Katzen, Hunde und ein Skorpion

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Katze "Bienchen" ließ sich Streicheleinheiten gefallen.

Pürten - Sie kamen mit vielen Fragen ins Tierheim in Pürten: die jungen Ferienreporter der Waldkraiburger Nachrichten. Tierheimleiterin Bianca Maly und Bernd Sottek vom Vorstand des Tierschutzvereins standen Rede und Antwort.

Domenic Reibel (13): Welches war das außergewöhnlichste Tier, das abgegeben wurde?

Maly: Ein kleiner Skorpion, der ist mit einem Koffer aus dem Urlaub mitgereist. Weil es sich um ein Reptil handelte, wurde es nach München in eine Auffangstation gebracht.

Fabian Wesp (10): Was für eine Ausbildung braucht man für den Beruf Tierpfleger?

Maly: Man kann den Beruf normal erlernen, das dauert zwei bis drei Jahre. Ein Hauptschulabschluss reicht, aber man muss viel wissen und lernen über die verschiedenen Tiere. An der Berufsschule hat man dann Blockunterricht.

Christina Pollmann (11): Wie viele und welche Tierarten haben Sie?

Bianca Maly: Wir dürfen Katzen, Hunde, bestimmte Vogelarten wie Wellensittich, Nymphensittich, Apagonis, das sind unzertrennliche Papageien, und Kleintiere wie Ratten, Zwerghamster, Mäuse, Meerschweinchen und Kaninchen haben. Reptilien dürfen wir nicht halten. Die müssen wir weitergeben an eine geeignete Stelle. Auch Frettchen dürfen wir nur kurzfristig als Fundtiere aufnehmen.

Kathrin Uhlirsch (13): Woher bekommt der Tierschutzverein Geld für seine Arbeit?

Bernd Sottek: Das ist ein schwieriges Thema. Wir leben von unseren Mitgliedern und bekommen Geld von den Städten und Gemeinden. Die Stadt Waldkraiburg unterstützt uns ganz gut. Für jedes Fundtier bekommen wir von den Gemeinden, in deren Gebiet es gefunden wird, zwei Cent pro Einwohner im Monat. Geld bekommen wir auch aus Aktionen und Spenden.

Maly: Zum Beispiel von unseren Spendenboxen in Geschäften. In der Ferienzeit, wenn wir voll belegt sind, reicht dieses Futter aber nicht. Da müssen wir Tierfutter zukaufen.

Sottek: In vielen Waldkraiburger Geschäften sind auch Spardosen aufgestellt. Da kommt auch einiges zusammen. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied. Wir haben leider zu wenig Mitglieder.

Fabian Wesp (10): Von welcher Tierart haben Sie am meisten in der Tierherberge?

Maly: Eindeutig Katzen, es sind um die 40. Letztes Jahr waren es sogar 80 zur Hochzeit. Da mussten wir die Käfige sogar im Büro aufstellen. Ich appelliere an die Vernunft der Katzenbesitzer, die Tiere kastrieren zu lassen.

Franziska Köhr (12): Welche Rolle spielt der Tierarzt? Und wer bezahlt die Behandlung?

Maly: Eine sehr große Rolle. Herr Dr. Drechsel in Kraiburg ist genauso wie wir 24 Stunden für die Tiere da. Auch spätabends kann man ihn in einem Notfall anrufen. Er ist auch unser Aufpasser und kommt einmal im Monat und überprüft, ob alles medizinisch in Ordnung ist und den hygienischen Vorgaben entspricht. Die Behandlung zahlt der Tierschutzverein. Wir müssen die Tiere in die Praxis fahren, außer sie sind transportunfähig. Dann kommt der Tierarzt.

Bianca Schröder (13): Sind im Tierheim schon mal Tiere gestorben?

Maly: Ja, zum Beispiel wegen Krankheiten oder aus Altersschwäche. Durch die Katzenseuche letztes Jahr sind viele Tiere gestorben. Da steht man machtlos da. Aber eigentlich ist es sehr selten, dass ein Tier stirbt.

Jennifer Sottek (14): Wann und von wem wurde das Tierheim gegründet?

Maly: Ich glaube in den 80er-Jahren. Zuerst wurde ein Grundstück erworben und von der Stadt zur Verfügung gestellt, ein Gebäude errichtet und dann der Rest nach und nach erbaut. Die Dame, die am längsten hier war und sich sehr engagiert hat, war Frau Herrmann mit ihrem Vorstand, und auch Frau Zinnecker hat sich sehr eingesetzt.

Markus Kenderes (11): Wie viele Babykatzen und Welpen werden hier in einem Jahr geboren?

Maly: Wir bekommen etwa 50 Babykatzen im Jahr, die zum Teil auch hier zur Welt kommen. Zum Beispiel hat eine trächtige Katze zwei Babys im Büro zur Welt gebracht.

Christian Schneider (10): Wie viel Geld verdient eine Tierpflegerin?

Maly (lacht): Wenig. Genug zum Leben. Ungefähr so viel wie ein Verkäufer. Man lebt für diesen Beruf, der jeden Tag mit Leib und Seele erledigt werden muss, sonst funktioniert das nicht.

Verena Föhlinger (13): Wer darf im Tierheim mitarbeiten und zum Beispiel mit den Hunden Gassi gehen?

Maly: Jeder darf mitarbeiten, alles aber ehrenamtlich. Die Gelder verwenden wir für die Tiere. Derzeit arbeiten im Tierheim zwei festangestellte Tierpflegerinnen, der Rest wird von Ein-Euro-Jobbern und Ehrenamtlichen erledigt. Zwei 13-jährige Mädchen sind regelmäßig da, um mitzuhelfen. Sie erledigen nicht irgendwelche Putzarbeiten, sondern kümmern sich um die Tiere. Die Eltern müssen einverstanden sein. Allein mit Hunden Gassi gehen darf man aus Versicherungsgründen erst ab 18 Jahren.

Markus Kenderes (11): Wie viele Fundtiere werden auch wieder abgeholt?

Maly: Hunde zu 95 Prozent, Katzen nur zu 30 Prozent. Die meisten Katzen sind herrenlos, daher vermisst sie keiner. Schlimm ist, dass sich unkastrierte Katzen so stark vermehren.

Angelina Schugajlo (13): Welche Arbeitsmittel benötigen Sie für Ihren Job?

Hauptsächlich Putzmittel, also Schrubber, Abzieher, Waschmaschine, Schlauch und Wasser. Das ist die Hauptaufgabe eines Tierpflegers: Reinigung und Putzen.

Alina Schiess (13). Welches war das traurigste Erlebnis, das sich im Tierheim ereignete?

Maly: Letztes Jahr, als die Katzenseuche ausbrach, starben rund 98 Prozent der Katzen. Das waren für uns harte Schicksalsschläge. Allgemein sind misshandelte Tiere sehr traurig für uns Tierpfleger.

Petra Biedermann (13). Warum gab es letztes Jahr eine Zeit, in der Ihr gar keine Katzen hattet?

Maly: Das lag auch an der Katzenseuche. Da wollten wir keine Katzen mehr aufnehmen, damit sich die Krankheit nicht verbreitet. Das war aber nur vorübergehend. Jetzt haben wir ja wieder Katzen.

Janine Lösel (10): Was sind die häufigsten Krankheiten im Tierheim?

Maly: Schnupfen und Augenentzündungen, wenn viele Katzen in einem Raum sein müssen. Dann ist der Stressfaktor für die Tiere sehr hoch und sie kriegen Grippeerscheinungen.

Jessica Berger (13): Wie lange arbeitet das Tierheim-Personal am Tag?

Maly: Montag bis Sonntag von 8 bis 13 Uhr machen wir Grundversorgung, Besuchszeiten sind donnerstags bis samstags von 15 bis 18 Uhr. Abends machen wir nochmal 30 bis 60 Minuten Versorgung. Wenn Tiere krank sind, sind wir 24 Stunden im Einsatz. In der ganzen Woche arbeiten wir über 40 Stunden.

Matthias Fuchs (14): Können auch andere Tiere außer Affen Aids haben?

Maly: Ja, zum Beispiel Katzen bekommen Leukose. Das ist vergleichbar mit HIV, aber Menschen können sich nicht anstecken. Infizierte Katzen können andere Katzen durch Bisse anstecken. Aber so ein Tier kann genauso alt werden, wie ein gesundes. Wir haben hier eine, die heißt "Sunny", für die suchen wir dringend einen Einzel-Pflegeplatz, weil sie jetzt in einem Raum isoliert leben muss und das ist auch nicht schön für sie.

Stefanie Zinecker (11): Sind schon mal Tiere aus dem Tierheim entlaufen?

Maly: Das passiert selten, aber es kommt vor. Vor zwei Wochen hat eine Katze ihren Käfig total zerlegt. Und sie schaffte es, die Tür zu öffnen. Bis jetzt ist sie nicht wieder aufgetaucht, leider.

Justin Richter (10): Wieviel Urlaub hat ein Tierpfleger?

Maly: 24 bis 26 Tage. Es kommt aber darauf an, ob man Zeit hat, den Urlaub zu nehmen. Meist ist das sehr schwierig, weil nicht genügend Personal da ist, das einen vertreten kann. Wenn das Tierheim überfüllt ist, kann man auch nicht in Urlaub gehen.

Stefanie Franz (10): Wie viele Tiere können Sie im Tierheim halten?

Maly: Höchstens 42 Katzen, sechs Hunde, eine Box muss für Fundhunde freibleiben. Und zwölf bis 14 Kleintiere, je nachdem wieviel Platz in den Käfigen ist.

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