Pfarrei Christkönig hat keine Wahl

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Waldkraiburger Christkönig-Kirche.

Waldkraiburg - Wenn am 6./7. März die katholischen Christen zur Pfarrgemeinderatswahl aufgerufen sind, hat die Pfarrei Christkönig keine Wahl. In einer der größten Pfarreien der Erzdiözese München gibt es zu wenig Kandidaten.

Mindestens acht wären für eine ordnungsgemäße Wahl nötig gewesen, nur sieben erklärten sich bereit. Dies bestätigt auf Anfrage Jochen Fischer. Der Altbürgermeister ist Vorsitzender des Wahlausschusses, der die Wahl vorbereitet.

Mit etwas mehr als 10.000 Gläubigen zählt Christkönig zu den größten Gemeinden in der Erzdiözese. Eigentlich sieht das Statut für eine Pfarrei dieser Größe die Wahl von mindestens zehn Pfarrgemeinderäten vor. Das noch amtierende Gremium hatte aber bereits beschlossen, diese Zahl auf acht zu reduzieren. Diese Möglichkeit wird in den Regularien ausdrücklich eingeräumt.

Tatsächlich hatte der Wahlausschuss laut Fischer durch intensive Bemühungen zunächst acht Kandidaten werben können. Eine Wahl, die den Charakter einer Bestätigung hätte, wäre demnach möglich gewesen. Doch dann zog ein Bewerber kurzfristig zurück und die Wahl war geplatzt.

Warum ist es so schwierig, Laien für die Mitarbeit im Pfarrgemeinderat zu gewinnen? Familiäre Gründe, berufliche Belastung wurden immer wieder als Gründe genannt. "Und viele Leute, die man fragt, haben alle schon Ehrenämter und nicht zu wenig", sagt Jochen Fischer.

In den anderen Gemeinden des Pfarrverbandes Waldkraiburg wird gewählt. In Maria Schutz stellen sich zwölf Kandidaten zur Wahl, in Pürten/St. Erasmus sind es elf. Noch ist die Absage einer Pfarrgemeinderatswahl nicht die Regel, sondern die große Ausnahme in der Erzdiözese. Zur Situation 2010 hat Adelheid Utters-Adam von der Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats keine aktuellen Zahlen. Für 2006 stellt sie fest: Nur in vier von rund 750 Pfarreien in der Diözese gab es keine Wahl.

"Ein Phänomen der Zeit"

Trotz dieser Tatsache sieht Edith Tischler die großen Schwierigkeiten, einen Pfarrgemeinderat auf die Beine zu stellen, als "ein Phänomen der Zeit" an. Tischler, die zusammen mit Inge Schauberger und Monika Klebl-Piehl das Führungsgremium des bisherigen Pfarrgemeinderates bildet: "Für zeitlich überschaubare Projekte kann man jemanden gewinnen. Für eine Amtszeit von vier Jahren wollen sich nur sehr wenige verpflichten."

Auch aus dem bestehenden Gremium hat sich keiner der zehn Pfarrgemeinderäte, beziehungsweise -rätinnen für eine weitere Amtszeit zur Verfügung gestellt. "Aus persönlichen und familiären Gründen", wie Tischler erklärt. Die einen geben Altersgründe an, Jüngeren werde die Doppel-, Drei- und Vierfachbelastung, durch Beruf, Kinder, Haushalt und Ehrenamt zu viel.

Kein Grund dafür sei, dass die Arbeit im Pfarrgemeinderat unbefriedigend wäre oder es Probleme mit Pfarrer Martin Garmaier gegeben habe, betont Edith Tischler im Namen des Führungsteams und macht gewissermaßen noch einmal Werbung für den Pfarrgemeinderat: "Wir waren ein Pfarrgemeinderat, der unwahrscheinlich gut und mit viel Freude zusammengearbeitet hat. Wir treffen uns auch in Zukunft weiter."

Auch Pfarrer Garmaier bedauert, dass es in Christkönig vorläufig keinen Pfarrgemeinderat mehr gibt. In diesen Gremien, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingerichtet wurden, sollten Laien als Getaufte und Gefirmte ihren Stellenwert bekommen, Verantwortung für die Kirche mit übernehmen und das Leben in den Gemeinden aktiv mitgestalten. "Dieses Mitdenken und Mitgestalten wird fehlen", so Garmaier, abgesehen davon, dass die Pfarrei kein stimmberechtigtes Mitglied im Pfarrverbandsrat stellen kann und Veranstaltungen wie etwa das Pfarrfest in Frage stehen.

Die geplatzte Pfarrgemeinderatswahl ist laut Adelheid Utters-Adam auch ein Thema für das zuständige Seelsorgeteam für die Region und den Diözesanrat. "Man wird nach den Gründen fragen und Möglichkeiten suchen, den Pfarrgemeinderat wieder zu beleben."

Darum geht es auch in einer Pfarrversammlung, die am Dienstag, 23. März, im Pfarrsaal stattfindet. Pfarrer Martin Garmaier kündigt sie im aktuellen Pfarrverbandsbrief an. Wie in den Gottesdiensten so werden die Gläubigen auch im Gemeindebrief über die neue Situation informiert.

Pfarrversammlung am 23. März

Am 23. März soll laut Garmaier unter anderem über den Vorschlag diskutiert werden, einen Beirat zu bilden, um die sieben Kandidaten und andere Interessierte in die Mitarbeit in der Pfarrei einzubinden. Vielleicht, so die Hoffnung, kann auf diesem Weg eine Wahl zu einem späteren Zeitpunkt, etwa in einem Jahr, vorbereitet werden.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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