Die Nachfolge braucht ein Konzept

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Auf dem Podium tauschten sich Markus Neuner, Anton Steinberger, Susanne König, Reinhard Frauscher, Stephan Mayer, Sascha Schnürer, Michael Schubert und Hans Demmelhuber zur Unternehmensnachfolge aus. Fotos

Waldkraiburg - Früher war es ganz normal, dass der Sohn den Betrieb des Vaters übernommen hat. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich.

Die Wirtschaftsjunioren stellten bei ihrem Unternehmersymposium den Generationswechsel im Mittelstand in den Mittelpunkt.

"Jeder zweite Unternehmer in Oberbayern über 6o Jahre hat noch keinen Nachfolger. Ein Drittel der 65-Jährigen fühlt sich noch zu jung für die Nachfolge." Das sagte der stellvertretende Geschäftsführer der IHK München und Oberbayern, Markus Neuner, bei dem Unternehmersymposium der Wirtschaftsjunioren.

"Der Generationswechsel im Mittelstand" lautet das Thema dieses Symposiums, mit dem die Wirtschaftsjunioren auf eine Problematik aufmerksam machen wollen, die in den nächsten Jahren vermehrt auf die mittelständischen Unternehmen der Region zukommen wird.

Neuner ist der Meinung, dass dadurch die Gefahr besteht, dass die Mittelstandsstruktur, die Deutschland auszeichnet, verlorengehen kann. Dabei machte er aber auch deutlich, dass ein großes Problem sei, den richtigen Nachfolger zur richtigen Zeit zu finden.

Mit Zahlen belegte er aber, dass es bei der Unternehmensnachfolge eigentlich ganz gut ausschaue. 47 Prozent dere Betriebe werden innerhalb derFamilie weitergegeben. Den Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen, dass es überwiegend die Söhne sind, die in die Fußstapfen des Firmenchefs treten. Die Töchter spielen hier noch eine sehr untergeordnete Rolle.

Allerdings zeigte er auch, dass etwa 16 Prozent der Betriebe aufgeben müssen, weil sie keinen geeigneten Nachfolger finden können.

Ausführlich stellte Neuner die Situation und Einflussfaktoren aufseiten des Seniorchefs dar, für den die Nachfolge natürlich eine große Zäsur im eigenen Betrieb bedeutet. Er muss plötzlich vom Inhaber in die Beraterrolle schlüpfen und dann irgendwann ganz loslassen.

Auf der anderen Seite steht der Betriebsübernehmer, der erst sein unternehmerisches Denken und Handeln unter Beweis stellen und aus dem Schatten des Vaters heraustreten muss.

Markus Neuner informierte über die Unternehmensnachfolge, Susanne König und Sascha Schnürer von den Wirtschaftsjunioren führten durch den Abend und Stephan Mayer hatte die Schirmherrschaft übernommen.

Daher empfahl Markus Neuner, ein richtiges Nachfolgekonzept zu erstellen, mit dem die Übergabe in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren für beide Seiten verträglich geregelt wird. Ausführlich ging Neuner auf mögliche Fallstricke auf dem Weg zur Übergabe ein, stellte aber auch die Vor- und Nachteile von Übernehmen oder Neugründen gegenüber. Abschließend stellte er auch Gründe für das Scheitern von Nachfolgeverhandlungen dar.

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer, der die Schirmherrschaft für dieses Unternehmersymposium übernommen hatte, zeigte sich in Sachen Mittelstand und Nachfolgeregelung in Deutschland zuversichtlich. Allerdings warnte er auch davor, dass das aktuelle Wirtschaftswachstum bereits 2013 abflauen könne und sowohl Unternehmer als auch die Politik vorbereitet sein müssten.

Susanne König

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion ging es dann auch in praktische Erfahrungen mit der Firmenübergabe. So berichtete Seniorchef Hans Demmelhuber, dass er erst geprüft habe, ob seine Kinder auch Unternehmertypen sind. Zudem hat er darauf geachtet, dass alle drei eine gute Ausbildung bekommen haben und zudem Erfahrungen in anderen Betrieben sammeln konnten. Ein Universalrezept hatte er auch parat: "Bei uns wird nicht gejammert."

Anton Steinberger, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Altötting-Mühldorf erzählte aus seinem Berufsalltag, dass die Unternehmensnachfolge sehr oft sehr gut funktioniere. Gleichzeitig sagte er, dass es natürlich auch hier einen Wandel gebe und nicht jeder Betrieb auch erhalten werden müsse.

Sascha Schnürer

Sascha Schnürer, der Vorstandssprecher der Wirtschaftsjunioren, meinte, dass es schwer werde, einen passenden Nachfolger zu finden, wenn die Kinder nicht in die Fußstapfen der Eltern treten. Deshalb empfahl Michael Schubert vom Landesverband der Wirtschaftsjunioren, den Nachwuchs so früh wie möglich in die Verantwortung zu nehmen. Dann kristallisiere sich auch sehr schnell die Unternehmertauglichkeit heraus.

Stephan Mayer

Aus Sicht des Finanziers meinte Reinhard Frauscher, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf, dass die meisten Betriebsübernahmen im Mittelstand "weitgehend geräuschlos" über die Bühne gehen. Er empfahl dem Firmenübernehmern, genügend Eigenkapital anzusammeln beziehungsweise die Verschuldung nur so hoch anzusetzen, dass die Tilgung auch leicht zu schultern sei.

Abschließend empfahl Anton Steinberger, Netzwerke zu bilden und kam damit auf die Wirtschaftsjunioren zurück, deren Netzwerk Sascha Schnürer bereits zu Beginn der Veranstaltung gelobt hatte.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

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