Auf der Jagd nach dem Tumor

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Dieser Tumor auf dem linken Monitor - der runde weiße Fleck - ist etwa 25 Millimeter groß und ist behandelbar, erklärt Radiologe Dr. Malik Englmaier von der Brustkrebs Screening Einheit in Waldkraiburg.

Waldkraiburg - Das Bild auf dem Monitor spricht eine eindeutige Sprache: Es ist Brustkrebs. Der Tumor ist rund 25 Millimeter groß - aber behandelbar. Doch die Patientin verweigert jede Behandlung. "Das ist eine medizinische Katastrophe", sagt der Radiologe Dr. Malik Englmaier von der Brustkrebs Screening Einheit in Waldkraiburg.

Der Oktober ist der weltweit offizielle "Brustkrebs-Monat". Ein Anlass, der Brustkrebs Screening Einheit Oberbayern Ost in Waldkraiburg einen Besuch abzustatten. Hierher kommen jährlich rund 6000 Frauen zur Mammografie. Die Frauen sind zwischen 50 und 69 Jahren, ein Alter, in dem das Brutskrebsrisiko steigt.

Wie bei der Patientin, die sich nicht behandeln lassen will. So einfach lässt sich Dr. Englmaier aber nicht abschütteln und schreibt ihr einen Brief. Ihr Tumor ist behandelbar.

Bei Tumoren in der Größe von 1 bis 1,5 Zentimeter liegen die Heilungschancen bei 90 Prozent. Mit einer Mammografie soll der Krebs noch früher entdeckt werden, lange bevor er überhaupt tastbar ist. Etwa Mikrokalk-Ablagerungen, die in fünf Prozent der Fälle eine Vorstufe zur bösartigen Veränderung seien.

Das Mammografie-Screening-Programm gibt es bundesweit, um eine Früherkennung möglich zu machen. Alle Frauen im besagten Alter werden von der zentralen Stelle der Kassenärtzlichen Vereinigung Bayern alle zwei Jahre zum Screening gegebeten. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Die Screening Einheit Waldkraiburg ist zuständig für die gesamte Region Oberbayern Ost - von Marktl bis Wildbadkreuth und vom Königssee bis Maitenbeth. In ländlichen Gebieten, in denen der nächste Radiologe weiter entfernt ist, macht das Mammomobil Station, wie Ende des Jahres in Neumarkt-St. Veit. In dem Trailer werden die gleichen Untersuchungen gemacht, wie in der Praxis. "Das ist vor allem für Frauen, die nicht mobil sind, gut", meint Röntgenfachkraft Rita Wimmer. Sie bringt gerade eine Patientin zum Mammomat. Die 50-jährige Frau legt ihre rechte Brust auf eine Plattform, von oben fährt eine Plexiglasscheibe herunter und drückt die Brust flach. "Je flacher, desto leichter geht die Strahlung durch", erklärt Wimmer, "und umso geringer ist die Strahlenbelastung." Das Zusammendrücken kann unangenehm sein, aber nicht schmerzhaft, erklärt sie.

Da wo die Röntgenfachkraft Rita Wimmer ihre Hand abgelegt hat, werden normalerweise die Brüste der Frauen gescreent.

"Ein paar Sekunden dauert der Druck und das ist unangenehm", sagt die Frau, die gerade gescannt wird. "Aber ein Besuch beim Zahnarzt kann mehr weh tun, oder auch eine Entbindung. Und die dauert auch länger." Nach ein paar Sekunden hat sie es überstanden, jetzt kommt die zweite Brust dran. Die digitalen Fotos werden zu einem Befunder in Rosenheim gemailt. Zwei unabhängige Fachleute begutachten die Bilder. "Wenn der Befund unauffällig ist, wird die Frau einfach nur eingladen, in zwei Jahren wieder zu kommen", erklärt Rita Wimmer. Liegt aber ein Verdacht vor, besprechen sich mehrere Ärzte und die Brust der Frau wird eingehender untersucht, etwa durch Ultraschall.

Dr. Englmaier erklärt, dass in allen Industrienationen drei Frauen pro Jahr und tausend im Alter zwischen 50 und 69 an Brustkrebs erkranken. Für Waldkraiburg ergibt das eine statistische Zahl von 9,2 Frauen pro Jahr, die neu erkranken.

Der Radiologe glaubt nicht recht, an Vorbeugemaßnahmen - von wegen Immunsystem aktivieren. Allerdings glaube er, dass Psychotraumen im Allgemeinen anfälliger machen für Krankheiten, sagt er zurückhaltend. Auch auf Statistiken, die davon berichten, dass durch das Stillen die hormonelle Veränderung die betreffende Frau vor Krebs schützt, gibt er nicht viel. "Die Frau ist als Individuum betroffen, eine Statistik sagt im Einzelfall nicht viel aus."

Man dürfe auch genetische Hintergründe nicht vergessen - auch junge Frauen können erkranken. Natürlich sei die Mammografie keine hundertprozentige Absicherung, sie könne auch nicht alle Krebsarten entdecken, so Dr. Englmaier. "Aber sie ist die einzige Methode, die nachweislich Krebs im Frühstadium erkennen kann."

kla/Mühldorfer Anzeiger

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