des ersten Preisträgers setzt auf die weitgehende Erhaltung der Optik, wie die Ansicht vom Stadtplatz aus beweist. 

Waldkraiburg - Waldkraiburger, die in diesen Tagen ins Rathaus kommen, erfahren dort, wie dieses Gebäude in einigen Jahren aussehen könnte.

Noch bis 20. November sind die Arbeiten der Preisträger und alle weiteren Entwürfe des Architekturwettbewerbs zur Fassadengestaltung im Foyer ausgestellt. Seit mehr als zehn Jahren ist die Sanierung des Rathauses, das bald 40 Jahre steht, Thema in Waldkraiburg. Über eine Million Euro wurden in erster Linie zur Verbesserung des Brandschutzes im Inneren des Gebäudes bereits ausgegeben. Und sogar über den Abriss und Neubau wurde diskutiert. "Dabei ist deutlich geworden, dass die Bürger doch an diesem Haus hängen", sagte Bürgermeister Siegfried Klika bei der Eröffnung der Ausstellung im Rathausfoyer.

Um einen zeitgemäßen Wärmeschutz für das Gebäude zu erreichen, hatte der Stadtrat beschlossen, auch die Fassade des Hauses zu erneuern. Damit sollte die Chance ergriffen werden, das Erscheinungsbild des Gebäudes zu erneuern und im Erdgeschoss zusätzliche Nutzflächen zu schaffen.

Zu diesen Vorgaben wurde im Realisierungswettbewerb ein energetisch und wirtschaftlich überzeugendes Fassadenkonzept gesucht. Zehn Architekturbüros waren zu dem Wettbewerb eingeladen worden. Sieben wurden in einem europaweiten Bewerbungsverfahren ermittelt, drei örtliche Büros waren gesetzt.

"Für uns Waldkraiburger war dieser Wettbewerb ein hoch emotionales Thema", sagte der Bürgermeister bei der Eröffnung. In den Diskussionen ist nach seinen Worten auch das Bewusstsein dafür gewachsen, dass das Gebäude städtebaulicher Ausdruck für eine ganz bestimmte Entwicklungsphase der Stadt, die Zeit des Baubooms der 60er- und 70er-Jahre, ist.

Dieser Gesichtspunkt hat offensichtlich auch bei den Beratungen der Jury eine wesentliche Rolle gespielt. Dies machte auch Professor Dr. Andreas Hild deutlich, unter dessen Vorsitz das Preisgericht im Sommer tagte. Die Ergebnisse bezeichnete der Architekt als "extrem qualitätvoll".

Bei der Eröffnung der Ausstellung (von rechts): Professor Dr. Andreas Hild, Vorsitzender des Preisgerichts, Thomas Straub, der zusammen mit seiner Kollegin Brigitte Tacke (links) den ersten Preis gewann, und Bürgermeister Siegfried Klika.

Den ersten Preis des Realisierungswettbewerbs erhielt ein Münchner Büro. Der Entwurf von Brigitte Tacke und Thomas Straub fand nach einem intensiven Diskussionsprozess einhellige Zustimmung bei den Juroren, weil er "am konsequentesten die Idee verfolgte, das Rathaus, so wie es heute in Erscheinung tritt, positiv zu werten". Die "sanfte Verwandlung des Rathauses" wurde laut Hild nicht zuletzt auch deshalb prämiert, weil ein "raffinierter bautechnischer Trick" die Preisrichter überzeugte. Eine Außendämmung hätte die Fassade völlig verändert, eine Innendämmung sei bauphysikalisch heikel. Straub und Tacke lösten die Problematik mit einer Hinterlüftung der Fassadenfertigteile mittels Kernbohrungen. Dies sei technisch machbar, so die Einschätzung der Fachleute.

In die engere Wahl nahm das Preisgericht aus Architekten sowie Vertretern des Stadtrates und der Verwaltung um Bürgermeister Klika drei weitere Vorschläge, die, wie Professor Hild betonte, "alle hätten ausgeführt werden können". Von ihnen und sämtlichen eingereichten Entwürfen können sich interessierte Bürger in der Ausstellung ein Bild machen.

Eine endgültige Entscheidung darüber, ob der Entwurf des ersten Preisträgers realisiert wird, ist mit der Entscheidung der Jury noch nicht getroffen. Sie bleibt dem Stadtrat vorbehalten.

Wann die Neugestaltung der Fassade realisiert wird, darauf konnte sich Bürgermeister Siegfried Klika noch nicht festlegen. Im kommenden Jahr will die Stadt die Sanierung der Tiefgarage unter dem Rathaus anpacken. Wenn die Haushaltssituation es zulässt, soll die Sanierung der Fassade 2011 folgen.

hg

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