Heilige Nacht fasziniert mich bis heute

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Enrico de Paruta kommt am 3. Dezember nach Waldkraiburg, um mit virtuosen Solisten und dem Waldkraiburger Niklas Renner als Engelsstimme die "Heilige Nacht" nach Thoma in der Christkönigskirche (unser Bild) aufzuführen.

Waldkraiburg - Seit 1993 führt Enrico de Paruta die Weihnachtsgeschichte als musikalisches Weihnachtsspiel auf, heuer erstmals auch in Waldkraiburg. Wir haben uns mit dem Moderator und Schauspieler unterhalten.

Die Veranstaltung findet am Samstag, 3. Dezember, um 19.30 Uhr in der Christkönigskirche.

Herr Paruta, eine private Frage: Wie verbringen Sie eigentlich das Weihnachtsfest?

Ganz, ganz ruhig. Wenn man 30-mal mit der "Heiligen Nacht" unterwegs war, auf Weihnachten zugegangen ist und versucht hat, den Menschen den Stress der Vorweihnachtszeit zu nehmen, ist es fast ein Muss, Weihnachten beschaulich und ohne Tamtam zu verbringen. Es gibt fast keine Geschenke. In der Familie schenken wir uns nur kleine, liebe Dinge. So haben wir das vereinbart.

Was wird bei Ihnen am Heiligen Abend gesungen oder gelesen?

Ich lese jedes Jahr das Weihnachtsevangelium nach Lukas. Das ist im Grunde die Kurzform der "Heiligen Nacht".

Wer über so viele Jahre immer wieder mit der "Heiligen Nacht" auf Tournee geht, der muss eine besondere Beziehung dazu haben. Was bedeutet Ihnen die Weihnachtslegende von Ludwig Thoma?

Ich habe sie mit Anfang 20 kennen und lieben gelernt. Damals habe ich beim BR Volksmusiksendungen angesagt. Ich hatte immer große Zuneigung zu allen bayerischen Dialekten. Und für jemanden, der sich für Dialekt interessiert, ist Thoma ein grandioser Schriftsteller.

Was berührt Sie an seiner Weihnachtslegende?

Das Werk selbst fasziniert mich aus vielen Gründen. Es ist wie ein Stück mit nahezu 15 Handelnden. Es hat mir Spaß gemacht, in diese Rollen zu schlüpfen. Anfangs habe ich es gelesen, aber ich habe gesehen, dass ich mehr draus machen muss, dass ich eine Form für mich finden muss. Ich habe nicht mehr gelesen, sondern engagiert erzählt. Der freie Vortrag erfordert, dass man es auswendig lernt. Aber dadurch packt man die Menschen am meisten. Das ist wahrscheinlich auch ein Geheimnis unseres jahrelangen Erfolgs. Mich fasziniert auch, immer wieder neue Aspekte in den Figuren zu finden. Sie verändern sich. Und Thoma hat den Menschen etwas auf den Weg gegeben. Er hat eine Maria in die Geschichte hinein geschrieben, die durch ihren Glauben, durch ihr positives Denken das Schicksal verändert, so dass es sich zum Besseren wendet. Das strahlt dieses Werk aus.

Gibt es eine Lieblingsszene?

Thoma war ein raffinierter Hund. Als Theaterschriftsteller hat er gewusst, wie er das Werk aufbauen muss, dass es sich nicht in Rührseligkeit verliert. Immer wenn es emotional wird, hat er für einen Bruch gesorgt und Humor eingesetzt. Dafür stehen zwei skurrile Figuren, bessere Leute, könnte man sagen, eine böse reiche Base, eine Zwiderwurzn und ihr Mann, ein hartherziger und engstirniger Zeitgenosse. Ja, es gibt eine Lieblingsstelle, im 4. Hauptstück, wenn diese Base keift und er schimpft.

Sie spielen die "Heilige Nacht" in Kultur- und Konzertsälen, sehr oft auch in Kirchen. Wie verträgt sich der bayerische, alpenländische Charakter des Weihnachtsspiels mit der modernen Christkönigskirche?

