Ein "Homo politicus" feiert 80. Geburtstag

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Mehr Zeit als früher hat Altbürgermeister Jochen Fischer für sein Hobby Briefmarkensammeln. Aber auch in vielen Ehrenämtern, allen voran im Förderverein Stadtmuseum, ist der 80-Jährige noch immer aktiv.

Waldkraiburg - "Manchmal, wenn ich alte Leute sehe, denke ich mir: Mei san de oid." Nein, trotz gesundheitlicher Handicaps, wie 80 fühlt sich Altbürgermeister Jochen Fischer nicht.

Doch das Einwohnermeldeamt kann nicht irren. Der hoch geschätzte Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt wurde heute vor 80 Jahren in Schlesien geboren.

"Es war eine schwierige Zeit", sagt Jochen Fischer über das vergangene Jahr, das von gesundheitlichen Problemen geprägt war. Nach einem Mittelfußbruch und einer Sprunggelenkverletzung gab es Komplikationen, die zu irreparablen Schäden geführt haben. Monatelang konnte er nicht aus der Wohnung. Noch immer ist er auf Krücken angewiesen. "Wir haben uns rar gemacht in der Öffentlichkeit", sagt der Altbürgermeister. Zu seinem großen Bedauern konnte er nicht einmal bei der Eröffnung des neu gestalteten Glasmuseums dabei sein.

Dabei gehörte er als Vorsitzender des Fördervereins Stadtmuseum sowie schon der stadtgeschichtlichen Ausstellung zu den treibenden Kräften des Projekts. Die Geschichte Waldkraiburgs und die Vermittlung dieser Geschichte ist ihm ein großes Anliegen. Selbstverständlich bringt er sich auch als Zeitzeuge beim Projekt "MehrWertDemokratie" der Bayerischen Staatsregierung zur politischen Bildung von Schülern ein, das im Haus Sudetenland angesiedelt ist.

Jochen Fischer ist stolz auf die Geschichte Waldkraiburgs und er ist ein Teil von ihr. Seine Lebensgeschichte verbindet ihn mit vielen, die die Gemeinde Waldkraiburg nach Flucht und Vertreibung gegründet und zu einer blühenden Stadt aufgebaut haben. In Schweidnitz in Niederschlesien wurde er am 21. März 1932 geboren. 1946 kam er mit seiner Mutter nach Bayern, um unter schwersten Bedingungen wieder ganz neu anzufangen. Sein Vater war kurz vor Kriegsende in den Volkssturm eingezogen worden und in Breslau gefallen.

Der Chemielaborant arbeitete sich bis zum Produktionsleiter bei der Firma Thoma hoch, war später Betriebsleiter der TVA St. Erasmus, ehe der CSU-Kandidat 1984 zum Bürgermeister gewählt wurde. In 18 Amtsjahren trieb er mit großer Leidenschaft die Entwicklung der Stadt voran, stellte wichtige Weichen, setzte sich für den Ruf und das Profil Waldkraiburgs als eine lebendige "Kulturstadt" ein.

"Die Arbeit eines Bürgermeisters in Waldkraiburg geht an die Substanz", sagt er. Doch auch mit 80 bringt Fischer sich noch immer ehrenamtlich ein, mit Engagement und Leidenschaft. Vor allem mit dem Förderverein Stadtmuseum, mit dem er - erst vor Kurzem - eine Diskussion über die Umbenennung der Mittelschulen angestoßen hat, um die ersten Bürgermeister der Stadt zu würdigen. Er ist bis heute stellvertretender Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Er ist in der Kirche aktiv, als Lektor in Johann-Nepomuk zusammen mit seiner Frau Gisela und als Mitglied der Kirchenverwaltung Christkönig. Er spielt Theater beim Kolping-Kappenabend und will auch heuer wieder bei Kunst und Kommerz am 6. Mai zusammen mit Klaus Ertelt auftreten. Er bringt sich bei den Schlesiern ein und bei den Philatelisten.

Das Briefmarkensammeln ist sein großes Hobby. "Wenn ich nur mehr Zeit dafür hätte." Gerne zieht er sich dafür in sein Arbeitszimmer in der Wohnung zurück, in die die Fischers vor fünf Jahren aus ihrem Einfamilienhäuschen umgezogen sind. Sie fühlen sich wohl, nicht weit vom Haus ist eine Bushaltestelle, eine Einkaufsgelegenheit. Der Waldfriedhof, wo eine Tochter begraben liegt, ist ganz nah...

Im Ruhestand hat der Altbürgermeister auch neue Aufgaben übernommen. "Er hat sich in Haushalt und Küche ganz gut eingelebt. Nur kochen kann er nicht", lacht seine Frau Gisela. "Für das Frühstück bin ich zuständig", ergänzt der absolute Frühaufsteher. Spätestens um 6 Uhr ist es fertig. Um diese Zeit hat Jochen Fischer die Waldkraiburger Nachrichten längst durch und ist eigentlich schon zu politischen Diskussionen aufgelegt.

Politik spielt noch immer eine wichtige Rolle im Hause Fischer. Wer 36 Jahre in der Kommunalpolitik aktiv war, bleibt ein "Homo politicus". Nicht nur beim Stammtisch der Altbürgermeister aus dem Landkreis wird "alles durchgekaut, vor allem die große Politik."

Auch die "kleine" vor Ort, in Stadt und Landkreis, beobachtet er natürlich interessiert. Und wenn er zum 80. einen Wunsch für Waldkraiburg offen hätte, dann wäre es sicher der, mehr Aufbruchstimmung in der Stadt zu spüren, so wie damals Ende der 90er-Jahre, als sich viele hundert Bürger aktiv ins Stadtmarketing und den Agenda-21-Prozess einbringen wollten.

Und für sich persönlich? Dass es gesundheitlich wieder besser geht. "Ein paar Jahre miteinander mit meiner Frau. Darauf freuen wir uns."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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