Ab jetzt wird die Erde angebohrt

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Besichtigten am Freitagnachmittag den Bohrturm der Firma Daldrup: ein Teil der Stadträte mit (von links) Vera Bittner, Axel Pöschmann, Gerd Ruchlinski, stellvertretender Landrätin Eva Köhr und Charlotte Konrad. Die Sicherheitshelme sind Vorschrift.

Waldkraiburg - Geothermie: Rund 250 Tonnen schwer und 31 Meter hoch ist die Bohranlage der Firma Daldrup, die gestern Abend noch in Betrieb gehen sollte.

Weil sich der Bergdirektor Ingo Tönnesmann zum Termin der Funktionsprüfung verspätete, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest, ob der Bohrer loslegen durfte.

Zumindest eine große Hürde war bereits am Freitagnachmittag genommen. Bergdirektor Tönnesmann vom Bergamt Südbayern unterzeichnete mit Stadtwerkechef Norbert Weigl die Bohrgenehmigung (wir berichteten). Weigl sprach gar von einem historischen Moment für die Stadt Waldkraiburg. Schließlich habe man bei einer erfolgreichen geothermischen Bohrung für Jahrzehnte eine unabhängige Wärmeversorgung für seine Bürger gesichert.

Abnahme erfolgreich abgeschlossen

Die Abnahme, bei der jedes Aggregat, jedes Geländer und jeder Schlauch genau geprüft wurde, konnte am Freitag abgeschlossen werden.

Große Freude herrschte bei Bürgermeister Siegfried Klika, Landrat Georg Huber und den anwesenden Stadträten. Eva Köhr brachte zur Feier des Tages Prosecco mit - keinen Schampus, wie sie betonte. "Den soll es erst geben, wenn's warme Wasser sprudelt", sagte sie gutgelaunt.

Funktionsprüfung gestern nachgeholt

Leider schlug die finale Funktionsprüfung fehl. "Das konnten wir nicht abschließen, weil die Anlage noch nicht bohrbereit war", erklärte Weigl. Tönnesmann sprach von "programmiertechnischen Gründen" und dass bestimmte Sicherheitskreise nicht angesteuert werden konnten. Nach einer Justierung sollte dies am gestrigen Montagabend nachgeholt werden.

"Driller" erklärt, was im "Doghouse" zu tun ist

"Unser Warten hat nun ein Ende. Das hat uns in letzter Zeit viele Nerven gekostet", so Klika. Zusammen mit dem Bergdirektor, dem Bohringenieur Henry-Robert Mohr und Daldrup-Vorstand Andreas Toennies durfte die Gruppe die Bohranalge aus nächster Nähe inspizieren. In einem Häuschen, dem sogenannten "Doghouse" setzten sich erst der Bürgermeister und anschließend der Landrat an die Hebel, um das Topdrive, den Bohrkopf, leicht "über Tage" auf und ab zu bewegen. Bohrmeister Reinhard Büscher, der "Driller", zeigte, wie man's macht. Anschließend traf man sich im Infocontainer. Weigl wünschte sich, dass jede Schulklasse und jede Kindergartengruppe mindestens einmal am Bohrplatz vorbei schaut, es gebe altersgerechte Vorträge. Man wolle den Infocontainer so gestalten, dass auch nicht angemeldete Gruppen kommen können.

100 Grad warmes Wasser erwartet

Das Geothermieprojekt in Waldkraiburg sieht zwei Bohrungen vor. Eine, bei der das heiße Wasser, das man hofft in 2600 Metern Tiefe zu finden, gefördert wird. Und eine sogannte Reinjektionsbohrung, durch die das Wasser wieder zurückgepumpt werde.

Laut Geologe Professor Goldbrunner, der das Projekt wissenschaftlich betreut, sei etwa 100 Grad warmes Thermalwasser zu erwarten. Auch bei 90 Grad sei es möglich, mit dem Wasser zu heizen. Strom könne man mit Geothermie erst ab 120 Grad warmen Wasser erzeugen.

Ein Bericht über den Infoabend mit den Anwohnern sowie über den Bohrbeginn folgt in der Mittwochsausgabe.

kla/Waldkraiburger Nachrichten

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