"Bis heute einmalig in der Region"

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Emotionaler Höhepunkt aller Veranstaltungen in zehn Jahren Großer Saal im Haus der Kultur waren gewiss die Konzerte von Peter Maffay.

Waldkraiburg - Heute vor genau zehn Jahren wurde er eröffnet: der Große Saal im Haus der Kultur, der seitdem weit über 600 Veranstaltungen, Theater- , Opernaufführungen, Bälle und Feste gesehen hat. Mindestens 200.000 Besucher haben in dieser Zeit interessante Inszenierungen und bekannte Stars erlebt.

Über einen "Festtag für Waldkraiburg", ein "fürstliches Theater" und den Anbruch einer neuen Kulturära freuten sich die Redner bei der Eröffnung des Großen Saales am 30. April 2002. Besucher schwärmten von der gelungenen Architektur und den großartigen neuen Möglichkeiten, die dieser Saal mit seinem 150 Quadratmeter großen Bühnenhaus eröffnen würde. Künstler und Kritiker stimmten ein: Mit der Prognose, Waldkraiburg sei auf dem besten Weg, "das Theatergeschehen der Region zu dominieren", schloss die Kritik zur ersten Aufführung im Haus in dieser Zeitung. "Ich gratuliere Euch zu dieser wunderbaren neuen Spielstätte! Toll gemacht!" hinterließ Kabarettist Erwin Pelzig, einer der ersten, der den Saal bespielte, im Gästebuch.

Nach kontroversen Diskussionen und langen Planungen war mit der Eröffnung das Haus der Kultur am letzten Amtstag von Bürgermeister Jochen Fischer, der treibenden Kraft dieses Baus, vollendet worden. Der Titel des ersten Stücks, mit dem der Saal "getauft" wurde, Molières Komödie "Der Geizige", konnte nicht als programmatisch für dieses Projekt verstanden werden. Die Stadt ließ und lässt sich den 500 Quadratmeter großen Saal, der bei Theateraufführungen bis zu 640 Zuschauern Platz bietet, viel Geld kosten: Insgesamt 18 Millionen Mark wurden für Bau, Technik und Ausstattung ausgegeben. Finanziert wurde der Saal über die Tochter Stadtbau GmbH, an die die Kommune eine jährliche Pacht abführt.

Lieb und teuer ist der Saal der Stadt, so wie vielen Zuschauern die Schauspiel- und Musiktheater-Aufführungen. Seit es den Saal gibt, habe das Niveau noch einmal angezogen, sagt etwa Brunhilde Kroll. Die Waldkraiburgerin ist seit den 60er-Jahren Stammgast bei Kulturveranstaltungen in ihrer Stadt. "Ich liebe die ernsten Sprechstücke." Schon im Uniontheater und später dann im Stadttheater in der Realschul-Aula saß die treue Abonnentin in der ersten Reihe. Die Polstersessel in der Aula hat sie als recht gemütlich in Erinnerung. Nicht nur deshalb brauchte es eine weile, sich nach 30 Jahren an ein neues Haus zu gewöhnen. Dafür schuf der neue Raum und vor allem die Bühne mit Orchestergraben und professioneller Bühnentechnik Voraussetzungen für Stücke, die bislang in Waldkraiburg nicht gezeigt werden konnten.

Vor allem auch Opernfans wie Gerda Höllriegel aus Mühldorf profitierten davon. Bis heute habe sie Verdis "La Traviata" aus der ersten Spielzeit 2002 in bester Erinnerung, sagt sie. Beeindruckt war sie zuletzt auch von Beethovens "Fidelio". "So etwas wäre im alten Stadttheater nicht möglich gewesen."

Das gilt ebenso für Musicals und große Tanzaufführungen, die seit 2002 fester Programmbestandteil sind. "Es gibt Stadtsäle mit größerer Kapazität, aber wir haben einen richtigen Theatersaal. Das macht den großen Unterschied", sagt Peter Hegwein, der Leiter des Kulturamtes. Auf dieses "Alleinstellungsmerkmal in der Region" gelte es weiter zu setzen, ist er sich mit Hansjörg Malonek einig, der für das städtische Veranstaltungsprogramm zuständig ist. Nicht auf Kabarett und Kleinkunst, sondern auf dem Zweispartenabo, Musiktheater und Schauspiel, klassisch und modern, liege deshalb unverändert der Schwerpunkt. Auch im Hinblick auf die wachsende Konkurrenz in der Region durch den Bau neuer Veranstaltungssäle und den Generationswechsel beim Publikum, der alle Kulturveranstalter vor große Herausforderungen stellt, spricht nach ihrer Überzeugung viel dafür, an Kontinuität im Programm und Niveau festzuhalten. Von den Ergebnissen einer Publikumsumfrage im vergangenen Jahr fühlen sich die Verantwortlichen im Kulturamt ebenso bestätigt wie von der Entwicklung der Abozahlen.

Abozahlen halten sich auf hohem Niveau

Zwar ist der Run der ersten eineinhalb Jahre, als alle Welt den neuen Saal sehen wollte und neben den klassischen Abos allein über 300 Wahlabos verkauft wurden, Vergangenheit. Doch bei den klassischen Abonnements (Musiktheater, Schauspiel und Gesamt) hält sich die Marke auf einem hohen Niveau. Die verbreitete Meinung, dass Oper und Schauspiel nicht mehr ziehen, stimme einfach nicht. Gegen die allgemeine Tendenz sinkender Abozahlen gebe es in Waldkraiburg sogar einen leicht gegenläufigen Trend, so Malonek. In der laufenden Saison wurden mit 341 wieder mehr Abos als zuletzt verkauft.

Fast 65000 verkaufte Tickets weist die Statistik seit 2002 allein für die städtischen Eigenveranstaltungen aus. Fremdveranstaltungen, Kleinkunst-, Tanzshows und Konzerte auswärtiger Agenturen, sind darin ebenso wenig eingerechnet wie Märkte, Messen, Feiern oder Bälle.

Gefragt für Bälle und Betriebsfeiern

Auch da hat sich herumgesprochen, dass der Große Saal eine festliche Atmosphäre bietet. "Die Firmennutzungen haben wieder zugenommen", freut sich Peter Hegwein. Vor allem für Betriebs-. und Weihnachtsfeiern ist der Saal gefragt. "In diesem Dezember ist kein Wochenende mehr frei."

Ähnlich sieht es im Fasching aus. Jeden Samstag ist dann Ball, wobei die Doppelnutzung von Großem und kleinen Saal immer häufiger wird. An den Wochenenden sei der Saal schon an eine Belastungsgrenze gekommen, meint Hegwein. Schließlich brauche es auch Zeit für Auf- und Abbau.

Die Hoffnung, den Saal für Tagungen vermarkten zu können, hat sich bislang nicht erfüllt. "Potenzial wäre da", glaubt Malonek. "Aber Tagungen scheitern schon daran, dass wir nur 30 Hotelzimmer am Standort zur Verfügung haben."

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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