Ochsen zogen Brautauto aus dem Schnee

  • schließen
  • Weitere
    schließen
OVB
+
Wie vor 60 Jahren reichten sich Jakob und Franziska Roß auch bei ihrer "Diamantenen" die Hände und Pater Josef Stemmer segnete das Jubelpaar.

Waldkraiburg-Hausing - Sehr viel Schnee lag vor 60 Jahren, als sich Franziska und Jakob Roß das Ja-Wort gaben. Mit ein bisschen weniger weißer Pracht feierten die zwei diamantene Hochzeit.

Der Jubeltag begann mit einem Dankgottesdienst, wie damals in der Kirche von St. Erasmus. Er wurde von Pater Josef Stemmer zelebriert und vom Taufkirchner Dreigesang mit der Inntal-Messe umrahmt.

Lange brauchte das Brautauto am 11. Februar 1952, bis es von Hausing nach Bichl bei Waldhausen, dem Heimatort der Braut, kam. "Außer dem Chauffeur war noch eine Begleitperson zum Ausschaufeln notwendig", erinnert sich der damalige Bräutigam.

Endlich in St. Erasmus angekommen, ging es aufs Standesamt beim "Wirt z' Trasen", der damals Bürgermeister war. Die kirchliche Trauung fand mit einiger Verspätung statt, manche Hochzeitsgäste trafen witterungsbedingt erst am Nachmittag ein. Nach der weltlichen Feier beim "Trasner Wirt" gestaltete sich auch die nächtliche Heimkehr des Brautpaares "etwas turbulent": Musste doch Bräutigam Jakob noch die Ochsen einspannen, um das im Schnee versunkene Brautauto heraus zu ziehen. Was mit einigen Hindernissen begann, hat sich jedoch gut bewährt. "Dasein für die Familie, viel Arbeit, das Zusammenhalten und Kraft schöpfen aus dem Glauben", damit meisterten sie auch Krankheiten und Schicksalsschläge in ihrem 60-jährigen Eheleben.

Jakob Roß wurde am 23. April 1925 in Hausing geboren und wuchs dort mit neun Geschwistern auf. Nach seiner Schulzeit in Jettenbach ging es zur Bauernarbeit nach Asbach, bis er 1943 in den Krieg ziehen musste. Er kam nach Italien und dort auch in Gefangenschaft. Seine drei Brüder sind im Krieg gefallen und so übernahm er als jüngster Sohn den elterlichen "Huaba-Hof".

Seine Frau Franziska, geborene Maier, kam am 15. Mai 1931 in Bichl bei Waldhausen auf die Welt und wuchs dort mit drei Geschwistern auf dem elterlichen Anwesen auf. Nach der Schule verrichtete sie ihren Dienst bei den Bauern.

Kennengelernt haben sich die beiden 1947 bei einer Hochzeit und sich immer wieder mal beim Tanzen getroffen, bis es 1951 dann "ernst geworden" ist. Franziska heiratete 1952 noch sehr jung auf den Hof von Jakob ein. Die glückliche Ehe war mit neun Kindern gesegnet, denen sie immer gute und fürsorgliche Eltern waren und sie unterstützten.

Entbehrungs- und arbeitsreich war das Leben auf dem Hof. Um seine Familie versorgen zu können, war Jakob Roß viele Jahre in einer Munitionsfabrik in Aschau tätig, was nach seinen Angaben eine anstrengende und gefährliche Arbeit war.

Im Jahr 1998 übergaben sie den Hof ihrem Sohn Anton, der die Landwirtschaft zusammen mit seiner Frau Angela weiterführt.

Ein schwerer Schicksalsschlag war für die Eheleute, als 2008 ihr Sohn Georg verstorben ist.

Jakob ist immer noch Bauer mit Leib und Seele, ist täglich bei der Stallarbeit dabei und unterstützt nach Kräften den Sohn auf dem Hof. Beim Krieger- und Soldatenverein sowie bei der Feuerwehr ist er langjähriges Mitglied.

Franziska gehört seit vielen Jahren dem Frauenbund an, hat im und um das Haus gerne Blumen, versorgt noch selbst den Haushalt und erfreut ihre große Familie mit ihren selbst gestrickten Socken.

So geht sie in ihrer Aufgabe als Oma auf. 22 Enkelkinder und vier Urenkel sind der große Stolz und die machten den Jubeltag zum schönen Erlebnis. Wie damals wurde auch diesmal beim "Wirt z' Trasen" gefeiert und auch Bürgermeister Siegfried Klika gratulierte zu ihrem Jubiläum.

bac/Mühldorfer-Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Live: Top-Artikel unserer Leser