Waldkraiburger mischt in Kopenhagen mit

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Rettungsringe für das Klima. Zum Ende der Woche wurden die Großdemonstrationen bei der Weltklimakonferenz teilweise so ausufernd, dass viele Leute abreisten und Arbeitsgruppentreffen der NGO, der non Government Organisations, abgesagt wurden, berichtet Rechtsanwalt Michael Seidel aus Kopenhagen.

Waldkraiburg/Kopenhagen - Michael Seidel, Rechtsanwalt und Mediator aus Waldkraiburg, war fünf Tage in Kopenhagen als "observer" bei der Weltklimakonferenz im Kongresszentrum Bella Center.

In Kopenhagen sind die Fronten zwischen Industrie- und Entwicklungsstaaten verhärtet, die Weltklimakonferenz drohte gestern zu scheitern. Vernünftige Verhandlungsprozesse waren nicht in Sicht. Hautnah das Geschehen und die Frustration miterleben konnte Rechtsanwalt Michael Seidel. Er war vor Ort, um seine Zunft der Mediatoren in Position zu bringen.

Eindrücke aus Kopenhagen

Michael Seidel (Mitte) und seine Mediatoren-Kollegen präsentierten die Mediation als Möglichkeit der friedlichen Konfliktlösung. Die Mediatoren wollen sich so auf künftigen Konferenzen dieses Ausmaßes ins Spiel bringen und ihre Methode in die internationale Konfliktlösungsarbeit implementieren.

"Das Klima auf der Klimakonferenz wird seit Beginn der zweiten Woche zunehmend geladener", berichtet Michael Seidel aus Dänemark. Der Rechtsanwalt und Mediator war als "observer" der Konferenz zugelassen. Die Vereinigung der "mediators beyond borders", hauptsächlich aus den USA, war als einzige neutrale NGO, non Government Organisation, im Konferenzzentrum Bella Center. Durch seine Kontakte konnte er als Mitglied das Geschehen rund um die Weltklimakonferenz beobachten.

Dort hatte sich viel Unmut aufgestaut, in der Thematik liegt eben viel Zündstoff. Seidel schreibt an die Redaktion: "Nicht nur gewinnen die Proteste außerhalb des Konferenzzentrums an Schärfe und Lautstärke, auch innerhalb desselben auf den Fluren und an den meeting points."

Insbesondere die afrikanischen Delegierten seien zunehmend verärgert gewesen über den zähen Fortgang der Gespräche und auch darüber, dass Seitens des dänischen Ministerpräsidenten ältere Papiere mit Vereinbarungen einfach übergangen und nicht in die aktuellen Gespräche mit einbezogen wurden, womit ein Rückschritt verbunden schien.

"Es scheint, wie so oft in der Politik, dass die Großen im Wesentlichen mit einem vorher festgelegten Ergebnis in die Verhandlungen gehen", berichtet der Waldkraiburger. In Gesprächen mit Delegierten sei diese Frustration über die Machtlosigkeit, dass vieles in festen Bahnen verlaufe, deutlich geworden.

Und hier soll Michael Seidels Funktion als Mediator in Zukunft ins Spiel kommen. "Mediation kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche, die Zeit ist reif dafür", ist er überzeugt. Wichtig dabei sei die Haltung auf Augenhöhe mit dem Anderen.

Die kleinen Staaten seien nicht auf Augenhöhe mit den großen, "die Kleinen saufen ab, während der Meeresspiegel steigt und ihr Interesse, überleben zu wollen ist größer als ihr tatsächlicher Einfluss", resümiert Seidel. Als Mediator schaue er mit den Parteien hinter die Forderungen. Derzeit aber tobe nur der vordergründige Positionskampf.

Um die wirklichen Interessen zu erarbeiten, müssten die großen Verhandlungspartner über ihren Schatten springen, es müsste ein Umdenken stattfinden. "Der Klimawandel hat alle Staaten vor den Kopf gestoßen und klar gemacht, worum es jetzt geht: das Eingemachte", so Seidel. Daher sei der Druck, der durch die internen und externen Differenzen entstanden ist, gut und notwendig, damit sich was tue. Er schnupperte in einen Bereich hinein, der für ihn und seine Zunft großes Potential birgt.

Ziel der Mediatoren, die sich nun weltweit vernetzen, sei die Verabschiedung einer Resolution an die UN-Vollversammlung. Man will bewirken, dass ins Kyoto-Nachfolgeprotokoll erstmals die Mediation als zu bevorziehende Konfliktlösemethode festgeschrieben wird. Diese Methode sei neutral und werde etwa schon bei Familienzwistigkeiten erfolgreich eingesetzt. In den USA gebe es die Business-Mediation zwischen großen Firmen. "Wir sind sowas wie Streitschlichter, durch unsere Hilfe können die Parteien selbst eine Lösung erarbeiten."

Einen Schritt in dieses Neuland der internationalen Ebene habe man getan, indem man sich auf der Klimakonferenz präsentierte, mit Delegierten, Journalisten und Mediatoren aus aller Welt ins Gespräch kam und Kontakte knüpfte. Nun wird ein Netzwerk gesponnen prominente Fürsprecher gibt es auch schon, etwa den ehemaligen US-Botschafter John Mc-Donald. Auf europäischer Ebene soll demnächst der deutsche Sitz des European Mediationcenter nach Waldkraiburg verlegt werden.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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