Mittelalterliche Kampfkunst als Freizeitsport

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Dustin Hoffmann (linkes Bild rechts) bei einer Unterweisung von Anfängern im mittelalterlichen Schwertkampf. Zuerst müssen sie gehen und stehen lernen, ehe sie mit bestimmten Grundschlägen und -haltungen arbeiten. Im rechten Bild: Sonja Goschy (rechts), die die organisatorischen Fäden des Vereins in der Hand hat, lehrt hier Beate Hohenadler einiges über Angriffs- und Verteidigungsstrategien mit dem Schwert.

Waldkraiburg - Metallisch klingt es eines abends auf dem Vorplatz der Beethovenschule: Hier trainiert die jüngste Sparte des VfL Waldkraiburg "Beyerlant - Mittelalterliche Kampfkunst".

Metallisch klingt es eines abends auf dem Vorplatz der Beethovenschule, wenn die Klingen von Schwertern aufeinander treffen, Schwert und Säbel gekreuzt werden. Etwas dumpfer ist das Geräusch, wenn Schwert und Stock oder Stock und Stock kraftvoll aufeinander schlagen.

Hier trainiert die jüngste VfL-Sparte "Beyerlant - Mittelalterliche Kampfkunst", die derzeit aus 22 Mitgliedern besteht, bei schönem Wetter im Freien - sonst in der Turnhalle. Den Mittelalterfans, die zum Teil mit ihren eigenen, teils mit vereinseigenen Waffen zu ihrem allwöchentlichen Treff donnerstags um 20 Uhr gekommen sind, geht es um die sportliche Seite der Kampfkunst. "Beyerlant" ist Mittelhochdeutsch und bedeutet "Bayern".

Während die einen erst in die Fechtkunst einsteigen, können andere bereits zeigen, worauf es grundsätzlich ankommt: "Wie bei anderen Kampfsportarten auch lernt man als erstes, wie man geht und steht", bringt es Sonja Goschy, die die organisatorischen Fäden des Vereins in ihren Händen hält, auf den Punkt.

"Wenn ich zu nah dran bin am Gegner, dann sind entweder meine Schläge wirkungslos oder der andere hat mich ganz schnell", erklärt der 26-jährige Vereinsvorstand Dustin Hoffmann. Er orientiert sich in seiner Fechtphilosophie und -praxis an Vorbildern wie dem über Jahrhunderte prägenden historischen Fechtmeister Johannes Liechtenauer und seinem heutigen Meister Volker Kunkel aus Hessen.

Schon die Fortgeschrittenen-Variante beim Fechttraining demonstrieren indessen Rainer Hohenadler, Experte im berittenen Bogenschießen, sowie der bühnenerfahrene Sebastian Obinger. Sie probieren die schwierigere, ungleiche Paarung von Schwert und Stock im Kampf aus. An anderer Stelle wirbeln zwei Damen - jede für sich - die über einen Meter lange Stöcke, Bos, mit immer größer werdender Geschwindigkeit in der Luft herum und lockern damit ihre Handgelenke. Neben den Stockkämpferinnen haben sich zwei jugendliche Anfänger in Position gebracht. Ihnen erteilt der erfahrene Hoffmann eine Lektion im sicheren, kontrollierten Umgang mit dem langen Schwert. Die hauptsächlich verwendeten Eineinhalbhänder sind aus Metall, aber auch Nylon und Karbon. Letztere eignen sich besonders für Einsteiger - wegen ihrer Biegsamkeit und das dadurch verringerte Verletzungsrisiko.

Zum vermittelten Grundwissen gehören verschiedene Schläge, ganz unabhängig von der Art der Waffe. Mindestens vier Grund- bzw. Ausgangsstellungen, sogenannte "Huten" mit fantasievollen Namen wie Ochs, Pflug, Alber, vom Tag, gehen die Kämpfer außerdem durch. Sie sind damit stets vor einem vermeintlichen Gegner "auf der Hut", erklärt Vorstand Hoffmann das gängige Sprichwort aus seiner Sicht.

So schulen die "Erben mittelalterlicher Kampfkunst" ihr Körpergefühl und die Koordination, verbessern Konzentration und Reaktionsfähigkeit. Schließlich stärkt das wiederum ihr Selbstbewusstsein und lässt sie gelassener mit Stress im Alltag umgehen.

Dennoch haben diese Vorzüge die Wenigsten zum Mitmachen im neuen Verein bewogen. "Das hier ist einfach Hollywood." Es mache was her und beim Ausprobieren stelle man fest, "dass die in Hollywood alle Trickser sind", bringt es Dustin Hoffmann, der im wirklichen Leben Betriebselektriker ist, auf einen Nenner.

Ihm und seinen Leuten liegt die Authentizität ihrer Auftritte bei Festivals, Theateraufführungen oder beim Film am Herzen, aber nicht als "Museumstruppe", also um jeden Preis. Sie kennen sich aus mit den Bedürfnissen ihres Publikums, wissen, dass es nun mal Ritter sehen wolle. Deshalb sind entsprechende "Gewandungen" im Entstehen.

kch/Waldkraiburger Anzeiger

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