Keine Nachsicht mehr mit den Schlägern

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Waldkraiburg/Mühldorf - Damit hatten die vier Angeklagten sichtlich nicht gerechnet: Jugendrichter Heinricht Ott folgte der Staatsanwaltschaft und verhängte Haftstrafen.

Damit hatten die vier Angeklagten sichtlich nicht gerechnet: Während sich ihre Verteidiger vehement dafür einsetzten, dass ihre Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird, folgte Jugendrichter Heinrich Ott weitgehend der Argumentation von Staatsanwältin Katharina Pladt. So muss Stefan A. für ein Jahr und sechs Monate hinter Gitter und Sebastian G. für acht Monate. Seine Schwester Carola G. bekam eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à zehn Euro aufgebrummt und der jüngere Bruder zwei Wochenenden Freizeitarrest.

Die Tat im September 2011:

Für Richter Ott stellten sich die Vorgänge im September 2011 so dar: Stefan A. sowie Carola, Peter und Sebastian G. hielten sich am Sartrouvilleplatz auf und hatten einiges an Alkohol inne. Dort traf dann auch die Gruppe um Wolfgang N., Helmut L. sowie Franz und Hubert E. ein. Nach einem kurzen Wortgefecht trennten sich beide Gruppen aber wieder. Danach kam es zum Streit zwischen Stefan A. und Carola oder Sebastian G., bei dem sich Wolfgang N. bemüßigt fühlte, dazwischen gehen zu müssen. Dabei bekam er von Carola G. einen Faustschlag, worauf er sie im Affekt niederschlug. Daraufhin verlor Stefan A. die Beherrschung und schlug Wolfgang N. Zudem ging er auf ihn los, als er bereits von seinen Freunden auf eine Bank gelegt wurde.

Damit sah Richter Ott den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung gegeben. Er sah es auch als erwiesen an, dass Carola G. mit der Faust zugeschlagen hat, da brauche man nicht "für jede Tat fünf Zeugen". Sebastian G. war hier außen vor, da er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Sartrouvilleplatz war und bei Peter G., der ja noch minderjährig war, war nicht eindeutig festzustellen, was er tatsächlich gemacht hatte.

Damit war die Sache aber noch nicht vorbei: Die Auseinandersetzung ging in der Wohnung in der Daimlerstraße noch weiter. Dort waren Stefan A. und die beiden Brüder Peter und Sebastian G. beteiligt. Sie verprügelten gemeinsam Horst K., der bei der Verhandlung noch als Zeuge befragt wurde. Deshalb wurden sie in diesem Fall der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden. Unklar war hier die Rolle von Carola G. und da Restzweifel blieben, ob sie beteiligt war oder nicht, wurde sie hier freigesprochen.

"Keine positive Sozialprognose"

Da Stefan A. bereits wegen eines Gewaltdeliktes unter Alkoholeinfluss vorbestraft ist, zudem wegen eines Drogendeliktes angeklagt war und nur zur Bewährung auf freiem Fuß war, sah er keinen Grund zur Strafmilderung und sah auch von einer Bewährung ab, da es aus seiner Sicht "keine positive Sozialprognose" gebe.

Sebastian G. entschuldigte sich zwar in der Verhandlung bei Opfer Horst K. und gab ihm 350 Euro, da dieser einem Täter-Opfer-Ausgleich zustimmte, dennoch sah Richter Ott auch hier keine Möglichkeit, Milde walten zu lassen. Auch er ist bereits einschlägig vorbestraft, saß bereits wegen eines Gewaltdeliktes in Haft und ist "wieder unrühmlich in Erscheinung getreten". Deshalb war Richter Ott überzeugt, dass er "keine Lehren aus der Strafe" gezogen habe und verurteilte ihn zu acht Monaten Haft ohne Bewährung. Auch hier sah er keine günstige Sozialprognose, da unter anderem "sein Alkoholproblem nicht gelöst ist".

Peter G. als Mitläufer gewertet

Anders war es bei Peter G. Da er zum Zeitpunkt der Tat erst 17 Jahre war, sah Richter Ott den Alkoholkonsum als strafmildernd an und bezeichnete Peter G. "mehr oder weniger als Mitläufer". Da Peter G. jetzt eine Lehrstelle hat, sah er auch für die Zukunft nicht so schwarz und sah zwei Freizeitarreste als angemessen an.

Verteidiger: Haftstraften wären kontraproduktiv

Die vier Verteidiger Franz Jansen, Andreas Knoll, Axel Reiter und Jörg Zürner räumten vorher die Schuld ihrer Mandanten ein, allerdings versuchten sie das Gericht davon zu überzeugen, die Strafen zur Bewährung auszusetzen. Sie führten die alkoholbedingte Enthemmung aller an. Zudem stellten sie ihren Mandanten eine günstige Sozialprognose aus und nannten eine Verurteilung kontraproduktiv.

Dabei argumentierten sie auch mit der Familiengeschichte der drei Geschwister, die praktisch ohne Vater aufgewachsen sind. Die Mutter sei zudem überfordert gewesen und sitze derzeit selbst im Gefängnis, so dass aus den Geschwistern eine Art Schicksalsgemeinschaft geworden sei. Als dann einer aus ihren Reihen angegriffen wurde, sei es zu dieser Eskalation gekommen.

Der Argumentation konnte sich das Gericht aber nicht anschließen.

hsc/Waldkraiburger Nachrichten

Rubriklistenbild: © pa

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