Wunderbar! Jedes Gotteshaus, ob Rokokokirche oder auf Gemeinschaft angelegte moderne Rundkirche ist dafür geeignet. In den neueren Kirchen ist die Sicht in der Regel besser. Vor allem aber bringt jeder sakrale Raum, unabhängig von der Konfession, eine Dimension ein, die kein noch so schöner Stadtsaal zaubern kann. Die Leute nehmen das Werk in einer Kirche anders auf, als in einem profanen Raum.

In diesem Jahr sind 30 Aufführungen mit wechselnden Besetzungen der "Heiligen Nacht" geplant. Welche Solisten wirken in Waldkraiburg mit?

Sein Debüt auf der Weihnachtstournee gibt Marco Cilic, ein lyrisch warmer Tenor, der Partien in einigen Mozart-Opern im Prinzregententheater und zuletzt in Orffs "Die Kluge" bei den Andechser Festspielen gesungen hat. Dazu haben wir zwei virtuose Instrumentalisten: Kathrin Pechlof, die wunderbar zwischen Klassik und Volksmusik wechseln kann. Ein besonderes Erlebnis. Der dienstälteste Mitwirkende ist Konzertgitarrist Perry Schack, der seit 2003 mit Begeisterung mitmacht, ein grandioser Musiker, der in den Konzertsälen der Welt, in Tokio, Sydney oder in der Carnegie Hall in New York, spielt. Dieses kleine kammermusikalische Ensemble spielt bekannte adventliche Weisen oder Weihnachtslieder, die die Texte nahezu wie in einer Oper ergänzen. Es ist ein durchkomponiertes Werk, deshalb nennen wir es auch "musikalisches Weihnachtsspiel".

Mit dem zwölfjährigen Niklas Renner wird auch ein Waldkraiburger mitwirken.

Ich wollte so gerne Kinder im Programm haben. Seit 2004 gibt es deshalb die Engelsstimmen. Dafür haben wir den Gesangswettbewerb musica Bavariae ins Leben gerufen. 450 Kinder haben sich heuer beworben, zehn haben wir nach München eingeladen. Fünf Kinder wurden ausgezeichnet, Niklas mit dem ersten Preis. Er war mit Abstand der souveränste und unaufgeregteste Teilnehmer mit der schönsten Stimme.

Was ist sein Part in der Aufführung?

Er wird als Engelsstimme mit einem Solo das Finale einleiten. Was er singt, verraten wir noch nicht.

Welche Auftritte hat er außerdem?

Er ist natürlich bei der Preisverleihung unter Schirmherrschaft von Staatsminister Dr. Marcel Huber am 15. Dezember in der Allerheiligen-Hofkirche in München dabei. Auch bei vier, fünf Aufführungen wirkt er noch mit. Im Bayerischen Fernsehen ist er am 24. Dezember in der Sendung "Weihnachten mit Carolin Reiber" zu sehen, die schon im November aufgezeichnet wird. Niklas führt bei dem Lied "Fröhliche Weihnacht überall" die Engelsstimmen an. Alle Preisträger werden in der Sendung interviewt.

Seit wann laufen die Proben? Wie werden die Kinder vorbereitet?

Seit September sind sie im Einsatz, meistens am Wochenende. Am vergangenen Samstag war die Zweite Gesangsprobe für die Tournee. Die Kinder sind schon eingekleidet. Sie werden für den Auftritt auf der Bühne und vor Kameras gecoacht und musikalisch geschult. Wir wollen keine Superstars aus ihnen machen, aber professionell mit ihnen umgehen wie mit Erwachsenen. Es war von Anfang an mein Anliegen, nicht nur Geldpreise zu vergeben, sondern auch ihr Talent zu fördern. Übrigens gab es in sieben Jahren noch keine einzige Panne. Kein Kind hat sich versungen. Ich hätte das als Kind nicht geschafft. Ich wäre zu nervös gewesen.

Das Interview führte Hans Grundner

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