Das Kreuz mit dem Zukunftsforum

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War als eine von 126 Delegierten beim Zukunftsforum der Erzdiözese dabei: die Studentin Julia Dotzauer.

Waldkraiburg - "Bisher ist weniger erreicht worden als erhofft." Julia Dotzauer zieht ein Jahr nach dem Ende des Zukunftsforums eine ernüchternde Bilanz - so wie viele andere auch!

Wie viele andere Christen in der Erzdiözese zieht Julia Dotzauer mehr als ein Jahr nach dem Ende des so genannten Zukunftsforums eine ernüchternde Bilanz. Die 21-jährige Studentin war als eine von 126 Delegierten aus dem ganzen Bistum mitten drin im Dialogprozess um die Zukunft der katholischen Kirche in der Erzdiözese.

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Die junge Waldkraiburgerin stieß mit Verspätung zum Forum. Von der ersten Vollversammlung, an der sie nicht selbst teilnahm, erzählt sie folgende, bezeichnende Anekdote: Bei der Begrüßung seien alle Teilnehmer unter 30 Jahren aufgefordert worden, aufzustehen. Niemand erhob sich... Bei der 2. Vollversammlung war erstmals auch ihre Altersgruppe beim Forum vertreten.

Zusammen mit zwei anderen Jugendvertretern versuchte Julia Dotzauer als Delegierte des BDKJ, des Dachverbands der katholischen Jugendorganisationen, Sichtweisen und Anliegen von Jugendlichen einzubringen. Viele Jahre war sie in der Katholischen Jungen Gemeinde in der Pfarrei Maria Schutz aktiv und hatte die Erfahrung gemacht, dass man vor Ort etwas in der Kirche bewegen kann.

Und eben Bewegung und Neuorientierung hat die Kirche aus ihrer Sicht dringend nötig. "Die Kirche hat ein echtes Imageproblem und sollte etwas dagegen tun", stellt die Studentin fest. Denn sonst laufe sie Gefahr, dass auch die Werte, für die sie steht, "auf der Strecke bleiben".

Ein Beispiel, das die Jugendlichen besonders betrifft, ist aus ihrer Sicht die Sexualmoral. "Da laufen junge Leute in der Kirche gegen Wände. Es findet nur wenig Dialog statt." In den offiziellen Stellungnahmen scheint es nur um Fragen zu gehen, wie "Kondome - ja oder nein?" Kein Jugendlicher könne verstehen, warum jemand gegen Kondome ist. Dass es beim Sex aber "um Liebe geht, um Respekt und Partnerschaftlichkeit", das komme bei den Jugendlichen gar nicht mehr an. So sehr werde alles auf die Frage verengt: Sex vor der Ehe - ja oder nein?

"Beheimatung und Gemeinschaft als Kernkompetenz der Kirche in einer globalisierten Welt" - so lautete der Titel der Arbeitsgruppe, in der Julia Dotzauer damals mitarbeitete. Da ging es auch um den Abbau des hierarchischen Denkens und der hierarchischen Organisation der Kirche, um die Anerkennung der Kompetenzen von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Laien oder die Integration fremdsprachiger Katholiken und viele Themen mehr.

Und es ging zum Beispiel um die Frage, wie Kirche mit Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen umgehen sollte. Eine Kirche, die heimatstiftend ist, dürfe nicht die Zugangsvoraussetzungen in den Vordergrund stellen, sagt Pfarrer Martin Garmaier. Sie müsse vielmehr den Menschen das Gefühl geben: "Hier bin ich willkommen." Der Leiter des Pfarrverbands Waldkraiburg: "So lange wiederverheiratete Geschiedene nicht die Kommunion empfangen dürfen, können sie sich nicht zu Hause fühlen." Die Arbeitsgruppe habe sich unter anderem dafür ausgesprochen, ein Modell für einen Segensgottesdienst für wiederverheiratete Geschiedene zu erarbeiten. Auch im Umgang mit Homosexuellen ist der stellvertretende Dekan für eine Kurskorrektur und für die Zusage der Kirche. "Wir freuen uns mit euch, wenn ihr in Partnerschaft lebt."

Garmaier hat den Eindruck, dass Kardinal Marx das Anliegen eines anderen Umgangs mit den Geschiedenen aufgreifen will. In mehreren Stellungnahmen habe er dies angedeutet, während er anderen Forderungen, etwa nach dem Diakonat der Frauen, eine klare Absage erteilte.

Es gehe gar nicht darum, dass alle Empfehlungen "hundertprozentig" umgesetzt würden, sagt Julia Dotzauer. "Mir war klar, dass sich einige Dinge im Moment nicht ändern lassen. Der Papst wird nicht sagen: "Das mit dem Zölibat lassen wir jetzt." Sie habe auch den Eindruck, dass ein offener Dialog mit "unserem Erzbischof" möglich ist, und viele Priester erlebt, die die Positionen der Jugendlichen nicht nur verstehen, "sondern sich selber wünschen, dass sich Dinge verändern".

"Es sollte nicht nur beim Rummeckern bleiben." Wichtig war den Teilnehmern laut Dotzauer ein konstruktiver Ansatz und konkrete Ziel- und Zeitvorgaben, damit "in der Realität etwas ankommt". Umso mehr ist die Studentin enttäuscht, dass die versprochene offizielle Stellungnahme des Erzbischofs noch immer nicht vorliegt. Es gebe schon Überlegungen, das Forum noch einmal von unten zu starten, sagt Julia Dotzauer. Woran es hakt? "Vielleicht scheitert es am hierarchischen Aufbau der Kirche."

Viele Anliegen von der Basis seien beim Zukunftsforum aufgenommen worden, sagt Martin Garmaier. "Die Leute wollen wissen, was rauskommt."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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