Polizei "weint" beim Elferschießen

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Kein WM-Spiel versäumen will Johannes Singh. Sein Geschäft kann er nicht einfach zusperren, daher hat er einen Fernseher aufgehängt, um die Begegnung zwischen Deutschland und Argentinien nicht zu verpassen.

Waldkraiburg - Wenn Deutschland am Samstag um 16 Uhr gegen Argentinien bei der Fußball-WM antritt, kucken manche Fußballfans in die Röhre, weil sie arbeiten müssen. **WM-Special**

Die Polizei hofft, dass es nicht zum Elfmeterschießen kommt, sonst muss sie "weinen".

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"Wenn es ein Elfmeterschießen gibt, werden wir weinen", sagt stellvertretender PI-Leiter Markus Steinmaßl augenzwinkernd. Beim WM-Viertelfinale morgen, Deutschland gegen Argentinien, ist auch wieder großes Public Viewing im Festzelt am Volksfestplatz angesagt. Einige Polizisten werden das Zelt bestreifen. "Wenn es ruhig ist, kriegt man auch nebenbei einiges mit. Wir werden ein Auge auf das Spiel haben und ein Auge auf das Fan-Geschehen." Nun hofft Steinmaßl nur, dass sich das Spiel nicht erst kurz vor Schluss oder gar erst bei einem Elfmeterschießen entscheidet. Denn kurz vor Spielende wird sich ein Großteil der Beamten am Kreisverkehr platzieren und hoffen, dass sich auf dem südafrikanischen Rasen nicht mehr viel tut, denn das müssten sie im Streifenwagen im Radio verfolgen.

Auch am Samstagnachmittag arbeiten müssen Jennifer Meader und Marion Nussbaumer von der Bachmaier-Filiale. Sie tragen es mit Fassung.

Ebenfalls arbeiten müssen Jennifer Meader und Marion Nussbaumer aus der Bachmaier-Filiale im Kaufland und zwar bis 20 Uhr. Sie verkaufen passend zur WM einen "Deutschland-Becher" und "Deutschland-Schnitten" mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen sowie Lattenknaller und Fußballsemmeln. Recht viel mehr WM-Feeling werden die beiden Frauen am Samstag nicht abbekommen, weil sie das Spiel nicht sehen können. "Was wir mitbekommen ist der Torjubel, wenn der vom Festzelt rübertönt und wenn die Fans in der Halbzeit oder nach dem Spiel reinstürmen und sich Verpflegung holen", berichtet die 18-jährige Jennifer Meader. Ein kleiner Trost: im Backshop läuft das Radio, wenigstens die Tore bekommt Meader mit.

Ihre Kollegin Marion Nussbaumer (41) ist kein Fußball-Fan. "Es macht mir gar nichts aus, dass ich arbeiten muss, wenn Deutschland spielt. Dieser Samstag ist für mich ein ganz normaler Arbeitstag."

So sieht es auch Elena Berent. Die 30-Jährige arbeitet in der DM-Filiale direkt neben dem Festplatz. Der Fanjubel und auch die Fußball-Stimmung stören sie nicht. Aber Fußball schauen ist nicht ihr Ding und bisher habe sie auch nur die Endergebnisse mitbekommen.

Ganz anders Johannes Singh, Geschäftsführer vom Mode-Shop im Kaufland. Der 28-Jährige ist halb Deutscher, halb Inder. Warum die Inder so schlecht Fußball spielen, dass es nicht für die WM reicht? Schulterzucken. Er drückt ohnehin der Jogi-Elf die Daumen und hat einen Fernseher in seinem Laden aufgehängt, um auch die Spiele während der Arbeit sehen zu können. Auch die Angestellten dürfen mitschauen. Sein Tipp: 2 zu 1 für Deutschland. "Die Deutschen spielten bisher fast souverän, nur das Spiel gegen die Serben haben sie zu leicht genommen", findet Singh. Die Leistung sei da, ein Sieg sei also drin. Bei den WM-Spielen trägt er spezielle "Glücks-Klamotten".

Geschlossen bleibt das Cinewood-Kinocenter morgen während des Deutschlandspiels. "Alle Leute sind irgendwo beim WM schauen, nur nicht im Kino. Und wer nicht Fußball schaut, ist im Freibad", berichtet Kinobetreiberin Elfriede Schnepf. Bei der WM 2006 wurde das ebenso praktiziert. So könne auch das Kino-Personal Fußball schauen, sagt Schnepf.

Er hat nichts von den Fußballfreuden: Bademeister Christian Tahedl. Denn er schiebt Dienst, wenn die deutschen Jungs in Kapstadt (hoffentlich Argentinien weg) kicken; außerdem findet auch das Waldbadfest statt. "Die Augen sind immer aufs Wasser gerichtet", erklärt sein Kollege Michael Spierling, nebenbei Fußball schauen ist also nicht drin. Das Radio aber läuft. "Wenn ein Tor fällt, sagen wir das über die Lautsprecheranlage für unsere Badegäste durch."

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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