"Hier heizt die Erde"

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In der "Herzkammer" der Waldkraiburger Geothermie, der Energiezentrale: Bürgermeister Siegfried Klika (rechts vorne), der bei einer spontanen Führung erklärte, wie die Wärme aus der Tiefe über Wärmetauscher und Pumpen in das Fernwärmenetz übergeben wird. Wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Wärmeversorgung aus der Tiefe: der 11. November 2010 als die erste Bohrung fündig geworden war (links unten) und der Bau der Energiezentrale (rechts unten), den die Stadtwerke in diesem Jahr vorangetrieben haben. Fotos hg/Archiv

Waldkraiburg - "In Waldkraiburg wurde ein Zeichen gesetzt, dass die Energiewende geht." So würdigte Umweltminister Marcel Huber die Bedeutung der Geothermie in Waldkraiburg.

Mit diesen Worten würdigte Bayerns Umweltminister Marcel Huber in einer Feier auf dem ehemaligen Bohrgelände die Bedeutung des erfolgreichen Waldkraiburger Geothermieprojekts.

Bei minus 5,6 Grad Außentemperaturen waren zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie Vertreter der beteiligten Firmen und Kunden gekommen, um im - noch - konventionell beheizten Zelt mit der Stadt und den Stadtwerken das Geothermieprojekt zu feiern. Nach den Bohrungen in den Jahren 2010 und 2011 folgten im laufenden Jahr weitere wichtige Meilensteine auf dem Weg zur sicheren und umweltfreundlichen geothermalen Wärmeversorgung Waldkraiburgs.

"Hier heizt die Erde." Dieser Satz von Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Weigl ist bereits Realität, auch wenn eine offizielle Einweihung nicht möglich war, weil die Anlage noch abgenommen werden muss. Im Testbetrieb werden die angeschlossenen öffentlichen Gebäude und Wohnhäuser bereits mit der Energie aus 3000 Metern Tiefe beheizt. Die Energiezentrale auf dem ehemaligen Bohrgelände in Pürten ist weitgehend fertiggestellt. Hier wird die Wärme aus dem Thermalwasser per Wärmetauscher an das Wasser im Fernwärmenetz übergeben und anschließend mittels starker Pumpen zu den Kunden transportiert. Der Ausbau des Fernwärmenetzes sei gut vorangekommen und mit einem Anschlussgrad von 82 Prozent im ersten Bauabschnitt laut Weigl sehr erfolgreich gestartet (siehe auch Infokasten mit Projektdaten).

Auf dem langen Weg zu dieser Feierstunde waren große Herausforderungen, Probleme und Hindernisse zu überwinden, auch das verhehlte Weigl nicht. Rechtliche Vorschriften hätten das Projekt erschwert. Viele Vorgaben seien nicht mehr zeitgemäß "und vor allem nicht mit den Anforderungen der Energiewende kompatibel", merkte der Stadtwerke-Geschäftsführer kritisch an.

Als Ergebnis der Hartnäckigkeit, des Mutes, der Begeisterung und des Sachverstands wertete Bürgermeister Siegfried Klika das erfolgreiche Geothermieprojekt. Wie der Stadtwerke-Geschäftsführer stellte der Bürgermeister das Projekt als große Gemeinschaftsaktion heraus, zu dessen wichtigen Voraussetzungen die große Akzeptanz in der Bevölkerung und die stets einhellige Unterstützung der politischen Gremien zählten.

Professor Johann Goldbrunner, der vor zehn Jahren mit dem Studium, der geologischen Daten begonnen und seitdem die Gesamtleitung für das Projekt hatte, äußerte sich "sehr zufrieden" über das Ergebnis. Im Endeffekt werde man 108 Grad erreichen, "viel mehr als wir erwartet hatten". Dr. Josef Füreder von der Energie Linz AG, der den oberirdischen Teil des Projekts betreut, bekannte, dass er sehr skeptisch gewesen sei, dass ein komplettes Umschwenken Waldkraiburgs, das zu fast hundert Prozent mit Gas versorgt wird, auf Geothermie gelingen kann. Jetzt rechnet er damit, dass in etwa 15 Jahren Waldkraiburg zu fast hundert Prozent über Geothermie versorgt werde.

Landrat Georg Huber, dessen Landkreis Teilhaber an der Waldkraiburger Geothermie-Gesellschaft ist, freute sich über einen "wichtigen Schritt in eine sichere Zukunft". Er sei stolz, dass "wir Stadt und Landkreis als innovative Wirtschaftsregion präsentieren können".

Wie er so gratulierten alle Redner den Mitwirkenden und Verantwortlichen, allen voran Bürgermeister Klika und Stadtwerke-Chef Weigl für deren Mut und Engagement.

Altbürgermeister Jochen Fischer stellte das Geothermie-Projekt in einen größeren Zusammenhang. Die Übernahme der Stromversorgung durch die Stadt in den 90er-Jahren sei der Schlüssel gewesen, um starke Stadtwerke zu bekommen und damit auch die Voraussetzungen für das Geothermieprojekt zu schaffen. Fischer erinnerte daran, wie er erstmals mit dem Thema konfrontiert wurde, bei einem Vortrag über das Thermalwasservorkommen im niederbayerisch-österreichischen Molassebecken im Jahr 1999. Als er "daheim das Lineal auf der Karte anlegte", habe er gedacht, Waldkraiburg könnte auch drin liegen...

Bayerns Umweltminister Marcel Huber würdigte das Waldkraiburger Projekt vor dem Hintergrund der großen Herausforderung durch Klimawandel und Ressourcenrückgang sowie den damit verbundenen Folgen. Der einzige Weg, den bedrohlichen Konsequenzen bis hin zu Völkerwanderungen und militärischen Konflikten entgegen zu wirken und den Menschen außerhalb der Industriestaaten die Chance zu geben, am Wohlstand Anteil zu bekommen, sei der Ausbau der erneuerbaren, regenerativen Energien. Deutschland könne hier Vorbild sein für andere Nationen und wirtschaftlich profitieren. Deutsche Umwelttechnologie sei weltweit führend und "könnte auf Jahrzehnte ein Exportschlager sein", wenn diese Technologie im eigenen Land erfolgreich angewendet werde. Als Umweltminister habe er bei konkreten Projekten viel mit Widerständen und Hindernissen zu tun. Umso mehr freue er sich über ein erfolgreiches Projekt wie die Waldkraiburger Geothermie.

Unter den Segen Gottes stellten Pfarrer Martin Garmaier und sein evangelischer Kollege Christian Peiser alle Menschen, die am Projekt arbeiten.

Musikalisch gestaltet wurde die Feier von der Blaskapelle des Musikvereins Waldkraiburg.

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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