Kinderoper begeistert Publikum

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Happy End: Im Schlossgemach mit Himmelbett stehen der einstige Igel und Bräutigam Jonathan Moser (Dritter von links) mit seiner Braut Goldherz (Gloria Benker), dem König (Martin Klemisch) sowie dem ganzen Hofstaat. Der Kasper (Niklas Renner, links) probiert das abgeworfene Igelkostüm an.

Waldkraiburg - Die Besucher strömten nur so ins Haus der Kultur, um Cesar Bresgens Kinderoper "Der Igel als Bräutigam" zu erleben. Bis auf den letzten Platz füllte sich der Große Saal.

Die aufwendig und langfristig vorbereitete, gemeinsame Aufführung der Sing- und Musikschule sowie der Orchestergemeinschaft (wir berichteten) zog viele trotz des herrlichen Sonnenwetters an. Als der Gong den Beginn der Märchenoper ankündigt, begleitet herzlicher Applaus die rund 30 einmarschierenden Mädchen und Buben, die unter Leitung von Sabine Schweikl im Weiteren als Kinderchor, Tanzgruppe, Hutzelgestalten und Hofpersonal fungieren. Viel Beifall auch für Ferenc Szelim Bene, den Leiter der Orchestergemeinschaft und Lehrkraft an der Musikschule, der die gesamte und musikalische Leitung des Projektes in seinen Händen gehalten hat und jetzt den Musikern das Zeichen zum Anfang gibt.

Obwohl der Altersdurchschnitt der Zuhörer überaus niedrig ist, herrscht andächtige Stille als Hans-Joachim Vinzent, einer der wenigen erwachsenen Gesangssolisten, im Scheinwerferkegel beginnt, die Geschichte des armen Fischers und seiner Frau aus uralter Zeit zu erzählen. Im Zuschauerraum folgen Groß und Klein aufmerksam der anschaulichen Beschreibung der Rahmenhandlung: Die armen Fischerleute hatten den Wunsch nach einem Söhnlein "und wenn's ein Igel wär".

Hans-Joachim Vinzent in der Rolle des Alten, der die Rahmenhandlung in der Kinderoper "Der Igel als Bräutigam" erzählt, vor dem Kinderchor und der Tanzgruppe.

Dann der erste Auftritt der Tanz- und Chorkinder, die barfüßig leicht über die Bühne wirbeln, ehe die Fischerhütte als Kulisse ins Zentrum des Geschehens rückt. Dort bedauern gerade Barbara Königsbauer als Fischerin und ihr Mann Christoph Wiesner ihren törichten Wunsch sogar nach einem Igelkind. Das steht prompt, übrigens in einem zauberhaften Kostüm von Sonja Frey, leibhaftig und menschengroß in der Gestalt des jungen Sängers Jonathan Mosers vor ihnen. Es hat vor allem eines: Hunger, großen Hunger.

Als nächstes muss der Erzähler mit der Kinderschar aus dem Publikum folgendes klären: "Wisst ihr, was ein Igel frisst?" Ein lautes "Jaaaaa!" schallt ihm entgegen. Berge von Fisch, Honigbroten, an Käse und Ziegenbutter frisst dieser Igel.

Wie auch in anderen Grimmschen Märchen überlassen ihn die verzweifelten Eltern seinem Schicksal - hier dem Sumpf. Einzig die magere Ziege leistet ihm Gesellschaft, deren Meckern an dieser Stelle eindrucksvoll vom Orchester nachgemacht wird. Die Zuschauerkinder leiden mit dem Igel mit, den einzig ein "Jungfräulein" retten kann. Als Preis für die Rettung des Königs (Martin Klemisch) aus dem Sumpf gelangt der Igel an Goldherz, des Königs jüngste Tochter (Gloria Benker), die ihm später als Braut versprochen wird.Immer wieder platzt der Kasper (Niklas Renner) mit witzigen Bemerkungen in die Handlung hinein, singt vergnügt: "Ich bin froh wie der Mops im Haberstroh!" Kräftiger Zwischenapplaus aus dem Saal belohnt hernach die Leistungen der Sänger.

In Anlehnung an das Volkslied von der Vogelhochzeit kündigt der Erzähler alias Hans-Joachim Vinzent an: "Ein Igel wollte Hochzeit machen". Doch diesem Ereignis geht noch ein sehenswerter Hahnenkampf( Markus und Michael Krahl) in farbenfrohen Kostümen voraus und eine Szene vor einem überaus gelungenen Bühnenbild vom Speisesaal des Königs. Es scheint einem guten alten Märchenbuch entliehen zu sein - so romantisch und liebevoll bis ins Detail gestaltet ist es.

Schließlich akzeptiert die Königstochter aus Vaterliebe den Igel als Bräutigam. Traurig erleben die Zuschauer die stimmlich sichere Gloria Benker als Prinzessinnen-Braut, wie sie im letzten Bühnenbild im Schlossgemach ihren Igel-Bräutigam (Jonathan Moser) vor dem roten, samtenen Himmelbett im Schlossgemach erwartet. "Du sollst mich lieben und nicht aufs Äußere sehen!" fordert dieser von Goldherz, die im Unterschied zu ihren eifersüchtigen Schwestern (Michelle Otlacan und Kathrin Waldner) ihrem Namen alle Ehre macht.

So entsteigt dem Igelpelz ein wunderschöner Königssohn und alle vor, auf und hinter der Bühne feiern beim Finale die Hochzeit fröhlich mit. Langanhaltender rhythmischer Beifall zeigt, dass das Publikum am Ende der Aufführung begeistert ist und dass sich alle Mühen davor gelohnt haben.

kch/Waldkraiburger Nachrichten

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