Von Liebeskummer bis Drogenkonsum

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Jugendsozialarbeiterin Verena Brandl in ihrem Büro in der Diesel-Hauptschule. Auf der gemütlichen Couch - ein Geschenk von Waldkraiburgs Bürgermeister Siegfried Klika - lassen sich die Sorgen und Nöte der Schüler in einem entspannten Umfeld leichter besprechen.

Waldkraiburg (WN) - Die Zahl der auffälligen Schüler steigt nach wie vor. Lehrer haben aber nur beschränkte Möglichkeiten, hier zu helfen. Deshalb gibt es Jugendsozialarbeiter wie Verena Brandl an der Diesel-Hauptschule.

Wenn sie sich etwas wünschen könnte, dann, dass der Tag noch mehr Stunden hat. "Dann könnte ich allen Schülern gerecht werden", so Verena Brandl, die seit rund einem halben Jahr Jugendsozialarbeiterin an der Diesel- Hauptschule ist. Ihr Traumjob, wie die 29-jährige Diplom-Sozialpädagogin sagt. "Das ist genau das, was ich machen wollte", versichert die engagierte Mühldorferin.

Verena Brandl hat Erzieherin gelernt, an einer Berufsschule unterrichtet und an der Fachhochschule Sozialpädagogik studiert. Dort hat sie auch spezielle Kurse für die Jugendsozialarbeit belegt. Damit hatte sie optimale Voraussetzungen für die Stelle der Jugendsozialarbeiterin an der Diesel-Hauptschule. "Ich kann mich in die Arbeit der Lehrer hineinfühlen, weiß aber auch um die Befindlichkeiten der Schüler", so Verena Brandl.

Schüler, die Probleme im schulischen oder familären Bereich haben, können sich vertrauensvoll an sie wenden. "Die Bandbreite reicht von Mobbing durch Klassenkameraden über Schlägereien zur Konfliktlösung bis hin zu familiären Problemen", zeigt die Jugendsozialarbeiterin die vielfältigen Konflikte auf, bei denen sie um Hilfe gebeten wird. "Jeden Tag kommen ein paar Schüler, die mir ihre großen und kleinen Sorgen und Nöte erzählen". Wichtig ist, dass die Jugendsozialarbeiterin alle Anliegen ernst nimmt und vor allem vertraulich behandelt. Allerdings ist es oftmals sinnvoll, die Eltern zu informieren oder in der Klasse über das Problem eines Schülers, beispielsweise Mobbing, zu sprechen. Das geschieht aber in Absprache mit dem Betroffenen. "Wir erarbeiten miteinander eine Lösungsstrategie", so Verena Brandl.

Neben den Beratungsgesprächen ist Verena Brandl aber auch sehr viel in der Prävention aktiv. So bietet sie beispielsweise für die siebten und achten Klassen in Zusammenarbeit mit dem Jugendbeamten der Polizei, Harald Jungbauer, das Programm "Zsammgrauft" zur Gewaltprävention und das Projekt "Sauber bleiben" zur Suchtprävention an. In den fünften Klassen war sie zu Beginn des Schuljahres, um die Sozialkompetenz zu stärken und in den sechsten Klassen arbeitet sie zusammen mit Donum Vitae im Bereich der Sexualpädagogik.

Acht Schüler, die sich freiwillig gemeldet haben, werden noch bis Februar als Streitschlichter ausgebildet. "Sie sollen lernen, die Konflikte anderer Schüler zu schlichten. Natürlich ohne Gewalt oder Schimpfwörter", erklärt Verena Brandl.

Die engagierte Jugendsozialarbeiterin kann sich also über mangelnde Arbeit nicht beklagen.

Schulleiter Hans Wax ist sehr zufrieden mit Verena Brandl beziehungsweise der Jugendsozialarbeit. "Dadurch kann das Lehrerkollegium sehr viel entspannter arbeiten". Schüler, die durch Probleme auffällig werden, können auf kurzem Weg Kontakt zu Verena Brandl aufnehmen und so einen Weg aus ihrer persönlichen Krise finden. "Das hilft dem gesamten Klassenverband", so Wax. Bei Bedarf könne auch "die Sozialkompetenz in der Gruppe gestärkt werden". Zudem freut Wax sich über das gute Verhältnis des Lehrerkollegiums zu Verena Brandl. So können Probleme oft auf kurzem Wege angesprochen und gelöst werden.

Das ist genau der richtige Ansatz der Jugendsozialarbeit, ist Ursula Kamm, Teamleiterin der Jugendsozialarbeit im Landkreis überzeugt. Lehrer sind vorwiegend dazu da, ihren Unterricht zu halten. Die Jugendsozialarbeit soll ergänzend dazu wirken, wenn es soziale Probleme in der Schule oder der Familie gibt. Durch das breitgefächerte Angebot werde die Persönlichkeit der Schüler und ihre soziale Kompetenz gestärkt Dazu soll versucht werden, die Eltern frühzeitig einzubinden. "Wer Rat oder Hilfe braucht, muss nur in die Schule kommen", so Ursula Kamm. Damit ist die Hemmschwelle niedriger, das Beratungsangebot anzunehmen. Etwas, was Schulleiter Wax nur bestätigen kann. "Während man beim Autokauf oder der Geldanlage selbstverständlich die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nimmt, ist das bei persönlichen Problemen noch eher tabu", bedauert Ursula Kamm.

Seit dem Jahr 2007 gibt es eine Jugendsozialarbeiterin an der Dieselschule. Margarethe Schmölz übernahm damals halbtags diese Aufgabe. "Relativ schnell hat sich aber herausgestellt, dass bei der Größe der Schule eine Halbtagsstelle zu wenig ist", so Schulleiter Hans Wax. Deshalb wurde zum Juli 2009, als Verena Brandl die Nachfolge antrat, eine Vollzeitstelle geschaffen. Die Kosten teilen sich die Stadt Waldkraiburg, der Landkreis und das Sozialministerium.

Im Landkreis gibt es sieben Jugendsozialarbeiter, allerdings arbeiten sechs davon nur halbtags. "Damit sind alle Hauptschulen, bis auf Gars, versorgt", so Ursula Kamm.

Dass es derzeit Jugendsozialarbeiter nur an den Hauptschulen gibt, heißt im Übrigen nicht, dass sie nicht auch an anderen Schularten sinnvoll wären. "In allen Schularten gibt es Kinder, die ihr Päckchen zu tragen haben", so Verena Brandl.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

Zurück zur Übersicht: Region Waldkraiburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser