Jugendkultur existiert praktisch nicht

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Lassen sich nicht von ihrem Kurs abbringen und wollen weiterhin ein selbstverwaltetes Jugendzentrum: Benedikt Schwaiger (links) und Marius Baumgart von IzAseJu. In Waldkraiburg sei für die Jugend allgemein zu wenig geboten. Zum Ausgehen fahren die beiden etwa nach München, Dorfen oder Pfarrkirchen.

Waldkraiburg (wn) - Manche mögen Vorbehalte gegen IzAseJu haben. Die jungen Leute von der Initiative zum Aufbau eines selbstverwalteten Jugendzentrums (IzAseJu) kommen nach eigenen Einschätzungen unangepasster rüber.

„Ob wir so viel anders sind in unserer Freizeitgestaltung, ist fraglich“, sagt Vorsitzender Beneditkt Schwaiger. Im Grunde wollen sie das, was viele andere Jugendliche wollen: selbst was auf die Beine stellen, organisieren, sich ungezwungen treffen können - ohne erwachsenen Anstands-Wauwau. Aber natürlich in ihrer "Szene", die man durchaus als alternativ und vielleicht sogar links-intellektuell beschreiben kann.

So organisieren sie politische Vorträge, laden Zeitzeugen zum Gespräch und veranstalten Punkrock-Konzerte in der Schenkerhalle. Diese Konzerte sind Mittelpunkt einer Diskussion. Die Stadt sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Punkrock-Konzerten und Sachbeschädigungen in der Umgebung. Für Schwaiger ist ganz klar: IzAseJu-Veranstaltungen werden zum Sündenbock gemacht. "An den Konzertabenden wird von Kriminalitätsspitzen gesprochen, die nicht repräsentativ sind", so der 20-Jährige. Zwar habe man die Initiative nie direkt beschuldigt. "Aber die Stadt meint, wir könnten durch die Konzerte ein Publikum anziehen, das Sachbeschädigungen begehen könnte", resümiert Marius Baumgart.

Ganz egal, ob Konzertbesucher es waren, die ihrer Zerstörungswut freien Lauf ließen, geschadet haben sie IzAseJu auf jeden Fall. "Das gefährdet unsere Idee und beschneidet unsere Freiräume", betont Schwaiger.

Baumgart glaubt, ein selbstverwaltetes Jugendzentrum würde die Wahrscheinlichkeit, dass randaliert wird, senken. Wer sich um die Schenkerhalle bemühe und sich mit dem Haus und den Projekten, die von Jugendlichen getragen werden, identifiziere, mache sowas nicht, sagt der junge Mann mit den Dread Locks. Natürlich könne man nicht jeden nach Hause ins Bett begleiten.

Die größte Angst der jungen Leute ist derzeit, dass die Stadt einen verstärkten Sicherheitsdienst fordert. "Das wird dann sehr teuer. Die Sicherheitsleute kriegen jetzt schon mehr Geld als die Bands", sagt Marius, der drauf hinweist, dass man in der Schenkerhalle versucht, günstige Eintritts- und Getränkepreise zu bieten, was so immer schwieriger werde.

Die Punk-Diskussion nervt die Jugendlichen und sie wehren sich gegen Pauschalisierungen. "In jeder Gruppierung gibt es Deppen", meint Benedikt Schwaiger. "Dass es Punks waren, ist doch gar nicht bewiesen", fügt Mitstreiter Marius hinzu.

Und diese Sache wird die jungen Leute auch nicht von ihrem Kurs abbringen, sich für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum stark zu machen. Möglicherweise sei die Schenkerhalle aufgrund ihrer Lage in einem Wohngebiet ungünstig. Daher ist IzAseJu auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie. Für kleinere Treffen reiche der Raum im Haus der Jugend aus. Nicht aber für größere Veranstaltungen.

Waldkraiburg böte Jugendlichen generell wenig Anreiz zum "Rumhängen" und sich treffen. In der Schenkerhalle finden pro Jahr zehn bis 20 Konzertabende statt. "Das ist doch keine Auswahlmöglichkeit und man kann nicht von einer Jugendkultur sprechen, die gibt es nicht", findet Schwaiger. Doreen Dambacher (19) ist zweite Vorsitzende der Initiative und stellt fest, es fehlt einfach ein Ort, wo alle jungen Leute hingehen können - nicht nur in definierten Zeiträumen. Schwaiger fehlt es an einer generellen Kneipenkultur, wo man "Rumchillen" und sich gemütlich treffen kann.

Sie glauben, dass die Vertreter der Stadt mehr an der Erhaltung eines guten Images statt an der Förderung einer Jugendkultur interessiert sind.

kla

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